Wer applaudiert für einen Film, bei dem keiner der Filmstars auf der Bühne anwesend ist? Das nach Coronastandards voll besetzte Kino in Zeil durchbrach am Freitagabend die Stille am Ende des Films "I am Greta" mit lautem Beifall. Beifall für die Sache der Greta Thunberg, die offensichtlich auch die Sache aller Kinobesucher ist.

Die junge Klimaaktivistin aus Schweden wurde ein Jahr vom Kameramann Nathan Grossmann begleitet. Sein Dokumentarfilm erzählt von der Entwicklung der "Fridays-for-Future"-Initiativen, Gretas wachsender Popularität sowie ihrem emissionsfreien Segeltörn zum Uno-Klimagipfel in New York im Herbst 2019. Am Ende ist daraus eine weltweite Klimabewegung geworden mit über sieben Millionen Menschen, die für ein Umdenken in Sachen Klima auf die Straße gehen.

Kinobetreiber Bruno Schneyer zeigte den Film "I am Greta" im Rahmen seiner Reihe: Themenkino/Klima. Für das anschließende Gespräch stiegen Norbert Zösch (Grüne), Rainer Baumgärtner (ÖDP), Energieberater Günter Liebert und Paul Hümmer (SPD) auf die Bühne.

Mit dem Satz "Greta ist keine Ikone. Aber sie sagt die Wahrheit, eine tieftraurige und sehr einsame Wahrheit", eröffnete Oliver Kunkel vom Verein "Wir gestalten Heimat" als Moderator die Diskussionsrunde.

Norbert Zösch stellte klar, dass alle Technik für eine Kohlendoxid-Steuerung vorhanden sei und die reichen Industrienationen jetzt vorangehen müssten, um zu retten, was zu retten ist. Die erfolgreichste Strategie sei die Dezentralität; er wertete es als nächsten notwendigen Schritt, dass Haßfurt nun eine Wasserstofftankstelle bekommt, nachdem dort bereits in einer Power-to-gas-Anlage Wasserstoff hergestellt wird.

Rainer Baumgärtner sieht ein Problem darin, dass die Klimakrise hierzulande noch nicht so greifbar ist, als dass sie die Menschen aufschrecken und zum Handeln treiben könnte. Trotz vieler Dämpfer, die die Klimapolitik einstecken musste, etwa durch die Streichung der Einspeisevergütung, setzt er seine Hoffnung auf die deutsche Politik und die EU, die nun doch die Dringlichkeit zum Handeln zumindest erkannt hätten.

Worte des Papstes

Günter Liebert zog eine Bilanz. Vor 25 Jahren sei er ausgelacht worden für sein E-Mobil, heute hätten E-Autos eine immer größer werdende Akzeptanz. Allerdings gab er auch zu, dass es ihn frustriere, "tagtäglich gegen die Verdummung anzureden". Bei seiner Energieberatung, die er aus hundertprozentiger Überzeugung mache, wird er zunehmend müde auf Fragen zu antworten wie: "Ist das nicht zu teuer? Was verdiene ich denn damit?" Solche Einwände gingen weit am Ziel vorbei, denn es gehe um eine dringliche Prioritätensetzung aller, wenn die Verwüstung der Erde eingedämmt werden soll.

Zwischen Hoffnung und Zorn siedelte auch Paul Hümmer sein Statement an und pflichtete den Worten von Papst Franziskus bei, die dieser zu Greta Thunberg gesagt hat: Die kapitalistische Wachstumswirtschaft töte. Umkehr tue not.

In der zweiten Runde kam das Publikum zu Wort. Die Lehrerin Gabi Stern plädierte dafür, sich nicht immer wieder in eine Ohnmacht hinein zu bugsieren. "Wir müssen nicht frustriert gegen etwas kämpfen, sondern entschieden für etwas einstehen."

Jutta Appel berichtete, wie sie als Mutter durch ihre Kinder zum klimafreundlichem Handeln gedrängt wurde, indem sie die familiären Lebens- und Konsumgewohnheiten beharrlich hinterfragten. Beispiele von der Begeisterung von Kindern beim Naturerleben, von Gartenpädagogen bis hin zum "Grünen Klassenzimmer" fügten sich an.

Kinobetreiber Bruno Schneyer schloss den Themenabend mit dem Appell an alle, die Klimasache dem kapitalistischen Wirtschaftssystem schmackhaft zu machen. "Nur wenn wir die Wirtschaft mit dem Klimathema anfixen, dann klappt's."