Der Mann, der am gestrigen Freitag noch ungemein vital und voller Optimismus in die Zukunft blickend seinen 80. Geburtstag feierte, hat ein ereignisreiches Leben hinter und wahrscheinlich noch vor sich. Denn die Schaffenskraft des bekannten Künstlers Claus Tittmann aus Berndorf ist nach wie vor ungebrochen, die Ideen und deren Verwirklichung gehen ihm nicht aus.

Ein kurzer Streifzug durch seine Werkstatt, den Ausstellungsräumen und durch das Atelier samt Skulpturengarten, herrlich im Grün des Thurnauer Ortsteils gelegen, genügt, um den immensen Tatendrang und die künstlerische Ambivalenz zu erfassen. Tausende von Keramiken und Güssen aus Eisen und Bronze sowie viele plastische Arbeiten machen deutlich, wie sehr die Kunst sein Leben bestimmt hat, in 45 kreativen Jahren.

Maschinenbauer gelernt

Dabei hat alles ganz anders begonnen: Obwohl schon in Jugendjahren ein Faible für Malerei, Zeichnen und plastisches Gestalten vorhanden war, absolvierte der in Leipzig Geborene erstmal eine Lehre als Maschinenbauer, danach ein Ingenieursstudium mit anschließender Tätigkeit als Diplomingenieur in Frankfurt am Main.

Daneben besuchte Tittmann das Städelsche Kunstinstitut mit der Sparte Radierung und Steindruck in der Mainmetropole und nach dem Umzug nach Berndorf den Meisterkurs an der Fachschule für Keramik in Landshut. Die beruflichen Stationen des Abiturienten am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium in Kulmbach - die Verbindung zur Bierstadt kamen über seinen Vater zustande - führten durch ganz Deutschland, von Düsseldorf nach Stuttgart und München und wieder zurück ins Frankenland, wo er, inspiriert vom Thurnauer Maler und Keramiker Günther Stüdemann, seit 1975 als selbstständiger Keramiker in Berndorf endgültig Fuß fasste und im Elternhaus in Berndorf sesshaft wurde. "Der ideale Standort für das Künstlerische und Private", wie er es ausdrückt.

Claus Tittmann hat nach einer Japanreise auch fernöstliche Symbolik in seine unzähligen Werke einfließen lassen. Besonders große, oft monolithische Skulpturen, die häufig in Eisen und Bronze ausgeführt sind, geben in ihrer abstrakten, teils mythischen Formen eine neue Richtung vor. Ein Vorzeigeobjekt von ihm aus jüngerer Zeit ist eine Bronzebüste des Komponisten Carl Maria von Weber, der die berühmte Oper "Freischütz" schuf. Aus Anlass des 200. Geburtstags der Uraufführung wird sie in Kürze in Frankfurt im Deutschen Romantikmuseum aufgestellt.

Vielfach ausgezeichnet

Zahlreiche Werke in der Öffentlichkeit tragen die Handschrift des Claus Tittmann, so ein Brunnen und ein Relief am MGF, Jean Paul-Büsten in Bayreuth und Hof sowie Unikate in der Thurnauer süditalienischen Patenstadt Positano an der Amalfi-Küste und in Frankfurt am Main. Seine Arbeiten wurden zudem oft in Sammlungen in den Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in der Bundeshauptstadt, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, dem Grassi-Museum in Leipzig oder dem Hetjens-Museum in Düsseldorf gezeigt.

Die Auszeichnungen für sein Schaffen reichen vom Bayerischen Staatspreis und dem Design-Preis Oberfranken bis zum Kulturpreis der Oberfrankenstiftung. Der Kulturpreis 2020 wurde ihm ebenso verliehen, eine Überreichung war wegen Corona aber nicht möglich. "Das werden wir nun bald im gebührendem Rahmen nachholen", signalisierte das Landrat Klaus Peter Söllner dem Jubilar vor ein paar Tagen.

Seit 51 Jahren verheiratet

Wenn Claus Tittmann auf sein Leben zurückblickt, schaut er seine Frau Brigitta, mit ihr seit 51 Jahren verheiratet, liebevoll und dankbar an und meint: "Ohne sie eng an meiner Seite hätte ich das alles nicht so bewältigen können". Und fasst seine Lebensphilosophie in einem Reim von Wilhelm Busch zusammen: "Wenn einer, der mit Mühe kaum, geklettert ist auf einen Baum und meint, dass er ein Vöglein wär, der irrt sich sehr."

Bodenhaftung und Fliegen lernen waren für Tittmann wichtig. Zum 80. Geburtstag gratulierten auch Sohn Martin und Tochter Julia, die die Gene des Vaters geerbt hat und im Metier tätig ist. Die Bayerische Rundschau schließt sich den Glückwünschen aus Künstlerkreisen und Politik an.