Reisebeschränkungen, Beherbergungsverbot, Quarantänepflicht - für den Tourismus war das Jahr 2020 ein ständiges Auf und Ab. Im Frühjahr mussten Hotels und Gaststätten geschlossen bleiben, im Sommer dann der Andrang von Besuchern aus ganz Deutschland. "Es gibt Monate, die kann man nicht mehr aufholen", sagt Bianca Müller, Diplom-Geografin und Tourismusmanagerin für die Region Fränkische Toskana.

Geschäftsreisen seien zwar möglich gewesen, allerdings hätten davon nur vereinzelte Gäste auf dem Land übernachtet. Zur Fränkischen Toskana gehören die Gemeinden Memmelsdorf, Litzendorf und Strullendorf. "Normalerweise profitiert die Region von der Nähe zur Weltkulturerbestadt Bamberg, damit haben die Gäste das Beste aus zwei Welten", so Müller. Doch erst ab Pfingsten waren touristische Übernachtungen wieder möglich. Auch die Reisebüros hatten hohe Einbußen. "Viele gebuchte Reisen wurden abgesagt, da einige Länder zu Risikogebieten erklärt wurden und viele Leute keine Lust auf Quarantäne hatten oder nicht schnell genug an einen Corona-Test herangekommen sind", sagt Carina Seifert, Reiseberaterin im TUI-Reisecenter Bamberg.

Wanderurlaub statt Flugreise

Im Juli, August und September seien die Buchungen für die Fränkische Toskana dann deutlich angestiegen, sogar höher als im letzten Jahr. Grund dafür sei das Sicherheitsgefühl, das die Deutschen beim Urlaub im eigenen Land gehabt hätten. "Die Menschen haben überall dort Urlaub gemacht, wo man schnell hin und im Notfall auch schnell wieder nach Hause kommt", sagt Seifert. Nur wenige Leute seien im vergangenen Sommer weggeflogen. Stattdessen seien viele auf Rad- und Wanderurlaub umgestiegen.

Von der Konzentration auf das eigene Land als Erholungs- und Urlaubsgebiet hätten die Gebiete Fränkische Schweiz und Fränkische Toskana profitiert. "Viele Menschen, die in die Touristeninformation kamen sagten, dass sie schon immer mal nach Franken wollten, es allerdings vorher nie geschafft hätten", sagt Müller. Normalerweise sei die Fränkische Toskana eine Kurzurlaubsdestination. In diesem Jahr wurde allerdings oft die komplette Haupturlaubszeit, also ein bis zwei Wochen, dort verbracht. Am Anfang der Reisezeit, nach dem ersten Lockdown, seien viele noch vorsichtig gewesen und hätten vermehrt Ferienwohnungen und Wohnmobilstellplätze gebucht. Nach ein paar Wochen habe es dann auch eine hohe Nachfrage bei den Gasthöfen und in den Hotels gegeben.

"Im neuen Jahr wird das Reiseverhalten noch gemischt sein, aber auf längere Zeit wird es sich definitiv wieder normalisieren. Die Deutschen reisen einfach gerne", sagt Seifert. Sobald es wieder möglich ist, würden viele wieder nach Mallorca und Griechenland fliegen. "Der Wald kann das Feeling von Strand und Meer einfach nicht ersetzen", meint die 30-Jährige. Die Tourismusmanagerin erwartet auch 2021 eine gute Nachfrage. "Trotz Impfung wird noch viel Unsicherheit bei Auslandsreisen bestehen. Das Wandern und das Radfahren sind hingegen zwei der wenigen Freizeitaktivitäten, die auch während Corona sehr gut umgesetzt werden können. Wir müssen lernen, mit der Pandemie zu leben. Irgendwie muss es weitergehen."