Ein sanftes Lächeln liegt auf dem Gesicht von Schwester Jakoba Hierl. Seit 1. Oktober 2015 ist sie die Hausoberin der Schwestern vom göttlichen Erlöser im Haus Loreto in Gößweinstein. "Kaum im Haus, schon darf ich das 100. Jubiläum feiern" freut sie sich. Heute ist das Haus Loreto noch immer ein Erholungsort für die Niederbronner Schwestern und Schwestern anderer Orden.
"Unsere Einrichtung kann auf eine bewegte Zeit zurückschauen", so die Oberin.
Es war ein denkwürdiger Tag, dieser 19. April des Jahres 1917, ein Donnerstag. Es ist gegen 13 Uhr: Gespannt und mit großer Freude erwarten Pfarrer Kaspar Koch und der Vorstand des Schwesternvereins den Wagen mit Schwester Oberin Cöliflora und Schwester Alberta. Begleitet werden beide von den Schwester Oberinnen Jolanda und Connesca. Das neue Schwesternhaus in Gößweinstein, Hausnummer 77 ist mit Fahnen, Girlanden und Tannenbäumchen geschmückt.


Ein großer Wunsch

Mit der Begrüßung der Schwestern vom göttlichen Erlöser durch Pfarrer Kaspar Koch ging ein großer Wunsch in Erfüllung und eine Ära begann. Kranke sollten dort Hilfe und Pflege erfahren. Für Kinder sollten einen Kindergarten besuchen können.
Die Schwestern vom göttlichen Erlöser wurden am 28. August 1849 von der im elsässischen Niederbronn geborenen Mutter Alfons Maria, die auf den Namen Elisabeth Eppinger getauft wurde, gegründet. Ihre Berufung finden die Schwestern damals wie heute in der Betreuung von Kindern und der Pflege von Kranken und Armen. Der Orden gründete bald weitere Gemeinschaften, darunter auch in Wien. Dort lernte der aus Gößweinstein stammende Franz Weidinger den Dienst der Niederbronner Schwestern kennen und schätzen.
Mit Geschick und Fleiß hatte es Weidinger in Wien zu einem großes Vermögen gebracht. Er war so auch in der Lage, das Gebäude Hausnummer 77 in Gößweinstein zu kaufen. In seinem Testament vermachte Weidinger das Haus den Niederbronner Schwestern. Diese sollten dort eine Krankenstation, eine Kleinkinderschule sowie ein Erholungsheim für Schwestern einrichten. Nach dem Tod von Franz Weidinger am 16. April 1916 erfüllte sich der Wunsch Weidingers. Voller Elan nahmen die Schwestern ihre Arbeit sowohl in der Krankenpflege, der Kinderbetreuung wie auch als Handarbeitslehrerinnen auf.
Neben Gößweinstein umfasste der Handarbeitsbezirk auch Tüchersfeld, Pottenstein, Haßlach, Kirchenbirkig, Kleingesee und Moggast. Waren die Schwestern zunächst zu Fuß unterwegs, war die Anschaffung von Fahrrads ein wesentlicher Fortschritt. Der Anblick radelnder Nonnen muss für viele anfangs gewöhnungsbedürftig gewesen sein. Der Kindergarten entwickelte sich prächtig. Daher sollte schon 1930 mit dem Bau eines Kinder- und Handarbeitssaales begonnen werden. Doch es kam anders.
Das Mutterhaus der Schwestern in Neumarkt musste wegen der finanziellen Lage seine Finanzierungszusage zurücknehmen. Dies rief einen weiteren großherzigen Stifter auf den Plan: Freiherrn Heinrich von Hausen in Scheinfeld.


Neue Bedürfnisse

Der Freiherr stellte seine Villa Loreto in Gößweinstein, Hausnummer 89, zur Verfügung. So wurde das bisherige Schwesternhaus für 12000 Mark an die Oberpostdirektion Bamberg verkauft, mit dem Erlös und der fleißigen Unterstützung von Helfern die Villa Loreto den neuen Bedürfnissen angepasst und am 10. Oktober 1932 bezogen.
Die neue Filiale der Ordensgemeinschaft diente nun als Station für die Krankenschwestern, als Kindergarten und als Erholungsheim für Ordensangehörige. Der Stamm des Hauses wuchs bis 1936 aufgrund der gestiegenen Nachfrage in allen Bereichen auf acht Schwestern an. Davon waren zwei Schwestern als Fachlehrerinnen für Handarbeit in der Schule Gößweinstein, weitere zwei Schwestern in der Krankenpflege und eine Schwester im Kindergarten tätig.
Ein lang gehegter Wunsch der Schwestern ging am 19. März 1938 mit der Benedizierung der eigenen Hauskapelle in Erfüllung. Dort in der Viktor-von-Scheffel-Straße befindet sich noch heute das Schwesternhaus, das sich ungebrochener Beliebtheit bei Erholung suchenden Schwestern erfreut. Allerdings musste die Villa Loreto einem funktionalen Neubau weichen, der am 12. März 1966 bezogen wurde.
Mehr als 70 Jahre waren die Schwestern an der Schule in Gößweinstein ein vertrautes Bild. Gerade Mädchen wurden in den Fächern Handarbeit und Hauswirtschaft wichtige Kenntnisse für ihr weiteres Leben vermittelt. In guter Erinnerung sind bei vielen immer Schwester Adelgunda, die von 1959 bis 1969 als Fachlehrerin tätig war. Von 2002 bis 2015 leitete sie die Gemeinschaft im Loreto.
Im Jahr 1989 beendete Schwester Hildegard ihren Schuldienst, den sie 20 Jahre lang ausübte. Damit endete auch die Tätigkeit der Niederbronner Schwestern an der Volksschule Gößweinstein. Das segensreiche Wirken haben ungezählte kranke und pflegebedürftige Menschen erfahren.