Martin Kreklau

Für dieses Geld kaufen sich andere Leute ein Auto: Knapp 10 000 Euro ist Grischa Janorschkes Rennrad wert. Doch der Ex-Radprofi ist nicht der Besitzer - es ist eine Leihgabe des Radteams Herrmann, seiner neuen Mannschaft.
Welches Rad die Athleten bekommen, hängt davon ab, welche Marke das Team sponsert. "Manchmal werden komplette Räder zur Verfügung gestellt, manchmal sind es auch nur einzelne Komponenten. Diese bauen die Mechaniker dann zu einem Rad zusammen", sagt Janorschke.


Wettrüsten der Hersteller

Der Altenkunstadter fährt künftig ein Spezialized Venge Vias - eines der besten Rennräder, die aktuell auf dem Markt sind. "Die Hersteller schaukeln sich da gegenseitig hoch. Das ist nichts anderes als das, was in der Formel 1 passiert", sagt Janorschke.
Aktuell gehe es vielen Firmen darum, die Aerodynamik der Räder zu optimieren. Deshalb sind sämtliche Kabel und Züge im Rahmen integriert oder verblendet. Auch die Form des Lenkers und der Sattelstütze sind beispielsweise tropfenförmig, um den Luftwiderstand zu verringern.
Doch die neuen aerodynamischen Räder sind nicht immer die erste Wahl. "Wenn in einem Rennen mehr als 2500 Höhenmeter überwunden werden müssen, kommen klassische Rennräder zum Einsatz, da sie noch etwas leichter sind", erklärt Janorschke.


Mindestgewicht: 6,8 Kilo

6,8 Kilogramm muss ein Rad laut den Statuten des Internationalen Radsportverbandes mindestens wiegen, also deutlich weniger als ein Kasten Wasser. Die Hersteller könnten das Gewicht theoretisch zwar weiter verringern, doch dann bestünde die Gefahr, dass das Material zu dünn wird, was die Stabilität und die Steifigkeit des Rennrads gefährden würde. Janorschke: "Das ist eine Vorschrift zum Schutz der Sportler."
Fast alle Komponenten bestehen aus Carbon. Der Werkstoff ist nicht nur besonders leicht, sondern gleichzeitig sehr stabil und daher ideal für nahezu alle Teile des Rennrads. Eine Alternative zu diesem Material gibt es derzeit nicht. Jankorschke: "10 000 Euro sind aktuell die Schallmauer. Carbon ist teuer, da muss man für einen Laufradsatz schon mit 1500 bis 2500 Euro rechnen. Klar, man kann auch mehr für ein Rad bezahlen, wenn man sich alle Schräubchen vergolden lässt. Nach oben sind preislich letztlich keine Grenzen gesetzt, aber es gibt gute Räder schon ab 2500 Euro. "
Im vergangenen Jahr war Janorschke mit seinem damaligen Team viel unterwegs, unter anderem in China. Für die Mannschaften ist der Transport des Materials ein großer Aufwand. Jedes einzelne Rad zerlegen die Mechaniker zunächst, um es dann in Taschen oder Kartons zu verstauen. Die landen schließlich im Frachtraum des Flugzeugs. "Gerade bei großen Veranstaltungen bedeutet das jede Menge Arbeit für die Angestellten am Flughafen", sagt Janorschke.


Viel zu tun für die Mechaniker

Vor Ort sorgen zumeist die Veranstalter für den Transport der Räder vom Hotel zum Rennen. "Oft bekommen die Teams einen kleinen Bus für die Sportler und einen Lkw für den Transport der Räder zur Verfügung gestellt", sagt Janorschke. Auf die Mechaniker wartet dann viel Arbeit, denn sie müssen die Räder wieder zusammenschrauben. Bei der Technik hat sich in den vergangenen Jahren indes einiges getan. "Als ich angefangen habe, hatten die Schaltungen neun Ritzel, inzwischen sind es schon elf. Und Räder mit zwölf sind schon in der Entwicklung."