Von Covid-19 hat sie sich erfolgreich ferngehalten, aber gegen das Humsera-Fieber war Christa Möller machtlos. "Das war eine Herausforderung, sich kreativ zu betätigen", sagt die in Bischberg wohnende Malerin. Sie war eine der zehn Künstlerinnen, die sich mitten im Corona-Lockdown an der Kunsta(u)ktion von FT und Stephan Zehentmeier beteiligt haben. Wie ihre Kolleginnen gestaltete sie ganz individuell eine von Zehentmeiers "Humsera Jetzerdla"-Plastiken, die bei Online-Versteigerungen insgesamt 6240 Euro erzielt haben. Wo diese inzwischen unter anderem gelandet sind, ist rechts auf der Seite zu sehen.

Die Hälfte des Verkaufserlöses ging an die Künstler, die der Möglichkeit, Werke auszustellen und damit Einnahmen zu erzielen, längere Zeit beraubt waren. "Geplante Vernissagen und Events mussten leider ausfallen", erzählt Möller, die auch nicht in ihrem 40 Quadratmeter großen Atelier zu Ausstellungen einladen konnte.

Eine Herzensangelegenheit

Nicht ohne Stolz hat die 1947 in Bamberg geborene Künstlerin registriert, dass für "ihre Humsera" der höchste Preis bei den Auktionen bezahlt wurde. Diese Tatsache und der Wunsch, dem Frauenhaus, für das sie schon öfters gespendet hat, wieder etwas Gutes zu tun, haben sie motiviert, mit dem Bemalen von Humsera-Figuren weiterzumachen. Sie hat weitere Plastiken von Zehentmeier geordert und diese künstlerisch veredelt. Zehn Prozent des Erlöses dieser Figuren gehen an das Frauenhaus Bamberg. "Mir ist es eine Herzensangelegenheit, die Arbeit gegen Gewalt an Frauen und Kinder zu unterstützen", betont Möller, die sich seit 32 Jahren intensiv mit Malerei beschäftigt.

Bei der Gestaltung der Figuren blieb die Malerin ihrer Philosophie "Der Mensch im Raster" treu und versuchte, diese auch hier umzusetzen. Sie erklärt: "Das Raster steht für das Leben und die Urquelle: Nahrung, Lebenskraft, Schutz und Geborgenheit. Jeder Strich ist eine Grenze zwischen hier und dort." Ein Kunstwerk sei für sie immer eine Mitteilung, auch wenn der Inhalt nicht mit Worten zu beschreiben sei. Ihre erste Humsera-Interpretation kommt sehr puristisch daher: Schwarze Striche, schwarze (Wort-)Fragmente und nur ein Farbpunkt - eine rote Frucht in der Hand der Marktfrau. Die Farbe symbolisiere "das Glück und die Liebe, stärkt unsere Willenskraft und sorgt für positive Stimmungen". Diese Energie, die von dem Bild ausgehen soll, ist ihr besonders wichtig. Ihre folgenden Variationen der Humsera greifen die Grundstruktur der ersten Figur auf, kommen aber teilweise etwas bunter daher.

Allgegenwärtig in der Stadt

Ein Teil davon ist nun in den nächsten Wochen im Schaufenster im Krackhardthaus am Maxplatz ausgestellt und kann erworben werden. Und auch die Arbeiten in ihrem Atelier im Föhrenweg 1 in Bischberg sind inzwischen wieder zugänglich - nach vorheriger telefonischer Anmeldung (0951-61838). In den Bamberger Geschäften grassiert nach der FT-Aktion nun regelrecht das Humsera-Fieber - aus mehreren Schaufenstern grüßt die bemalte Marktfrau aus Plastik. Den prominentesten Auftritt haben dabei die Skulpturen von Friedl Fischer aus Bischberg, die aktuell bei "Kunst im Treppenturm" ihre Werke in der Bamberger "Galerie Karstadt Kaufhof"-Filiale präsentiert.

Auch Möller, die im In- und Ausland bereits ausgestellt hat und unter anderem Mitglied bei Focus-Europa, dem Bund fränkischer Künstler und "Form und Farbe" ist, wird wie ihre Kollegen langsam wieder präsenter in der Öffentlichkeit - zum Beispiel auch durch eine Gemeinschaftsausstellung vom Bund fränkischer Künstler auf der Plassenburg in Kulmbach. Diese kann täglich von 10 bis 18 Uhr noch bis zum 5. September besucht werden.

4000 Euro für das TiG

Die Humsera-Aktion von FT und Stephan Zehentmeier kam aber nicht nur den beteiligten Künstlern zu Gute. Die andere Hälfte des Verkaufserlöses ging an den Spendenverein der Mediengruppe Oberfranken "Franken helfen Franken". Und dieser hat sich dazu entschieden, mit diesem Geld, das vom Verein auf 4000 Euro aufgestockt wurde, ebenfalls Künstler zu unterstützen. "Franken helfen Franken" folgt dem Spendenaufruf des Richard-Wagner-Verbands und greift damit den Kulturschaffenden vom "Theater im Gärtnerviertel" unter die Arme.