Noch ein vom Stadtrat geschaffenes Ehrenamt: Antoinetta Bafas (parteilos, aber in der Fraktion von CSU/JC) widmet sich jetzt im Auftrag des Stadtrats der Kultur. Ihre Berufung am Donnerstag war eine Formalie: Andere Bewerber für diesen Posten gab es nicht; den Antrag, eine/n Kulturbeauftragte/n zu berufen, hatten CSU/JC und SPD gemeinsam gestellt.

Die neue Kulturbeauftragte hat einiges zu tun, zumindest laut Aufgabenbeschreibung: Am (verwaltungsinternen) Steuerkreis Kulturentwicklung teilnehmen und die Stadt in Sachen Kulturpolitik unterstützen, die Beziehungen pflegen zwischen Kulturschaffenden, Stadtverwaltung und Politik, und bei Bedarf den hauptamtlichen Kulturreferenten bei Terminen vertreten.

Den Aufgabenkatalog hat der Kultur- und Schulsenat abgesegnet, die Kulturbeauftragte musste vom Stadtrat berufen werden. Es ging also am Donnerstag nicht mehr um das Ob, sondern um das Wer. Die beiden FDP-Vertreter stimmten allerdings in erster Linie gegen die Berufung eines Kulturbeauftragten an sich, nicht gegen die Person. Alle Stadträte seien aufgerufen, Anregungen von Bürgern aufzunehmen, sagte Michael Zimmermann (FDP). Er kritisierte außerdem, dass die städtische Kulturabteilung "dünn besetzt" sei: "Wenn man da meint, mehr tun zu müssen, kann man innerhalb der Verwaltung umschichten."

Antoinetta Bafas war als Stadtratsmitglied von der Beratung und der Abstimmung ausgeschlossen. Aber sie durfte sagen, warum es aus ihrer Sicht so einen Posten braucht. "Die Kulturbranche wurde durchgeschüttelt von Corona", das sei das eine. Aber auch sonst verändere sich die Gesellschaft und mit ihr die Kultur. Bei vielen Zukunftsthemen werde der Kultur inzwischen eine wichtige Rolle zugewiesen. "Wir machen Innenstadtbelebung mit Kultur." Das werde umso wichtiger, wenn im Sommer 2022 die Betriebserlaubnis fürs Landestheater erlischt. Dann kann das Theater - wenn alles nach Plan läuft - zwar ab Herbst 2022 im "Globe" spielen, aber der Innenstadt wird ein Publikumsmagnet fehlen, gab Bafas zu bedenken.

Sie sehe einen großen Bedarf, "Kultur neu zu definieren". Sie wolle die Belange der Kulturschaffenden "in Politik und Verwaltung tragen", aber auch als Beauftragte des Stadtrats bei den Kulturschaffenden vermitteln, was warum unterstützt wird und was nicht.

Immerhin bringt die Kultur durch aktuelle Sonderförderprogramme auch Geld in die Stadt: Auf ihren Tipp hin habe Coburg Marketing Mittel beantragt und so 100 000 Euro für Kulturprojekte in die Stadt geholt, sagte Bafas.

Als Chorleiterin und künstlerische Leiterin von "Leise am Markt" hat sich Antoinetta Bafas selbst einen Namen in der Coburger Kulturszene gemacht. Vor diesem Hintergrund verwies sie auf die Integrationskraft von Kultur: "Mit einem Musikhochschuldiplom und keinem Wort Deutsch" sei sie nach Coburg gekommen. Heute zeige sie "als gewählte Stadträtin, was Kultur an Völkerverständigung und Integration leistet".