Kennen die Höchstadter ihren Schlossberg? Natürlich, werden die meisten sagen. Da ist das Landratsamt. Vor der historischen Kulisse feiern die Bürger gerne Altstadtfest oder Mittelalterspektakel. Im Innenhof bildet das Schlossgewölbe mit seiner ganz besonderen Atmosphäre den stilvollen Rahmen für Musik und Konzerte. Und dann gibt es ja noch den Verein "Hohestete", der sich um das alte Gemäuer annimmt.
Ja aber wie steht es mit der Geschichte? Sie ist wohl weniger präsent. Dem kann jetzt nachgeholfen werden: Die Höchstadterin Monika Mennel hat im Eigenverlag ein Buch mit dem Titel "Der Schlossberg" herausgebracht. Im Rahmen der Kulturmeile am Samstag, 7. Oktober, wird sie es um 19 Uhr im Heimatmuseum vorstellen. Dort kann das Büchlein auch erworben werden.
Sie sei "mit Geschichte infiziert", antwortet Monika Mennel auf die Frage, wie sie dazu gekommen sei, dieses Buch zu schreiben. Den "Virus" hat sie sich wohl schon in der Kindheit geholt: "Der Schlossbezirk war der Abenteuerspielplatz meiner Kindheit", erzählt sie. Speicherböden und Schlossgarten seien ideale Spielplätze gewesen, erinnert sich die am Fuß des Schlossbergs aufgewachsene Höchstadterin.
Natürlich hatte sie Freunde und Helfer, die sie bei ihrer Arbeit unterstützt haben. Viel habe sie der 2009 verstorbenen Höchstadterin Margarete Bley zu verdanken. "Sie hat ihr Wissen über Höchstadt an mich weitergegeben, so dass ich heute eine gründliche Basis für meine Arbeit habe", sagt sie. Über die Freundschaft mit Mühlhausens Heimatforscher Johann Fleischmann sei der Kontakt zu Christian Plätzer entstanden, der dann auch das Lektorat für Mennels Arbeit übernahm.
In ihrem Buch beleuchtet Mennel die jüngere Geschichte von Schloss und Schlossberg. "Die Entwicklung eines kleinstädtischen Amtssitzes von der Säkularisation bis zum Ende des Königreiches Bayern" ist im Untertitel zu lesen. In Zahlen ausgedrückt heißt das von 1803 bis 1918.


Ein schauriges Kapitel

Der Schlossbezirk - das Schloss mit Hof und Garten, im Vorhof der Schlossbauernhof mit seinen landwirtschaftlichen Nebengebäuden, die alte Fronveste und eine Scheune - sei eine geschlossene Anlage und Besitz des Hochstifts Bamberg gewesen. Vor 1800 sei es Sitz der fürstbischöflichen Amtsinhaber gewesen.
Nach Auflösung der Fürstbistümer Frankens 1803 fiel es an das Königreich Bayern. Als Nachfolgeinstitution wurde 1804 in Höchstadt ein königliches Landgericht mit Amtsräumen im Schloss und ein Rentamt (im heutigen Rathaus) eingerichtet. Mit Skizzen und Plänen, teilweise aus der Baubefunduntersuchung der Uni Erlangen, dokumentiert die Autorin alles.
Viele Stunden hat sie für ihre Recherchen in Archiven in Bamberg und Coburg zugebracht. Etwa zwei Jahre lang hat sie sich intensiv mit dem Thema befasst, hat alte Pläne studiert, Fotos und Ansichten gesammelt. Schon lange zuvor, etwa im Jahr 2000, habe sie die Akte über die Fronveste, das einstige Höchstadter Gefängnis, im Bamberger Staatsarchiv gefunden. Dieses interessante, aber auch etwas schaurige Kapitel Höchstadter Geschichte nimmt viele Seiten ein. An die "neue Fronveste", im Volksmund "des Backstaahäusla" genannt, das erst 1975 abgerissen wurde, dürften sich viele Höchstadter noch gut erinnern.
Natürlich weiß Monika Mennel auch über die Zeit vor der Säkularisation gut Bescheid. Deutlich wird das, wenn man mit ihr durch den Innenhof des Schlosses geht. Viel kann sie aus dem alten Gemäuer herauslesen. Unter Mennels "Führung" erkennt auch der Laie oberhalb des Schwedenbrunnens eine Spitzbogentür, eine Rundbogentür und drei durch Steine verschlossene dreigliedrige Fenster. "Der Rundbogen gehörte zu dem von außen zugänglichen Eingang des ersten Palas", womit der repräsentative Saalbau einer mittelalterlichen Burg bezeichnet wird.