von unserer Mitarbeiterin Petra Malbrich

Unterrüsselbach — Das wird die Geflügelhaltung der Zukunft sein, davon ist MdB Ute Vogt (SPD) nach der Betriebsbesichtigung auf dem Geflügelhof Schubert überzeugt. "Der Verbraucher akzeptiert auf Dauer nichts anderes", meint sie, denn in der Geflügelhaltung liegt am meisten im Argen, das Schnabelkürzen und das Schreddern von männlichen Küken sind dabei die brisantesten Themen, die zu verändern es nach Meinungen vieler konventioneller Experten und Hühnerhalter nicht umsetzbar sei.
"Ich bin froh, das hier gesehen zu haben, um zu sagen, es geht doch. Ich habe hier kein einziges Tier mit gekürztem Schnabel gesehen", fügt Vogt an. Aber auch kein Huhn mit gerupften Federn. Das liegt nicht alleine an Schuberts Demeterbetrieb, sondern, dass Bio und ökologische Arbeitsweise den Chef des landwirtschaftlichen Betriebs schon immer angesprochen haben, wie er den Gästen aus der Politik vor Ort erzählte. MdB Anette Kramme, MdB Ute Vogt, MdB Andreas Schwarz (alle SPD), BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif, BBV-Direktor Wilhelm Böhmer, BBV-Geschäftsführer Werner Nützel, Bezirks- und Landesbäuerin Anneliese Göller und Kreisrat Rainer Büttner (SPD) überzeugten sich vor Ort von der gelebten Firmenphilosophie.


"Zurück zu den Wurzeln"

Diese bedeutet für Peter Schubert "Zurück zu den Wurzeln". Begonnen hat alles mit einer einfachen Hobbyzucht des Großvaters Johann in den 60er Jahren. Mit einer Wiese begann dann die professionelle Zucht, als Schuberts Opa das Hobby zum Beruf machte. Anschließend übernahm Peter Schuberts Vater Willibald die Hühnerzucht. Zu der Zeit war es in Amerika bereits zur Hybridzucht gekommen, um den Heterosiseffekt zu erzielen: entweder mehr Eier oder mehr Fleisch. "Diese Züchtungen wurden immer intensiver, sie verdrängten die bäuerliche Zucht, die nicht mehr wettbewerbsfähig war", erklärt Schubert, der den Betrieb vor 13 Jahren übernommen hat, als sein Vater tödlich verunglückte. Nun ist Peter Schubert an einem Projekt beteiligt, damit diese Züchtung wieder in die bäuerliche Hand zurückgeht. "Die Züchtung, die Genetik ist ein Allgemeingut", sagt Schubert, der Patente darauf ablehnt. Diese Gefahr würde aber durchaus gegeben sein und ist eines der großen Nachteile, wenn sich das Verfahren durchsetzt, um männliche Küken schon vor dem Ausbrüten töten zu können.
Die männlichen Küken töten, um nur die weiblichen Eier weiter auszubrüten, das sei eine teure Angelegenheit, was dann nur in zwei Brütereien passiere, bedeute ein Sterben der Geflügelzucht. Genau das, was nicht forciert werden sollte. Männliche Küken töten, das muss Peter Schubert ohnehin nicht, es ist nicht im Sinne von Demeter. Seit fünf Jahren ist sein Betrieb in Unterrüsselbach ein Demeterbetrieb. Nur die zwei Betriebe in der Nähe von Gera arbeiten noch konventionell. Auf einer großen grünen Wiese stolzieren hier die Junghähne herum. Auch krähen können sie, was aber nicht immer gefällt, weshalb Schubert seine Hähne weiter außerhalb des Ortes umquartieren wird. Die Hähne werden 22 Wochen alt und dann geschlachtet und als Frikassee, Sülze oder Fondue in Gläser verpackt an Projektpartner verkauft. Die Hähne sind weniger begehrt, da das Fleisch im Vergleich zu dem der Henne nicht so weiß und zart sei.
Dass diese Konserven mit Gockelspezialitäten gefragt sind, liegt an der Aufklärungsarbeit. Ältere erinnern sich, dass genau so ein Hahn von jeher geschmeckt hat.
Während die Politiker und die Fachleute einen Blick in die elf Ställe werfen, in denen insgesamt 38 000 Junghennen, 2000 Legehennen oder Küken untergebracht sind, informiert Schubert über die Arbeit mit den Tieren auf dem 120 Hektar großen Hof und beantwortet Fragen zur Größe der Ställe, warum Küken versuchen, nach oben zu klettern, und über den Wintergarten der Hennen. Eine Bitte in Richtung Politik hat Schubert auch, betreffend den kompletten Freigang des Geflügels, wie so manche Parteien fordern. "Wenn die Junghennen nicht gesund zu den Legebetrieben kommen, braucht es einen vermehrten Einsatz an Medikamenten hinterher", so Schubert über Impfungen und Krankheiten.
Politiker und Fachleute sind beeindruckt. "Ich habe einen fantastischen Eindruck. Es ist einer von zwei Demeterbetrieben in der ganzen Republik. Das ist eine große Rarität", sagt Anette Kramme.