Haßfurt — Die Freien Wähler im Landkreis Haßberge weisen auf den Start des Volksbegehrens zum G9 hin. Vom heutigen 3. bis zum 16. Juli können sich Befürworter einer Gymnasialreform in den Rathäusern des Landkreises eintragen. "Beim Volksbegehren geht es vorerst um das Ziel, neben der achtjährigen auch wieder eine neunjährige Gymnasialzeit anzubieten. Details wie Stundenpläne oder Unterrichtsgestaltung werden ohnehin vom Kultusministerium geregelt", erklärt dazu der Kreisvorsitzende der Freien Wähler, Christoph Winkler aus Zeil. "Wir wollen, dass die Schulfamilien über das künftige Gymnasium entscheiden, nicht allein das Kultusministerium", ergänzt er.
Weil die Freien Wähler das Volksbegehren auf den Weg brachten, sei in den vergangenen Monaten viel Bewegung in die Bildungslandschaft gekommen, verschiedene Konzepte würden diskutiert. "Das ist schon jetzt ein Erfolg, doch wer will, dass es auch wirklich eine Änderung im Sinne von Verbesserung gibt, sollte das Volksbegehren unterstützen", meint Winkler, selbst ein gelernter Pädagoge.
Er hat in den zehn Jahren seit Einführung des G8 beobachtet, wie der Druck auf die Jugendlichen zugenommen hat. Immer mehr Gymnasiasten benötigten Nachhilfe, "was natürlich nicht zur Bildungsgerechtigkeit beiträgt, denn das muss ja erst mal bezahlt werden". Auch der Zeitvorsprung, den das G8 durch jüngere Absolventen anstrebe, habe sich relativiert, denn viele der jetzt 17-jährigen Abiturienten bräuchten ein Orientierungsjahr oder wechselten nach zwei Semestern das Studienfach. "Wir wollen ein Gymnasium, das junge Menschen mit einer breiten Allgemeinbildung entlässt, das Zeit zum Lernen und zum Festigen der Persönlichkeit bietet", erklärte Winkler in einem Pressegespräch zum Start des Volksbegehrens. Unterstützt werden die Freien Wähler vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) und von rund 45 Mitgliedsorganisationen des Forums Bildungspolitik.
Die Eintragungslisten liegen ab heute in den Rathäusern auf. Diese sind gesetzlich verpflichtet, auch Eintragungszeiten außerhalb der üblichen Geschäftszeiten anzubieten, auch an mindestens einem Samstag. Wer nicht persönlich ins Rathaus seines Wohnorts gehen kann, kann auch einen Eintragungsschein beantragen, bei vielen Kommunen auch online. Für die Eintragung im Rathaus benötigen die Bürger lediglich ihren Personalausweis. Für ein erfolgreiches Volksbegehren müssen sich bayernweit rund eine Million Wahlberechtigte eintragen. Wenn es erfolgreich ist, kommt es vermutlich zum Volksentscheid. sw