Greifvögel liefern sich einen regelrechten Luftkampf über den Feldern bei Unterelldorf. Fasziniert schauen einige Männer auf das Schauspiel, das im Grunde keine Seltenheit ist. Die Sensation an dieser Szene unter den Wolken besteht darin, dass es eine Wiesenweihe ist, die hier einen Bussard aus ihrem Revier zu vertreiben versucht. Wegen ihr sind die Männer hier heraus in die Flur gekommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich eine Wiesenweihe am Himmel des Coburger Landes zeigt. Aber: "Es ist der erste Nachweis einer erfolgreichen Brut der Wiesenweihe in Oberfranken und damit auch im Coburger Land", sagt Frank Reißenweber. Der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Coburger Land ist auch Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) im Kreis.

Für Frank Reißenweber ist das Aufwachsen von drei jungen Wiesenweihen noch aus anderen Gründen eine Erfolgsgeschichte. "Es ist eine beispielhafte Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft, die das möglich gemacht hat", betont er. Die Wiesenweihe hatte sich den Getreideacker von Udo Wohlmacher ausgesucht, um dort ihr Nest anzulegen. Nach ersten Beobachtungen brachte der Einsatz einer Drohne durch den Ornithologen Reiner Hermes Gewissheit. Die Wiesenweihe hat ein Nest mit drei Jungtieren angelegt. Hermes beobachtete von da an die Tiere. Das Männchen brachte regelmäßig Futter. Das Weibchen hütete die Brut.

Als der Triticale-Bestand auf der Fläche von Udo Wohlmacher reif war und gedroschen werden konnte, waren die Jungtiere aber noch nicht so weit, das Nest zu verlassen. "Er hat sich bereit erklärt, mit der Ernte zu warten, bis die Jungen flügge sind", sagt Frank Reißenweber. Er weiß, dass damit für den Landwirt das Risiko verbunden ist, keinen optimalen Ertrag zu erzielen. Sollte durch das Abwarten das Wetter umschlagen und er womöglich viel später ernten können, wäre der Verlust beachtlich.

"Für mich war das selbstverständlich", sagt Udo Wohlmacher. Ohne die Natur kommen wir auch nicht weiter. Wir müssen sie schützen."

Eine Markierung am Flügel der Weihe sollte später erkennen lassen, dass sie fünf Jahre alt ist und aus der Würzburger Gegend stammt. "Ehe sie hier gebrütet hat, hat sie also schon fünf Mal den Flug bis in die Regionen südlich der Sahara und zurück hinter sich gebracht", sagte Frank Reißenweber. Die Wiesenweihe ist nämlich ein Zugvogel.

Wenn sich der Bestand dieser Art in Bayern heute wieder auf 221 Brutpaare gesteigert hat, so ist dies auch einem Artenhilfsprogramm zu verdanken, das Julia Ott beim LBV betreut. Es läuft im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. "Allein in der 20-jährigen Laufzeit des Programmes konnten wir den Bestand von 62 auf 221 Brutpaare erhöhen", sagt sie und betont ebenfalls die gute Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Der Tiefpunkt der Population lag in den frühen 90er Jahren bei nur noch zwei Brutpaaren.

Wenn das Wiesenweihenpaar von Unterelldorf im kommenden Frühjahr aus Afrika zurückkommt, steht dort, wo heuer Triticale stand, Mais. Aber gegenüber wird wieder Getreide angebaut, versichert Udo Wohlmacher. "Da wird sie bestimmt dort brüten, sie ist reviertreu, muss aber nicht immer denselben Nistplatz haben", erklärt Frank Reißenweber. Und vielleicht sorgen ja ihre Jungen dafür, dass es nicht bei einer Brut in Oberfranken bleibt.