Simone Bastian Neue Technik und neue Medien haben den Tourismus voll erfasst. Jörg Steinhardt, Geschäftsführer der Tourismusregion Coburg-Rennsteig, kann sich noch an die Verhältnisse in den 90er-Jahren erinnern: Damals verschickten Touristiker noch Kataloge und Broschüren. Das Internet begann erst gerade, die verschiedenen Lebensbereiche zu erfassen. "Ab den Nullerjahren wurde eine eigene Website dann schon Standard. Aber heute ist die eigene Website das wichtigste Medium. Ohne geht nichts mehr", sagt Steinhardt.

Sein Kollege Horst Graf, Betriebsleiter von Coburg Marketing, dem die Coburger Touristinfo zugeordnet ist, sieht es ähnlich. "Heute kommen 90 Prozent der Anfragen über E-Mail", und meist über das Kontaktformular auf der Homepage, sagt er. Und: 70 Prozent der Zugriffe auf die städtische Seite coburg-tourist.de erfolgen über Smartphone, "und das quer über alle Altersgruppen".

Jörg Steinhardt hat ein Jahr lang erfassen lassen, auf welchen Wegen sich die Gäste Coburg genähert haben: 624 Fragebögen wurden ausgewertet, bei manchen Fragen waren Mehrfachnennungen möglich. 48,7 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich vorab über das Internet über ihr Reiseziel in der Tourismusregion informiert haben. Danach folgen die "Familie" und "Sonstiges" als Informationsquellen - "Sonstiges" mit 17,2 Prozent sogar noch vor der "Familie" mit 16,7 Prozent. Broschüren (8,6 Prozent) und Messen (1,1 Prozent) scheinen bei der Information über das Reiseziel kaum eine Rolle zu spielen.

Aber erst einmal müssen die Gäste ja auf das Ziel aufmerksam werden. Da spielt die Familie mit 39,4 Prozent die wichtigste Rolle, das Internet mit 16,2 Prozent steht an zweiter Stelle. Für Steinhardt zeigen die beiden Ergebnisse, dass das unmittelbare Umfeld bei der Wahl eines Reiseziels zwar eine wichtige Rolle spielt, gleichzeitig aber das Internet dabei immer wichtiger wird.

Deshalb sei der Internetauftritt so wichtig, sagt Horst Graf: Coburg Marketing lässt seinen gerade überarbeiten. Nutzerfreundlicher soll die Homepage werden und "hochemotional", wie Graf sagt: Die Bilder und Videos sollen den Betrachter unmittelbar ansprechen, Lust machen, die Region und die Stadt selbst zu besuchen. "Es geht um Menschen, Erleben, Genuss!"

"Inspiration, Information, Buchung" nennt Steinhardt als Aufgaben der Website coburg-rennsteig.de. Mit Inspiration und Information scheint es soweit zu klappen, wie die Umfrage zeigt. Aber nur vier der Befragten (0,6 Prozent) haben die Buchung direkt über die Homepage vorgenommen. 25 Prozent buchten ihre Unterkunft über andere Internetportale, 44 Prozent direkt beim Vermieter.

Beide Zahlen verfälschen aber die Rolle von coburg.rennsteig.de, erläutert Steinhardt: Zum einen seien viele Vermieter gar nicht online buchbar - aber die Kontaktmöglichkeiten kann man auf der Homepage des Tourismusverbands erfahren. Zum anderen würden auch die Buchungsportale auf die Informationen zurückgreifen, die in der Coburg-Rennsteig-Datenbank liegen: "Da geht es dann auch um Provisionen." 9,2 Prozent der befragten Gäste übrigens mieteten erst nach der Ankunft in der Region, 6,4 Prozent nutzten eine Touristinfo.

Klassische Medien wie Presse, Funk und Fernsehen, Kataloge und Broschüren haben im Tourismusmarketing durchaus noch ihre Berechtigung, betonen Graf und Steinhardt. Aber neue Kanäle wie Reiseportale, Blogger und soziale Medien würden eben wichtiger. Auch Coburg Marketing hat inzwischen eine Instagram-Präsenz, auf Facebook ist man ohnehin. Man könne so unterschiedliche Ziel- und Altersgruppen erreichen, sagt Steinhardt, und: Solche Seiten dienten auch dem Marketing nach innen.

"Entscheidend ist, dass man nicht alles doppelt und dreifach macht": Auch da sind Graf und Steinhardt sich einig. Wenn Coburg Marketing zum Beispiel nun ein Jahr lang in Coburg fotografieren lässt, um "emotionale Bilder" (Graf) zu haben, dann werden die nicht nur auf der Homepage zu sehen sein, sondern auch in Katalogen oder in Reisemagazinen. Deshalb sei die Datenbank, die hinter all dem steht, das Entscheidende, erläutert Jörg Steinhardt. Unterkünfte und Gastronomie sind bei Coburg-Rennsteig schon erfasst; Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen, Wanderstrecken sollen folgen. "Alles aktuell zu halten, ist die große Herausforderung", sagt Steinhardt.

Horst Graf will den Coburg-Besuchern ab Oktober eine App anbieten, mit deren Hilfe sie die Stadt auf eigene Faust erkunden können. "Das wird aber nicht den klassischen Rundgang mit Stadtführer ersetzen können", sagt er. "Das ist mehr für den schnellen Überblick." Denn Stadtführer können auch Fragen beantworten.