"Geils Ding" hallte es am Sonntagabend durch den Klosterlangheimer Ökonomiehof. Ein Schwerenöter im John-Travolta-Outfit und sein ehegefrusteter Schulfreund in farbverschmierter Latzhose gingen, musikalisch umrahmt von den wilden Riffs eines in sich gekehrten Gitarristen, wie Stier und Torero aufeinander los.

Die Blaach mit derer Bagaasch - weiblich versteht sich - war für die drei Akteure auf der Bühne zum Rumwerng, Bläägn und Greina, wie der Franke sagen würde. Und für die 100 Zuschauer? War sie klor wir Klosbrüh einfach nur zum Lachen. Die Bedenken der Veranstalter, der Heimatfreunde Klosterlangheim, es könnte wie am Vortag wie aus Kübeln gießen, hatte die Herbstsonne weggeblasen wie die Wolken am Himmel. Nach der Pause wurde es langsam dämmrig und die Temperaturen gingen in den herbstlichen Keller. Neben den in Corona-Zeiten unverzichtbaren Masken gehörte auch eine Decke für die Besucher zum angebrachten Accessoire bei der drolligen, temporeich inszenierten Musiktheateraufführung "Ka Weiber, ka Gschrei".

Eine Reise durch Rock und Pop

Das Stück stammt aus der Feder des mittelfränkischen Autors Helmut Haberkamm. Es gleicht einer Reise durch die Rock- und Popgeschichte ebenso wie dem Auf und Ab in einer jahrzehntelangen Ehe.

Die drei Schauspieler von der Kulmbacher Theaterbühne "Das Baumann" verausgabten sich in ihrer physischen, mimischen und musikalischen Präsenz und Unbedingtheit. Rüdiger Baumann aus Kulmbach (Festus), der auch Regie geführt hatte, und Siggi Michl (Limbo) aus Weidenberg bei Bayreuth schenkten sich nichts, als es darum ging, der Spießigkeit und dem Ehefrust "zwischen Schrankwänd, Holzdeckn, zwischen Gefriertruha und Garaasch" ein Ebenbild in Wort und Ton zu verleihen.

Mit Mick-Jagger-Lippe

Gram und Jammer stehen ihnen ins Gesicht geschrieben wie die trüben Tage dem November. Die Schmetterlinge im Bauch flattern schon lange nicht mehr, wie Festus offen zugibt. Sie haben sich in Larven verwandelt, die das Gemüt auffressen. Und Bugatti - das fränkische Ebenbild des ewigen Münchner Stenz', meisterhaft verkörpert von dem Bayreuther Robert Eller? Er musste am Ende erkennen, dass in seinem mit sinnlicher Mick-Jagger-Lippe vorgetragenem "No I kriegs net was i möchert", mehr als ein Körnchen Wahrheit steckt.

Seine aus dem Leben gegriffene, überspitzt vorgetragene Anekdote von der Liebsten, die den gekauften Pulli, der eigentlich nur zum Wärmen gedacht war, "einfach nur beschissen findet", war der Stoff zum Lachen, in dem sich so mancher Besucher wiederfand.

"Die ham des Paradies do"

Davon gab es an diesem Abend jede Menge. Als Festus schwärmte "Klosterlangheim is a Draam. Die ham des Paradies do", brandete spontan Applaus auf. Während die Theaterliebhaber lauschten, lachten und litten, ging den Protagonisten auf der Bühne ein Licht auf über die bislang so gescholtene Damenwelt. "Helga heut war es wunderbar mit Dir", sangen Festus und Limbo in schwärmerischem Moll-Ton. Ihre fränkische Version des Eric-Clapton-Klassikers "Wonderful Tonight" ging den Zuhörern regelrecht zu Herzen.

Die drei Akteure trällerten aufgekratzt "Ka Weiber, ka Geschrei" und verbeugten sich artig vor ihren Fans. Eine Dame rief ihnen beim Verlassen des Ökonomiehofs zu: "Was würdet Ihr ohne uns Schreiweiber machen?", um sogleich hinzuzufügen: "Das gilt natürlich auch umgekehrt!"