Die B4 im Weichengereuth ist erneut in der Diskussion. Vor einem Jahr, im Kommunalwahlkampf, mobilisierten die Anwohner gegen einen vierstreifigen Ausbau und erhielten Wahlversprechen: Alle Oberbürgermeisterkandidaten sprachen sich damals gegen den vierstreifigen Ausbau des Teilstücks zwischen Frankenbrücke und südlichem Stadtausgang aus. Am 28. Mai 2020 legte sich auch der neue Stadtrat mehrheitlich fest: Der vierstreifige Ausbau der B4 wurde abgelehnt. Lediglich die Vertreter von CSU/JS waren dafür.

Nun könnte sich das ändern: Die Firma Brose macht ihre Ausbaupläne in Coburg davon abhängig, ob die Stadt den vierstreifigen Ausbau unterstützt. Denn, so argumentiert Brose: Künftig sollen die rund 100 Lkw, die täglich das Brose-Werk anfahren und wieder verlassen, über die Uferstraße und die Frankenbrücke zur B4 fahren. Auch diejenigen, die von Süden kommen oder nach Süden wollen. Dafür müsse die "Engstelle Weichengereuth" beseitigt werden, wie sie in der Präsentation "Masterplan Brose 2030" bezeichnet wird. Auf diese Verkehrsführung sei auch das geplante Logistikzentrum an der Dieselstraße ausgerichtet, heißt es von Brose-Seite. Begründet wird das unter anderem damit, dass so der südliche Stadteingang vom Lkw-Verkehr entlastet werde. Anwohner der Bamberger Straße hätten weniger unter Lärm und Abgasen zu leiden, die Verkehrssicherheit werde verbessert.

Nadelöhr Frankenbrücke?

Dafür werde bei einem vierstreifigen Ausbau der B4 im Weichengereuth die Situation für die Anwohner dort verschlechtert, argumentiert Christopher Marka, einer der Anwohner. Er geht davon aus, dass im betroffenen Gebiet an der Bamberger Straße rund 100 Menschen wohnen. Im Weichengereuth seien es aber um die 400, die nicht nur die - laut Brose-Angaben - 120 Lkw pro Tag zusätzlich hätten, sondern auch Lärm und Gestank, weil an den Einmündungen Ahorner Berg und Samuel-Schmidt-Straße Ampelanlagen notwendig würden. Das Staatliche Bauamt Bamberg habe in seinem Entwurf für den vierstreifigen Ausbau der B4 überdies zusätzliche Ampeln auf der Frankenbrücke vorgesehen. Und: "Wenn täglich 100 Lkw auf dem Rückweg aus der Uferstraße auf die Frankenbrücke nach links einfahren wollen, würde es auch dort zum Verkehrschaos

kommen. Eine weitere Ampel wäre wohl notwendig", argumentiert Marka.

Was das Staatliche Bauamt sagt

Völlig offen ist derzeit, wann denn die B4 frühestens vierstreifig ausgebaut sein könnte. Brose will seinen Masterplan mit Logistikzentrum, weiteren Verwaltungs- und Entwicklungsgebäuden bis Ende 2025 umgesetzt haben. Der damals zuständige Abteilungsleiter des Staatlichen Bauamts sagte in der Stadtratssitzung im Mai, dass eine Baugenehmigung frühestens 2022 beantragt werden könne, weil allein das Planfeststellungsverfahren gewisse Zeit in Anspruch nehme. Und wenn die Baugenehmigung vorliege, könne dagegen geklagt werden.

Aktuell will das Staatliche Bauamt nicht einmal mehr Jahreszahlen nennen: Das Amt habe "die demokratische Entscheidung des Stadtrats zu respektieren", erklärte eine Sprecherin am Freitag auf Nachfrage. "Die Planungen zur Maßnahme ruhen deshalb. Wir bitten daher um Nachsicht, dass wir zunächst diejenigen vordringlichen Bauvorhaben voranbringen, die die uneingeschränkte Unterstützung vor Ort genießen und auch bei der Mehrheit der Bevölkerung willkommen sind."

Der Stadtrat zu Coburg ist dagegen, der Landkreis und die IHK zu Coburg sind für den vierstreifigen Ausbau. Was die Bevölkerung angeht, weiß man's nicht genau - sicher ist nur, dass es im Weichengereuth Gegner des Ausbaus gibt. Christopher Marka rechnet damit, dass einige Anwohner und Hauseigentümer gegen eine Baugenehmigung klagen würden.

Alles besser in Bamberg?

Auch in Bamberg will Brose am Standort an der Breitenau erweitern. Dort wurden die entsprechenden Pläne schon im September vorgestellt. "Die Stadtverwaltung und der Stadtrat in Bamberg haben dagegen alle Voraussetzungen für einen sofortigen Baubeginn geschaffen", heißt es in einer Brose-Mitteilung vom Donnerstag.

Aus der Pressestelle der Stadt Bamberg heißt es dazu: "Für das im Jahr 2012 erworbene Grundstück der Firma Brose gibt es einen gültigen Bebauungsplan, auf dessen Grundlage die Firma Brose eine Erweiterung sofort in Angriff nehmen könnte. Derzeit läuft zusätzlich ein Bebauungsplanverfahren, um einem möglichen verstärkten Verkehrsaufkommen an einem erweiterten Brose-Standort zu begegnen. Mit dem Abschluss des Bebauungsplanverfahrens wird im Herbst 2021 gerechnet."

Neue Zufahrten kosten Geld: "Laut Stadtverwaltung verursacht die Brose-Erweiterung von den nötigen Gutachten bis zur Kampfmittelbeseitigung, vom Straßenbau bis zur Entsiegelung ehemaliger Militärflächen Kosten von sechs Millionen Euro", meldete der Fränkische Tag Bamberg am 29. September. Einen Teil dieser Kosten wolle Brose übernehmen. 1,2 Millionen Euro stellt die Stadt Bamberg allein in diesem Jahr bereit, sagte Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) in seiner Haushaltsrede.

Verfahrensregeln einhalten

Auch in Coburg fanden Gespräche mit Brose über eine Erweiterung am Standort statt: "Die Firma Brose hat der Stadt Coburg am 15. Dezember 2020 den Masterplan 2030 vorgelegt. Darauf basierende Anträge gingen bei der Stadt kurz vor Weihnachten 2020 und im Januar dieses Jahres ein", teilt Coburgs Pressesprecher Louay Yassin mit. Laut der Brose-Pressemitteilung geht es dabei um ein Parkhaus, das an der Bamberger Straße errichtet werden soll "als Voraussetzung für das Logistikzentrum". Das ist der Übersichtsskizze zufolge auf dem jetzigen Parkplatz Dieselstraße geplant.

Doch die "dafür notwendigen Genehmigungen werden schleppend beziehungsweise nur unzureichend erteilt", kritisiert Brose. Die Stadt sieht das anders: Stadtspitze und städtische Sachbearbeiter seien in regelmäßigem Austausch mit den jeweils Verantwortlichen der Firma Brose, sagt Yassin. "Eine erste Teilgenehmigung liegt Brose bereits vor, eine weitere ist am Freitag ergangen." Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) erklärt dazu, dass die Brose-Anträge Priorität hätten, obwohl die Stadtverwaltung "unter Corona-Bedingungen unter Volllast" arbeite. "Wir bitten die Firma Brose um Geduld, die gesetzlichen Verfahren müssen trotz aller Priorität fachgerecht und ordentlich vorangebracht werden." Außerdem möchte Brose, dass die Stadt die Kosten für die Altlastenbeseitigung auf den Baugrundstücken übernimmt. In der Stadtverwaltung hält man es für möglich, dass diese Kosten in einen zweistelligen Millionenbetrag gehen könnten.