Ein wenig tanzen Werner Wolf oder Hans-Jürgen Nekolla aus der Reihe ihrer Amtsvorgänger, weil sie keine Bürgermeister bis zum Lebensende waren. Mit dem amtierenden Ralf Kunzmann schließt sich dann zunächst der Kreis, denn dessen Vorfahr Hans Kunzmann war der erste Bürgermeister in Gräfenberg, dessen Ölporträt die Wand der Ratsherren im Rathaus ziert und damit einen interessanten Einblick in die Geschichte dieses Ehrenamts gibt.

"Hr. Hans Kunzmann kam in Rath Anno 1645, ward Bürgermeister 1668, starb 1671" steht unter dem Konterfei und allein diese Bilderklärung zeigt, wie hochgeschätzt dieses Ehrenamt war. "Herr wurde damals nur zum Pfarrer oder Pfleger gesagt", erklärt Otto Müller, Träger des Goldenen Ehrenrings der Stadt und Ehrenvorsitzender der Altstadtfreunde.

Gräfenberg, das zur freien Reichsstadt Nürnberg gehörte, war ein Pflegeamt und den Gräfenbergern war daneben auch erlaubt, einen Rat zu bilden, damit sich die Bürger selbst verwalten konnten. Dieser Rat bestand aus zwölf Mitgliedern: Vier davon waren Bürgermeister, wobei der älteste von ihnen den höchsten Rang besaß.

Die Räte mussten auch bei Gerichtssitzungen als Schöffe dabei sein. "Man blieb bis zum Tod im Amt, da das Alter ein hohes Ansehen genoss. Gerne hat man auch alte Leute als Ratsherr oder Bürgermeister gehabt, weil sie viel Erfahrung und Wissen hatten, was beispielsweise bei Hochwasser zu tun war", erklärt Müller mit Blick auf die Bildergalerie der Gräfenberger Würdenträger.

80 dieser Ratsherren sorgten sich um das Wohl der Bürger und der Stadt während dieser 150 Jahre der Nürnberger Zeit bis 1806; aber nur 35 von ihnen sind auf Ölbildern verewigt, wobei einige der Bilder noch in Privatbesitz sind und vier im Archiv der Stadt darauf warten, restauriert zu werden. "Die Ratsherren mussten diese Gemälde bei einem Maler selbst in Auftrag geben und bezahlen", erklärt Müller. Das sagt zugleich darüber aus, wer Ratsherr werden konnte.

Kein Job für "Habenichtse"

"Es mussten Wohlhabende sein. Unbescholtene Bürger und Hauseigentümer", erklärt Müller. Verstarb ein Ratsmitglied, war das noch hinnehmbar. Fehlten zwei Räte, wurde neu gewählt. "Die Wahlen fanden nicht periodisch, sondern nach Bedarf statt", weiß Müller.

Um den Wahltag wurde eine aufsehenerregende Zeremonie gestaltet, die Gerhard Gundelfinger in seiner Häuserchronik schön beschreibt. "Die Bürger versammelten sich im Rathaus. Bürger, das waren die Männer", erzählt Müller von der damaligen Zeit. Wählen durften sie trotzdem nicht. "Stimmberechtigt waren nur die verbliebenen Stadträte und die doppelte Anzahl an Stimmen hatten der Pfleger und zwei Landpfleger, die mit einem großen Gefolge extra aus Nürnberg angereist kamen", sagt der ehemalige Gräfenberger SPD Stadtrat.

Strenges Zeremoniell

Dann wurden die Stadttore geschlossen, die Herren gingen erst in die Kirche, anschließend ins Rathaus, um die Nachfolger zu wählen, deren Porträts nun teils an der Wand des Sitzungssaals im historischen Rathaus hängen. Dort tagten die Herren zunächst nicht, denn das Rathaus stand bis 1870 in der Mitte des Marktplatzes.

Mit der Zeit wurde es baufällig und wurde abgerissen. Das jetzige Rathaus kaufte man von einer wohlhabenden Witwe. Glocke, Turm und Uhr wurden aufgesetzt und die Bildergalerie transferiert.

Sie legt stummes Zeugnis über die vergangene Zeit ab. Über die Mode beispielsweise. Bei Sitzungen trugen die Ratsherren eine schwarze Robe als Amtstracht. Anfangs zierte eine Halskrause diese Robe, in späteren Jahren wurde ein Halstuch umgeschlungen und zum Ende der Nürnberger Zeit war ein Beffchen modern.

Zur Mode gehörte auch das äußere Erscheinungsbild. Waren im 16. Jahrhundert noch die langhaarigen Männer mit Bart angesagt, kamen dann die "Rasierten" und im 18. Jahrhundert war höchstens ein Schnurrbart akzeptabel.

Dass die "Ahnenreihe" der Gräfenberger Stadträte unterbrochen wird, liegt an der Eingliederung zu Bayern ab 1806. Die Ratsherren, angesehene Männer der Stadt, waren Geschichte. Eine neue Ratsordnung regelte, dass in Gräfenberg ein Ortsvorstand aus fünf Personen gewählt werden durfte. Mit dem Ortsvorstand hörte auch die Tradition der Porträtreihe zunächst auf. Im 20 Jahrhundert ließen sich nur noch die Bürgermeister malen, wie der Brauereibesitzer Georg Friedmann, der von 1924 an Bürgermeister war und 1934 freiwillig vom Amt zurücktrat. Auch durch die NS-Zeit wurde die Porträtwand der Amtsträger unterbrochen.

Erst mit der Regelung über die Anzahl der Stadträte und der Wahl des Bürgermeisters durch die bayerische Gemeindeordnung von 1948 wurde die lange Tradition der abgebildeten Gräfenberger Würdenträger mit Hans Erlwein, Karl Kaul und Hans Nekolla fortgesetzt.

Porträtfrage bleibt noch offen

Ob sich Werner Wolf oder Hans-Jürgen Nekolla malen ließen, wissen nur die beiden ehemaligen Bürgermeister selbst. An der Wand werden sie ihr Porträt nicht sehen, denn auch wenn es zwar längst kein Amt bis zum Lebensende mehr ist, wird die Ehre in der Würdenträgertafel zu hängen, erst nach dem Tod zuteil.