Bürgermeister Rainer Detsch (Freie Wähler) hatte für Sonntag in das Gasthaus "Alte Zeche" in Stockheim zur Wahlveranstaltung eingeladen. Bewusst nimmt man das Wort Wahlkampf nicht in den Mund. Der Amtsinhaber der FW hat keinen Gegenkandidaten, so ist er bei der Wahl am 5. Februar, die in Stockheim turnusmäßig ansteht, der einzige Bewerber für das Amt des Gemeindeoberhaupts.
Hedwig Klinger, die Vorsitzende der FW in der ehemaligen Bergwerksgemeinde strahlt übers ganze Gesicht und ist zufrieden, dass trotz des herrlichen Winterwetters und trotz keines Gegenkandidaten doch relativ viele interessierte Bürger diese Veranstaltung besuchten. "Wir müssen und wollen nicht große Wahlausgaben machen", sagt sie lächelnd, aber dennoch soll sich der Bürgermeister auch in einer Wahlveranstaltung den Bürgern stellen. Es gibt ja auch Neuwähler, die noch keinen Kontakt hatten. Außerdem möchte man natürlich auch diejenigen zur Wahl locken, die glauben, nicht wählen zu müssen, weil ja eh alles entschieden ist. Man will aber ein gutes Ergebnis.
Und darauf legt natürlich auch Amtsinhaber Rainer Detsch großen Wert. Er kann nach nur sechs Jahren eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorlegen. Vergisst dabei aber nicht, dass er alle Maßnahmen nur mit Zustimmung der Gemeinderäte durchführen konnte, und dafür gehört sein erster Dank, eingangs einer über einstündigen, aber kurzweiligen Vorstellung, den Gemeinderäten und zwar über die Fraktionen hinweg.
Denn blickt man sechs Jahre zurück, so hat er es sehr schnell verstanden, die Räte mit auf den Weg zu nehmen und immer wieder auf Gemeinsamkeit zu setzen. Die Ratssitzungen verliefen ruhig und jeder wurde mit seiner Wortmeldung ernst genommen, Bedenken und Kritik aufgenommen, am Ende aber gab's ein einstimmiges Vorgehen. Und das Ergebnis nach sechs Jahren kann sich sehen lassen. Er spricht über zahlreiche Investitionen und natürlich über einen soliden Haushalt. Schließlich habe man eine Pro-Kopf-Verschuldung von unter 500 Euro nachzuweisen und liege damit weit unter dem Durchschnitt in Nordbayern. "Die sechs Jahre sind schnell vergangen und ich war viel in Stockheim unterwegs. Es war auch deshalb so kurzweilig, weil ich, trotz einer arbeitsreichen 80-Stunden-Woche, viel Spaß an diesem Bürgermeisteramt habe", sagt er und schmunzelt, weil er deshalb auch weitermachen möchte, fügt er an.
Das gute Miteinander in allen Gremien und die gute Zusammenarbeit mit den Kirchen, Vereinen und Sozialverbänden und natürlich auch noch vieles, was er erreichen möchte, spornen an und motivieren ihn, es wieder zu tun und sich zur Wahl zu stellen. "Stockheim hat eine großartige Infrastruktur und Lebensqualität." Detsch möchte, dass dies so bleibt und noch ein bisschen besser wird. Dabei kommt er auf das Baugebiet "Nördlich der Eichendorffsiedlung" zu sprechen. Im Ortskern ist hier ein 8500 Quadratmeter großes Grundstück von der Gemeinde erworben worden, dafür habe man nun einen Investor gefunden, der mehrere Mehrfamilienhäuser auf diesem Grundstück plane und "das ist sehr gut so, denn wir brauchen in Stockheim weiteren Wohnraum". Dabei bedauert er, dass man fast mit Baugebietsgrundstücken am Ende sei. Das zuletzt in Neukenroth ausgewiesene und erschlossene Baugebiet "Am Schmiedsberg" werde bald bebaut sein, freut er sich, "ist es doch ein Zeichen, dass Stockheim als Wohnort beliebt ist". Und das Gemeindeoberhaupt liebäugelt damit mit einer neuen Tendenz. Der Trend gehe von der Großstadt in den ländlichen Raum. "Wir bieten zwar keine großen Kinos, Theater- und Opernsäle, aber wir haben für die Daseinsvorsorge alles, was der Mensch so braucht." Und ein Trumpf sei eben der Zusammenhalt, wobei er auf die "Zecherhalle" als große Veranstaltungshalle verweist, die bezeichnenderweise durch einen Verein erbaut, geführt und unterhalten wird. "Das ist ländliche Leistung und wir sind stolz auf unsere Heimat, die landschaftlich, kulturell wie strukturell und auch an Arbeitsplätzen viele Möglichkeiten bietet, um sich hier wohlzufühlen." Gerade in der Gemeinschaft sieht er einen großen Trumpf, weil sich die Bürger in zahlreichen Ehrenämtern engagierten, die ihr Umfeld mitgestalten und ihre Gemeinde mit entwickeln wollen.
Nach Aufzählen einer Erfolgsbilanz und den "richtungsweisenden Vorhaben" für die Zukunft, bittet Detsch um das Vertrauen bei der Wahl. Abschließend stellt er fest, dass genügend Potenzial vorhanden sei, um die Zukunftsaufgaben und Herausforderungen auch unter Nutzung modernster Technik wie Datenautobahn, "die in den nächsten Monaten, Gott sei Dank", seufzt er, "auch erschlossen sein soll", zu meistern. Für ihn sei die Gemeinde wie eine große Familie, jeder werde mitgenommen. Ohne Mikrofon, dafür nahe an den Tischen, fand er aufmerksame Zuhörer. eh