Anfang Juli erreichte unsere Mitarbeiterin ein Hilferuf aus Amerika: Mark Anthony Still möchte die Asche seines Vaters in seinem Heimatland beerdigen. So einfach ist das in Corona-Zeiten jedoch nicht.

Still lebt seit dem Jahr 2005 in den USA. Der gebürtige Erlanger ging nach seiner Bundeswehrzeit zurück in das Land seines Vaters, ist seitdem Berufssoldat und lebt mit seiner Familie in einem Vorort von Atlanta. "Erlangen ist aber immer noch meine Heimat", erklärt er.

Seit 1978 in Franken

Vater Bernhard Wendell Still lebte seit 1978 in Franken, wo er bei der US-Armee diente. Einen Namen machte er sich als Kunstmaler. Seine geschiedene Ehefrau lebt in der Rhön und der Kontakt zu den Söhnen und zwischen den Eheleuten war immer gut. Die Geschwister von Mark, Geronimo und Cheyenne Still, wohnen in Fürth.

Nun ist Vater Bernhard am 18. April im Alter von 77 Jahren an Krebs - nicht an Covid-19 - gestorben. Covidbedingt wurde der Leichnam erst 22 Stunden nach dem Tod abgeholt und zum Stadtfriedhof Fürth gebracht. Die Familie hatte sich für Verbrennen entschieden und ein alter Schulfreund des Verstorbenen, ein Bestatter, hatte sich bereit erklärt, für alles Weitere zu sorgen.

Man bekam eine DHL Nummer und seit dem 24. Juni wartetete die Urne in der Frachtpostzentrale auf ihre Überführung nach Übersee. Aber nichts tat sich. "Für uns ist es sehr schmerzlich, dass wir nicht wissen, wann wir die Urne zugeschickt bekommen. Denn erst durch die Bestattung können wir mit dem Thema abschließen", so Mark Anthony.

Die US-Botschaft, der Zoll in Frankfurt, Senatoren, sogar die amerikanischen Medien wurden schon eingeschaltet. Aber nichts half. "Ich hätte gerne, dass sich DHL bei uns meldet oder beim Bestatter in den USA, oder auch die US-Botschaft. Wir glauben, dass niemand über die sterblichen Überreste meines Vaters Bescheid weiß."

Der FT wandte sich an die Amerikanische Botschaft in München. Diese antwortete umgehend: "Die Konsularabteilung des US-Generalkonsulats München arbeitet mit der Familie zusammen und bietet alle verfügbare konsularische Unterstützung. Wir sprechen der Familie unser Beileid aus. Aus Rücksicht auf deren Privatsphäre geben wir keine weiteren Kommentare ab," so ein Konsulatssprecher.

Vater konnte bestattet werden

Kürzlich erreichte uns schließlich die Nachricht aus Atlanta: "Die Urne ist in New York beim Zoll angekommen und wir hoffen, dass sie Ende der Woche bei uns in Atlanta eintrifft", so Mark Anthony. In der vergangenen Woche konnte er seinen Vater schließlich zur letzten Ruhe betten.

Wegen Covid-19 waren die Bearbeitungszeiten in Europa und USA extrem lang. Ein Vierteljahr musste vergehen, bis Vater Bernhard seinen Platz auf dem Friedhof in seinem Heimatland fand.