Roland Schönmüller

Landkreis Kronach —  Ein besonderer Termin ist der 21. Dezember: Im Kalender steht der heilige Thomas. An seinem Namenstag ist außerdem die Wintersonnenwende. Ab jetzt werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer. Somit ist es kein Wunder, wenn unsere Vorfahren persönliche Wunsch-Erfüllungen, treffende Wetter-Vorhersagen und geheimnisvolles Zukünftiges am Thomastag erfahren wollten.

Ganz nahe liegt der Festtag des heiligen, einst "ungläubigen" Apostels am kommenden Weihnachtsfest. Bekanntlich glaubte Thomas erst dann an die Auferstehung des Herrn, als er die Hand in Christi Wunden legen durfte.

Ihm wurde deshalb auch der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres zugeteilt, weil er am längsten an Christus gezweifelt hatte, also am längsten in der dunklen Nacht des Unglaubens verharrte, sagt der Volksglaube.

"Bleibauf" und "Durchsitz"

In verschiedenen Regionen gilt der Thomastag als die erste Nacht der "Zwölf Nächte". Dabei herrschten bestimmte Arbeitsverbote. Spinnen gehörte dazu. Nach dem Thomastag durfte sich keine Spule mehr drehen. Aus diesem Grund arbeiteten früher die jungen Mädchen und erwachsenen Frauen vor und machten die Thomasnacht zur "Durchspinn-Nacht", zum "Bleibauf" oder zum "Durchsitz".

Während der Pausen gab es Süßes und Fettiges, Lebkuchen und Schmalzgebackenes. Anwesende junge Burschen luden ein zur Unterhaltung, zu Musik, Spiel und Tanz.

Ab dem 21. Dezember war auch einst der Beginn der häuslichen Schlachtfeste: So war man der Ansicht, dass nach diesem Termin das Schweinefleisch am besten schmecke. In Nordbayern und Thüringen nannten unsere Altvorderen deshalb den 21. Dezember auch "Schweine-Thomas".

Der Herzallerliebste

Gern versuchte man in der Thomasnacht die Zukunft zu erfahren. Heiratswillige Mädchen und junge Frauen befragten vielfältige Liebesorakel. Blei wurde gegossen und die Gebilde gedeutet als Gestalt und Beruf ihres Zukünftigen. Ähnlich deutete manche Heiratslustige auch die entstandenen Eisblumen und skurrilen Formen am Fenster als Eigenschaften ihres künftigen Schatzes.

Damit der Zukünftige ihnen im Traume erscheinen möge, traten die jungen Damen in der Nacht mit folgendem Spruch an ihr Bett:

"Thomas, ich bitt dich ,

Bettstatt, ich tritt dich,

dass du mir lassest erscheinen

den Herzallerliebsten meinen,

wie er ist und wie er geht,

wie er leibhaftig vor mit steht".

Mancherorts wurde am Thomastag das Kletzenbrot und die Lebzelten gebacken. Als Thomas-Engel klopfte ein willkommener Gabenbringer, der Äpfel und Nüsse an alle Familienmitglieder verteilte.

Die Bauernregeln am Thomastag verweisen auf das Wetter an Weihnachten und im neuen Jahr:

"Wenn Sankt Thomas dunkel war, gibt's ein schönes neues Jahr." Oder: "Wie Sankt Thomas kommt, so kommt auch das Christkind." Schließlich: "Sankt Thomas mit dem weißen Haar, an Weihnachten ist der Himmel klar."