Roland Schönmüller

Landkreis Kronach — Wer kennt nicht den würzigen Christstollen? Neben Lebkuchen und Plätzchen ist der längliche Kuchen seit dem Mittelalter schon ein bekanntes Weihnachtsgebäck. Heute steht das beliebte Hefeteig-Produkt schon wochenlang vor der Adventszeit in den Verkaufsregalen vieler Lebensmittel-Geschäfte und Discounter. Bei unseren Vorfahren jedoch galt die vierwöchige Adventszeit als besinnliche Fastenzeit, und da konnte man von einem Weihnachtsstollen nur träumen!

Auf süße Speisen und herzhaftes, zuckerreiches Gebäck mussten kleine und große Gaumenfreunde früher bis zum eigentlichen Christfest warten, denn der Christstollen durfte einst erst für Jung und Alt am 28. Dezember angeschnitten werden. Christstollen - gewickeltes Kind in der Weihnachtsbäckerei

Symbolische Form

Der Grund für diesen Namen erklärt sich aus der symbolischen Form des Gebäcks und erinnert an die in Tücher oder Windeln gewickelten Säuglinge im Allgemeinen, an die in der Bibel (Matthäus 2, 1-18) genannten Unschuldigen Kinder und den Kindermord von Bethlehem sowie an das neugeborene Jesuskind im Besonderen.

Striezel wird der längliche Kuchen auch genannt. Er besteht als süßem, butterreichem Hefeteig mit Zitronat, Orangeat, süßen und bitteren Mandeln, Marzipan, Nüssen, Rosinen und Rum und ist umgeben von einem dicken Puderzucker-Mantel. Ob er wirklich in Dresden "erfunden" worden ist, steht in den Sternen. Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts, 1329, werden in einer Naumburger Urkunde zwei "Stollen" genannt, die der dortige Bischof zu Weihnachten von der Bäckern als Zins als Naturaliensteuer erhielt.

Weltruf erlangte ab Mitte des 15. Jahrhunderts allmählich der sächsische Christstollen (1457): zunächst als erlesenes Weihnachtspräsent in adeligen Kreisen, später als privilegierter Dresdener Christstollen für Feinschmecker.

Natürlich konserviert

Form und Zucker-Umhüllung sorgen noch heute dafür, dass der Stollen lange genug frisch bleibt - angeblich bis Ostern.

"Grundsätzlich empfiehlt es sich, einen Stollen stets von der Mitte heraus aufzuschneiden und - um das Austrocknen der so erhaltenen zwei Hälften zu vermeiden - diese anschließend wieder zusammen schieben", berichtet ein ältere Frankenwälderin, die früher auch selbst Christstollen gebacken hat.

Mancherorts buk man in Franken seine Weihnachtsstollen aber nicht selbst: Die Zutaten wurden von den Hausfrauen im November gekauft. Dann kam der Bäcker mit seinem Trog und knetete den Teig für verschiedene große Stollen.

Hoher Stellenwert

Der Stollen war so wichtig, dass man in gutbürgerlichen Haushalten eigene Bretter zum Aufschneiden hatte, Das waren schöne Stücke aus edlem Holz, versehen mit dem Familiennamen und weihnachtlichem Dekor - natürlich glänzend poliert.

Rezepte gibt es heutzutage viele. Gemeinsam ist allen Christstollen aber, dass sie anders als herkömmliche mittelalterliche Fastengebäcke - die damals lediglich aus Mehl, Hefe und Wasser und Öl bestanden - von der Kirche erlaubt, ausnahmsweise mit Butter und Milch gebacken wurden.

Heuer kennt man den Dresdner Christstollen, den Mohn-, den Quark- oder auch den Marzipanstollen. Sie alle dürfen jetzt probiert werden.

Guten Appetit!