matthias Einwag Wer einen Pass oder Ausweis erneuern lassen möchte, der braucht ein Foto, das die biometrischen Normen erfüllt. Der Antragsteller geht zu einem Fotostudio und lässt sich den amtlichen Vorgaben entsprechend porträtieren. Mit dem fertigen Papierabzug geht er dann ins Passamt seiner Kommune und beantragt das Dokument. Die elektronische Übertragung des Digitalfotos ist derzeit aus Sicherheitsgründen noch nicht möglich. Der Gesetzgeber befürchtet nämlich, dass die digitalen Daten auf dem Übertragungsweg manipuliert werden könnten.

Nach Auskunft des Berliner Büros der CSU-Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner ist derzeit ein Gesetzentwurf in Bearbeitung, bei dem es darum geht, den sicheren Übertragungsweg vom Studio zum Rathaus zu gewährleisten. Die Neuregelung zur Aufnahme von Lichtbildern soll bis spätestens Mai 2025 in Kraft treten.

Manipulationen ausschließen

Es geht im Kern darum, den Missbrauch durch Kriminelle mit betrügerischen Absichten auszuschließen. Stichwort Morphing: Mit dieser Technik können mehrere digitale Gesichtsbilder zu einem einzigen Gesamtbild verschmolzen werden, das die Züge zweier oder mehrerer Gesichter in sich vereinigt. Ist ein Ausweis oder Pass mit einem solchen manipulierten Lichtbild versehen, kann möglicherweise nicht nur der Inhaber des Passes oder Ausweises dieses Dokument nutzen, sondern auch eine weitere Person, deren Gesichtszüge digital in das Foto hineinmontiert wurden.

"Wir als Fotografen sind jetzt schon in der Lage, Passbilder digital zu übermitteln, doch derzeit fehlt noch das sicherheitsrelevante Übertragungsmedium", sagt Rosi Jörig vom Staffelsteiner Studio ProMedia. Die Fotografin und ihr Team warten deshalb auf eine gesetzliche Regelung hierfür.

Die Kritik zahlreicher Fotografen in ganz Deutschland hatte sich vor einiger Zeit an einem Vorstoß von Bundesinnenminister Horst Seehofer entzündet, der plante, die Lichtbilder künftig ausschließlich in den Rathäusern und Passämtern durch dort aufgestellte Passbildautomaten anfertigen zu lassen.

Diese Kritik der Fotografen soll nun berücksichtigt werden, um ihnen keinen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. Auf der Webseite des Bundesinnenministeriums liest sich das so: "Das bisher übliche Ausdrucken der Passbilder und darauffolgende Einscannen in der Behörde wird künftig ersetzt durch eine unmittelbare und digitale Übermittlung des Passbildes an die Behörde."

Für die Fotografen und ihre Kunden bedeutet das: Passbilder werden bis zur gesetzlichen Neuregelung weiterhin im Studio aufgenommen und auf Papier ausgedruckt, bis ein sicheres Programm zum Hochladen und Übertragen der Fotos gefunden ist. Bis dahin dürfen Digitalbilder jedoch nicht per E-Mail oder auf einem Stick ins Passamt übermittelt werden.

"Für uns Fotografen ist das Anfertigen von Passbildern ein größerer Umsatzanteil", sagt Rosi Jörig. Diese Einnahmen fielen weg, wenn in den Rathäusern flächendeckend Fotoautomaten aufgestellt würden. Im Staffelsteiner Rathaus beispielsweise gibt es keinen solchen Automaten, während die Marktgemeinde Ebensfeld bereits einen aufgestellt hat. "Die Kunden fühlen sich im Studio einfach wohler", fährt Rosi Jörig fort, "weil sie bei uns persönlich beraten werden und viele Menschen vor einem Passbildautomaten zurückschrecken."

Laufkundschaft ist lebenswichtig

Gerade in Zeiten wegbrechender Einnahmen durch die Corona-Pandemie seien die Fotostudios auf diese Einnahmen angewiesen. Rosi Jörig: "Dadurch haben wir im Laden ja auch kontinuierlich Laufkundschaft, wodurch wieder neue Aufträge entstehen."

Derzeit seien viele Leute verunsichert, fährt die Fotografin fort. Fast alle Kunden, die ins Studio kommen, stellten zwei Fragen: "Geht es nur noch digital oder auch noch mit einem ausgedruckten Bild? Können wir bei euch noch Passbilder machen oder geht das nur noch im Rathaus?"

"Niemand muss warten - wir machen Termine, um die Abstandsregeln einzuhalten - und die fertigen Passbilder können gleich mitgenommen werden", sagt Rosi Jörig.

Familienarchiv wird digitalisiert

Sie und ihr Team, die schon seit rund 20 Jahren digital arbeiten, haben darüber hinaus beobachtet, dass viele Menschen die Zeit des Lockdowns nutzten, um zu Hause aufzuräumen und auszumisten. Dabei tauchten alte Dias oder Super-8-Filme auf, für die längst keine Projektoren mehr im Haushalt vorhanden sind. Mit diesen anlogen Datenträgern kommen die Leute nun ins Fotostudio, um das Material aus nostalgischen Gründen digitalisieren zu lassen: "Es ist gerade ein bisschen ein Trend, sein Leben aufzuarbeiten."