Das Wirtshaus "Zur Linde" gehört als ein Wahrzeichen zum schönen Ort wie die Kirche und der Rote Main. Seit Jahrhunderten ist es der Treffpunkt im Dorf neben der Tanzlinde, dort kommen die Langenstädter nicht nur zum Essen und Trinken, zum "Feie rabendseidla" und zum Karten spielen zusammen, sondern es ist auch ein Refugium für die Vereine, für Familienfeiern und für kulturelle Veranstaltungen. Es verkörpert das, was man Dorfleben nennt. Die sind nun in Gefahr, denn das Jahrzehnte lang tätige Wirtspaar Karl-Heinz und Marianne Hübner wird sich zur Ruhe setzen und sein Anwesen verkaufen.

Stirbt hier wieder eine weitere Wirtschaft mit großer Tradition? Und da zeichnet sich aber ein Silberstreifen am Horizont ab: Die Langenstädter wollen einen Verein gründen und mithilfe der Kommune einen Weg finden, trotz der Veräußerung ein Wirtshaus-Leben zu ermöglichen.

Mit Franziska Bartels, der Vorsitzenden des örtlichen Gesangvereins, ihrem Ehemann Klaus Bartels und Karin Kret schmann stehen drei Protagonisten an der Spitze der Dorfgemeinschaft, die das zu verwirklichen versuchen. Daher haben sie den Neudrossenfelder Bürgermeister Harald Hübner samt Gemeinderat in die Wirtsstube zu einem Gedankenaustausch eingeladen.

Dass das eine schwierige Geburt wird und viele Hindernisse zu bewältigen sein werden, zeichnete sich recht schnell ab. Denn die große Frage ist, wie das finanziell bewältigt werden kann, und was die Gemeinde dazu beizutragen gedenkt. Die Details dazu erläuterte Karin Kretschmann. Danach tragen die neuen Eigentümer die Verantwortung für Gebäude und erworbenes Inventar, es werde eine Nutzungsvereinbarung getroffen. Die vorsieht, dass ein Pächter Biergarten und Gastro betreibt und so ein aktives Leben im Wirtshaus ermöglicht.

Der noch zu gründende Verein mit dem angedachten Namen "Verein Langenstädter Frieden 1260" soll das alles begleiten und die nötigen Förderanträge stellen mit dem Ziel, die dörfliche Vereins-und Wirtshauskultur zu erhalten. "Regelmäßige Sitzungen, Proben, Kaffeekränzchen, der große Saal als Eventtreffpunkt in Eigenregie oder nach Vereinbarung mit der Gastro gehören zum Ideenspektrum", so Kretschmar.

Und Franziska Bartels fügte an, sie könne sich vorstellen, den Biergarten an zwei Tagen in der Woche zu öffnen, "und den Saal für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen". Eine Konzession wäre schnell machbar, ein Problem sehe sie aber in der Notwendigkeit eine neue Fluchttreppe zu bauen, die etwa 30.000 Euro kosten würde. "Dazu brauchen wir Unterstützung". Der künftige Verein würde gern aus Mitteln der Oberfrankenstiftung, des Amtes für Denkmalschutz und eventuell aus Dorferneuerungsmaßnahmen schöpfen, "dazu muss uns jedoch die Gemeinde behilflich sein".

Bürgermeister Harald Hübner wies in einer ersten Reaktion auf lange Verfahren zum Beispiel bei Dorferneuerungsmaßnahmen hin, stellte aber die Förderung eines gemeinnütziges Vereins als machbar hin. "Wir zahlen da als Kommune grundsätzlich zehn Prozent der Investitionen; wenn es der Allgemeinheit dient, auch schon mal einen höheren Betrag." Jetzt müsse sich erst mal ein Verein gründen, damit man weiter planen könne. Anfängliche Bedenken über das Konzept stellte im Lauf des Abends Björn Sommerer (FUG) zurück. hw