Die amtierende Bürgermeisterin Eva Ehrhardt-Odörfer (SPD) gab bei der diesjährigen Bürgerversammlung in Baiersdorf einen Rückblick über das vergangene Jahr. Seit Januar vertritt sie den verunglückten Andreas Galster (CSU) und teilt sich seit Juli die Aufgaben mit der dritten Bürgermeisterin Dorothea Neubauer (CSU).

Besonders dankte sie den Ehrenamtlichen, die bei der Nachbarschaftshilfe wegen der Corona-Pandemie mitgeholfen haben. Es hat viele Absagen von Veranstaltungen, zuletzt des Krenmarkts und des Krenlaufs, gegeben. "Wir müssen jetzt da durch", kommentierte sie die zusätzliche Erschwernis des Amts und des öffentlichen Lebens.

Weniger Gewerbesteuer

Für die Stadtkasse hat es bislang noch keine gravierenden Einschnitte gegeben, erläuterte Kämmerer Hans Hofmann. Zwar falle ein sechsstelliger Betrag an Gewerbesteuer 2020 aus, dieser werde aber abgefangen durch hohe Nachzahlungen für 2018/19. Bei der Einkommensteuer rechnet er aber mit Einbußen von etwa 450 000 Euro.

Bis Ende November wird die Sperrung von Haupt- und Forchheimer Straße noch andauern. Die Maßnahmen kosten rund 2,4 Millionen Euro, wovon 1,7 Millionen die Stadt stemmen muss. Etliche Versammlungsteilnehmer beklagten aber verschiedene Probleme gerade jetzt während der Bauzeit im Bereich Burggrafen- und Gießbeckplatz. Fußgänger hätten es derzeit schwer; vermutlich Anwohner nutzen vor der Sperre den Burggrafenplatz als Parkflächen oder durchquerten die Seligmannstraße mit mehr als 30 Stundenkilometern.

Radfahrer auf Gehwegen

Auch benutzen Radfahrer die neu und breit gebauten Gehwege als ihre Fahrbahn. "Es ist zunehmender Egoismus zu beobachten, was das Verhalten von Autofahrern und Radlern angeht", hat auch Ehrhardt-Odörfer beobachtet. Sie sicherte zu, dass die Verkehrsüberwachung ein Auge darauf haben werde.

Die schmälere Fahrbahn, so befürchtete ein weiterer Bürger, werde auch in Zukunft Autofahrer veranlassen, über die Seligmannstraße zu fahren. Vielleicht aber doch nicht, denn als nächste Maßnahme steht die Verbesserung der Bahnhofs- und eben der Seligmannstraße an, meinte die amtierende Bürgermeisterin. Hier sei an einen Zebrastreifen und an ein Messgerät gedacht. Schon umgesetzt ist die Sperrung dieser Straßen und auch des Linsengrabens für LKW über 3,5 Tonnen.

Fehlt Gastronomie?

"Wie hoch geklappt" empfindet ein Baiersdorfer Bürger die Innenstadt. Ihm fehlt vor allem die Gastronomie zur Belebung. Viel Geld für wenig Attraktivität, das ist seine Meinung über den Sanierungseffekt. Dem widersprach Ehrhardt-Odörfer, da das meiste für die Sicherheit investiert werde. Zudem habe es - beispielsweise auch zur Kirchweih - immer wieder Beschwerden von Anwohnern wegen des Lärms gegeben. "Der Bürger will seine Ruhe haben, das ist der neue Zeitgeist", gab sie dem Ansinnen, die Stadt müsse für Ansiedlung von Gastronomie tätig werden, eine Abfuhr.

Kontrovers waren die Beiträge der Bürger zum Vorhaben der Deutschen Glasfaser, in Baiersdorf ein Glaserfasernetz für Internet, Fernsehen und Telefonie einzurichten. Die Firma hat sich selbst die Vorgabe gemacht, das Projekt umzusetzen, wenn 40 Prozent der Haushalte und Firmen mitmachten.

Schreiben irritiert Bürger

Der Wert wurde in Hagenau knapp verfehlt. Daraufhin versandte die Stadt ein werbendes Schreiben, was einen Bürger seht irritierte. Er vermutet die ablehnende Haltung wegen eiens ungünstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses. Für einen Privathaushalt kommt das Angebot der Deutschen Glasfaser in den ersten zwei Jahren auf 37,50 Euro pro Monat bei einer Leistung von 400 Mbit.

Ehrhardt-Odörfer erklärte zu dem Brief: "Ich möchte nicht, dass Baiersdorf wieder irgendwo hintendran hängt. Andere Anbieter für schnelles Internet haben uns nicht die Bude eingerannt, Hagenauer haben das aber vehement gefordert." Sie erinnerte an die aktuellen Erfahrungen mit Homeoffice.

Geschäftsleiter Klaus Hutzler rekapitulierte das bisherige Vorgehen. Die Stadt hat sich im Internetportal des Bundes für Netzausbau eingetragen. Die Telekom habe daraufhin dort etwas getan, wo sie Geld verdiene, aber die Randbereiche wie Igelsdorf und Hagenau außen vorgelassen. "Die Stadt ist nicht für die Telekommunkation zuständig", betonte er. Da Baiersdorf schon relativ gut versorgt sei, gäbe es auch kaum Förderung, wies er den Vorwurf zurück, die Bürger müssten das Glasfasernetz selber bezahlen.

Stadtrat Matthias Götz (SPD) hat sich wegen der bemängelten Leistungen der Deutschen Glasfaser im Internet bei Kommunalpolitikern aus den Gemeinden, in denen die Firma schon Netze gebaut hat, erkundigt: Es habe Störungen während der Bauzeit gegeben, aber wenn das Projekt abgeschlossen sei, funktioniere es, hätten ihm diese durchgängig bestätigt.

Glasfaser ist ein Mehrwert

Es meldeten sich auch Befürworter. Sie sehen die alsbaldige Umsetzung als Mehrwert. Glasfaserkabel werden in zehn, 20 Jahren so selbstverständlich sein wie heute eine Wasserleitung. Seit den ersten Internet-Modems seien keine 20 Jahre vergangen.