Wo sich Unsichtbares zeigt

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Zur Besinnung

„Zeigt mir den Wind !“, bittet ein Kind seine Eltern, doch das können sie nicht. „ Wind ist nur Luft, da gibt es nichts zu sehen.“

„Zeigt mir den Wind !“, bittet das Kind seine Lehrer, doch das können sie nicht. „Vom Wind kann man nur reden, aber sehen kann man ihn nicht.“

„Zeigt mir den Wind !“, bittet das Kind seinen Opa.

„Sieh mich an“, sagt der Opa, der im Lehnstuhl auf dem Balkon sitzt und in den Garten schaut: „Jetzt weht er als leises Lüftchen, und meine Haare tanzen im Wind . Siehst du die dunklen Wolken? Das heißt: bald weht der Wind als Sturm und macht, dass ich mich eng in meine Decken hülle. Aber dann, dann ist er ganz still und du wirst sehen, dass ich mein Gesicht als Genießer in die Sonne halte und mich wärmen lasse. Wenn du den Wind sehen willst, dann musst du darauf achten, was er in Bewegung setzt.“

Und wenn das Kind gesagt hätte: „Du, der Jesus ist schon gestorben, den kann man nicht mehr sehen – Gott ist ganz oben im Himmel, aber der Heilige Geist, der ist doch bei uns – zeig mir mal den Heiligen Geist?“

Was hätten Sie geantwortet? „Den Geist, den kannst man doch nicht sehen!“ Oder hätten Sie kurz überlegt und gesagt: „Vom Heiligen Geist kann man nur reden, aber sehen kannst du ihn nicht.“

Oder hätten Sie das Kind ernst genommen und eine Beschreibung gesucht und dann geantwortet: „Mein Kind, wenn du Gottes Geist sehen willst, dann musst die auf die Menschen achten, die der Geist bewegt. Da nimmt dich die Mama in den Arm, wenn du traurig bist und du merkst, wie alles besser wird – da bewegt sie Gottes Geist. Da hilft dir der Papa bei den Hausaufgaben und plötzlich sind sie gar nicht mehr so anstrengend – da wird er bewegt von Gottes Geist. Da teilst du mit deiner Schwester deine Schokolade – da wirst du bewegt von Gottes Geist. Und wenn du schaust, wo Gutes passiert, wo sich Menschen helfen und füreinander da sind – wenn du beobachtest, wie jemand teilt und sich entschuldigt oder verzeiht, dann ist da Gottes Geist, ganz deutlich. Nein, den Geist sehen kannst du nicht, aber du kannst ihn spüren und sehen, wie er Menschen bewegt – und manchmal auch dich.“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in all dieser Fülle an schrecklicher Gewalt und Nachrichten, die wehtun und verstören, eine Ahnung von diesem – Gottes – Geist bekommen, und dass er Sie bewegt, denn so heißt es schon im Römerbrief: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“

Lassen Sie sich von ihm treiben und lassen Sie ihn sichtbar werden, den Geist von Gott , dann sind Sie Gottes Kinder.

Heidi Reith ist evangelische Pfarrerin in Weidhausen