Am Fernfahrer-Treffen der Katholischen Betriebsseelsorge nahmen Fahrer und Fahrerinnen aus den Kreisen Lichtenfels, Coburg, Kronach und Kulmbach teil. Auch ihre Arbeitgeber , die Gewerkschaft, die Polizei und die Gewerbeaufsicht kamen zu Wort.

Von klein auf sei er begeistert von diesem Beruf, sagte Raphael Gahn. „Wenn ich noch mal meinen Beruf wählen müsste, würde ich mich genauso entscheiden“, betonte er. Doch worauf nicht nur die älteren Berufskollegen hinwiesen: In diesem Bereich gibt es vieles, was nicht gut ist.

Zu wenig Wertschätzung

„Hinter den Lenkrädern sind Menschen“, unterstrich Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz. Er ist einer von acht Betriebsseelsorgern im süddeutschen Raum, die im Bereich der Fernfahrerseelsorge unterwegs sind. Die Betriebsseelsorge wirbt mit der Aktion „Achtung! Hier arbeitet ein Mensch“ für mehr Menschlichkeit in der Arbeitswelt und insbesondere gegenüber den Berufskraftfahrern .

Seit dem letzten Treffen vor einem Jahr in Mitwitz hat sich einiges verändert. Viele Berufskraftfahrer sind aus ihrem Job ausgestiegen.

Wachsender Personalmangel

Ein Beispiel dafür nannte Martina Pitius, deren drei Söhne Berufskraftfahrer wurden. Alle begannen die Ausbildung mit drei Berufsschulklassen im Jahrgang, im dritten Jahr war es nur noch eine Klasse. „Viele waren da schon ausgestiegen“, führte sie als Erklärung für den zunehmenden Fahrermangel an. „Stress und Hektik sind brutal geworden“, sagte Matthias Kühnet, Chef einer Transportfirma in Michelau.

Spediteure unter Druck

An die Gewerkschaften richtete er den Appell, die Schwierigkeiten gerade der kleineren Spediteure zu sehen. Der Mindestlohn wurde inzwischen eingeführt. Aber, so sagte Kühnet: „Der Arbeitgeber kann oft nicht mehr bezahlen, weil ihm die notwendigen Preise nicht gezahlt werden. Wir gehen harten Zeiten entgegen.“ Zur Unterstützung seiner Fahrer nutze er die Möglichkeit der steuerfreien 3000 Euro.

Und dann die Probleme mit der Parkplatzsuche, wenn doch die Ruhezeiten einzuhalten sind. Stefan Heinrichs , der Leiter der Schwerlast-Kontrollgruppe der VPI Coburg, zeigte Verständnis: „Die Polizei weiß natürlich, dass es manchmal schwer ist, einen Parkplatz zu finden.“

Unhygienische Rastanlagen

Die freien Rastanlagen seien in einem schrecklichen Zustand, wurde beklagt. „Bei zwei Dritteln sind die hygienischen Zustände unbeschreiblich schlecht“, zitierte Norbert Jungkunz aus einer ADAC-Studie. In den 90er Jahren schon gab es Gewerkschaftsforderungen für vernünftige Möglichkeiten, zu parken und sich zu waschen. Passiert ist nichts.

Keine Lkw-Parkplätze

„Viele Parkplätze an Autobahnen wurden zugemacht“, beklagte ein Fahrer. Große Firmen errichteten Lager, aber keine Parkplätze, sagte ein anderer und nannte als Beispiel das Amazon-Sortierzentrum bei Forchheim. Immer mehr Straßen in Gewerbegebieten würden bewusst kleiner gebaut und nachts ein Halteverbot ausgewiesen, beklagte ein anderer Fahrer. Einig war man sich, dass in jedem Industriegebiet ein Lkw-Parkplatz angelegt werden müsste.