Sandkerwa ade, Blues und Jazzfestival ciao, auf Wiedersehen Bamberg zaubert: Dieser Sommer fällt nicht nur in der Weltkulturerbestadt veranstaltungsmäßig in ein Loch. Schon im März war klar, dass es lange Zeit keine Großveranstaltungen geben wird, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Viele Kulturschaffende schauten erstmal in die Röhre - beziehungsweise Kamera: Einige versuchten per Streaming und auf Videoplattformen im Internet, ihr Publikum zu erreichen und die Flaute zu überbrücken. Nun gibt's Bewegung: Bald könnte es eine Offline-Oase für Kultur in Bamberg geben.

"Die Künstler lechzen wieder danach, vor Publikum aufzutreten", ist sich Wolfgang Heyder vom Veranstaltungsservice Bamberg sicher. Diese Chance soll nun Ende August entstehen: Gemeinsam mit Stadtmarketing, dem Team der Böhmerwiese, dem Wobla, der Fränkischen Nacht und Radio Bamberg findet das "Engel- & Völkers-Kulturfestival" auf der Böhmerwiese statt. Zwischen dem 26. und 30. August sowie vom 3. bis 6. September sollen täglich Musik- und Comedyveranstaltungen auf dem Grün in der Gärtnerstadt steigen.

Und es ist viel für Familien dabei. Bauchredner Sebastian Reich mit seinem Nilpferd Amanda schaut genauso vorbei wie Kabarettist Wolfgang Krebs. Willy Astor jagt nach dem verlorenen Satz und Bodo Wartke besingt am Klavier den Wandel im Laufe der Zeit. Unter dem Motto "Bamberg Live" springen am 20. August die Bands "Lucky and the Heartbreakers" und "Dawn", Gitarrist Tony Bullock sowie die Musikcombo mit Maike May und Marc Peratoner auf die Bühne, vor der - nach den aktuellen Auflagen - bis zu 400 Menschen bespaßt werden dürfen.

Dann gibt es alles zwischen Jazz, Rock und Blues auf die Ohren. Einbahnsystem und entsprechende Sitzgruppen machen die Größe möglich. Karten gibt es nur vorab - online oder beim Ticketservice. Eine Abendkasse wird es nicht geben.

Die Veranstaltungstage im September gestalten sich genauso bunt und verspielt wie der Beginn: Während die Solokünstler Bembers und Arnd Rühlmann alias Hanuta Gonzales für die richtige Portion Spaß zuständig sind, stellen die Rockband CHP und das Acapella-Quintett "Viva Voce" die Musik in den Vordergrund. Und mit Chapeau Claque gibt es Theaterspaß für Groß und Klein. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz ist Schirmherr der Veranstaltung.

Kellerfetzival am 5. September

Abseits von der Böhmerwiese hat der Veranstaltungsservice noch ein Schmankerl für alle Freund der fränkischen Lebensart im Petto: Das "Kellerfetzival" auf dem Wilde Rose Keller. Eine Veranstaltung, welche schon in Vor-Corona-Zeiten mit lokalen Kulturschaffenden geplant war. Am Samstag, 5. September, besteigen Boxgalopp, Kellerkommando und das Hip-Hop-Kollektiv Bambägga die hölzerne Bühne.

Im Schatten der Bäume werden dann hunderte Menschen den Künstlern lauschen. Fränkische Mundart trifft auf "Volxmusik". Mit Mikrofon, Trompeten, Posaunen und Akkordeon bewaffnet steht das Abendprogramm. Wegen der Hygieneauflagen muss es beim Zuhören bleiben. Tanzen ist nicht möglich. Keine einfache Aufgabe. Jonas Ochs von Bambägga ist zuversichtlich: "Wir haben auf unseren Touren gelernt, das Publikum zu lesen und auch darauf zu schauen, dass die Leute auf ihren Plätzen bleiben." Für den Rapper geht es darum, jetzt wieder raus zu den Menschen zu gehen und etwas Positives draus zu machen. Die Chance wolle er sich nicht entgehen lassen.

Auch wenn am Himmel bereits ein Sommergewitter in Form von steigenden Infektionszahlen aufsteigen könnte, wollen sich die Veranstalter ihren Optimismus nicht nehmen lassen. "Wir wollen etwas Normalität zurückgeben", betont Klaus Stieringer, Leiter des Stadtmarketings. Kunst und Kultur gehörten zu Bamberg wie die Altstadt selbst.

Veranstalter Heyder ist guter Dinge auch weil die Zusammenarbeit mit der neuen Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar zur Genehmigung reibungslos funktioniere. Denn Planungssicherheit sei das Wichtigste für die Veranstaltungsbranche in diesen Zeiten. Allein hinter dem Kulturfestival stecken rund 50 Menschen, die in unterschiedlichsten Funktionen arbeiten. Und vielleicht werde auf der Böhmerwiese die kulturelle Saat für ein "zartes Pflänzchen" gesetzt, aus welcher zukünftige Veranstaltungen erwachsen.