Mit schwerem Gerät und mehr als 1000 Soldaten versucht die deutsche Bundeswehr, ihren Teil zur UN-Friedensmission "Minusma" in Mali beizutragen. Unsere Zeitung sprach mit dem dortigen Kontingentführer Oberst Peter Eichelsdörfer über die Aufgaben fern der Heimat und über Wünsche an die Menschen in Deutschland. Der 58-jährige Offizier stammt aus Bad Reichenhall, ist im Berchtesgadener Land zu Hause und erfahren in Auslandseinsätzen der Bundeswehr.

Deutsche Soldaten der Bundeswehr beteiligen sich an der UN-Mission "Minusma". Sind sie auch im aktiven Anti-Terror-Kampf beteiligt?

Oberst Peter Eichelsdörfer: Auf diese Frage kann es nur ein "Nein" geben, da im Bundestagsmandat ausdrücklich eine aktive Beteiligung am Anti-Terrorkampf untersagt ist.

Worin liegt dann der Hauptauftrag der Bundeswehr in Mali?

Das Ziel der deutschen Beteiligung bei der Mission "Minusma" ist die Unterstützung der Umsetzung des Friedensvertrages von Algier aus dem Jahr 2015 und die Sicherung des Friedens in Mali. Die Schwerpunkte des Einsatzes sind, dafür zu sorgen, dass die Waffenruhe eingehalten und das Abkommen für Frieden und Aussöhnung umgesetzt wird. Zu den Hauptaufgaben der Bundeswehr gehört die Aufklärung in der Luft und am Boden. Wir sammeln Informationen und stellen die Aufklärungsergebnisse dem UN-Hauptquartier zur Verfügung. Gleichzeitig unterstützen wir die Mission durch die Bereitstellung von Lufttransportkapazitäten. Das Einsatzgebiet umfasst dabei ganz Mali sowie den Lufttransportstützpunkt Niamey im benachbarten Niger.

Mit welchen Problemen sind die Soldaten im Camp Castor und überhaupt besonders konfrontiert? Die klimatischen Bedingungen und vor allem die Temperaturen von über 42 Grad Celsius können zwischenzeitlich eine Herausforderung für die Soldaten, aber auch für unser Material darstellen. Hinzu kommt die unberechenbare Sicherheitslage. In den vergangenen Monaten haben wir uns intensiv auf den Einsatz in Mali vorbereitet. Daher weiß ich, dass meine Soldaten diesen Herausforderungen gewachsen sind. Darüber hinaus arbeiten wir hier sehr eng mit erfahrenen Partnernationen bei der Mission "Minusma" zusammen. Der Weg zum Frieden in Mali ist wohl ein sehr langer. Droht der Bundeswehr, dass Mali ein "afrikanisches Afghanistan" wird? Als Soldaten tun wir unseren Dienst im Rahmen eines Parlamentsmandats und können politische Lösungen nur flankieren. Wir sind, bildlich gesprochen, sozusagen ein Werkzeug der Politik. Unser Ziel ist es, einen Beitrag zur Sicherheit und zur Stabilität für die kriegsgeplagte Bevölkerung Malis zu leisten. Ich hoffe, dass wir auf mittlere und lange Sicht auf diesen Einsatz zurückschauen und sagen können, das internationale Engagement hat zu einer Verbesserung der Gesamtsituation in Mali oder am besten mit zur Lösung des Konfliktes beigetragen. Klar ist jedoch: Die ureigene Verantwortung für die Lösung des Konflikts liegt bei den malischen Konfliktparteien. Was wünschen Sie sich für Ihre Soldaten von den daheimgebliebenen Deutschen? Ich arbeite hier mit sehr erfahrenen Kameraden zusammen, die mit sehr viel Herzblut ihre Aufgabe, auch unter teilweise sehr schwierigen Bedingungen, verrichten. Dafür nehmen sie bewusst Entbehrungen in Kauf. Es ist auch nicht einfach, für so einen langen Zeitraum von seinen Lieben zu Hause getrennt zu sein. Als Parlamentsarmee führen wir den Auftrag des Bundestagestages im Rahmen eines Systems der kollektiven Sicherheit aus. Uns ist es wichtig, einen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheitslage in Mali zu leisten. Für diesen Auftrag wünschen wir uns vor allem Verständnis. Schön wären auch Gesten der Unterstützung durch die deutsche Bevölkerung. Gerade die daheimgebliebenen Familien haben es nicht leicht, zumal sie sich neben der Abwesenheit eines geliebten Menschen auch Sorgen machen. Da können kleine Gesten der Nachbarn, Verwandten oder Freunde sehr wertvoll sein. In den vergangenen Monaten haben wir eine große Unterstützung durch unsere Patengemeinden in ganz Deutschland erfahren. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir freuen uns, die enge Verbundenheit auch aus der Ferne fortzusetzen. Die Fragen stellte Marion Krüger-Hundrup.