Rund 600 Menschen haben am Freitag vor dem Werk des Autozulieferers Bosch in München gegen die Schließung des Standorts demonstriert. Der Autozulieferer beschäftigt in München 265 Mitarbeiter. Laut IG Metall kamen Bosch-Beschäftigte aus Stuttgart, Nürnberg, Bamberg und Blaichach zu der Demonstration in München.

Betriebsratschef Giuseppe Ciccone sagte: "Wir können nicht nur Kraftstoffpumpen herstellen, sondern auch Zukunftsprodukte fertigen oder innovative Serviceleistungen erbringen. Notfalls ketten wir uns an unsere Maschinen."

Die Autoindustrie muss einen raschen Übergang vom Benzin- und Dieselauto zum Elektroauto schaffen, um die Klimavorgaben der EU einzuhalten. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Bosch Mobility Solutions, Frank Sell, kritisierte: "Bosch spaltet die Belegschaft in Gewinner und Verlierer des Strukturwandels."

Der bayerische IG-Metall-Chef Johann Horn sagte: "Die Produkte aus München sollen an Billigstandorten weiterproduziert werden." Bosch wolle nur Kosten sparen. Das Unternehmen müsse die Beschäftigung an den Standorten mit zukunftsfähigen Produkten sichern, forderte der Gewerkschafter.

Auch ins Ausland

Ein Unternehmenssprecher sagte, in München werde über das Verlagern der industriellen Fertigung an andere Standorte im In- und Ausland gesprochen. Es sei aber noch keine Entscheidung getroffen. Zeitgleich fanden Kundgebungen an den Standorten im badischen Bühl und im thüringischen Arnstadt statt.

Den 100 betroffenen Mitarbeitern aus Arnstadt würden Arbeitsplätze in Eisenach und im fränkischen Ansbach angeboten, sagte ein Sprecherin. Im Konflikt um den Bosch-Standort in Arnstadt fordert Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee Vertragstreue des Unternehmens.

Der Tarifvertrag, der die Weiterbeschäftigung der Arbeitnehmer bis Ende 2022 vorsehe, müsse eingehalten werden, "selbst wenn sich die Lage des Unternehmens verändert", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Er habe Verständnis für den Widerstand der Beschäftigten und der IG Metall gegen Überlegungen, die etwa 100 Mitarbeiter an dem Standort ab Dezember in die bezahlte Freistellung zu schicken.

Keine finanziellen Einbußen

Nach Angaben des Unterh´nehmens Bosch gibt es für die Beschäftigten keine Arbeit mehr. Die Betroffenen würden bis Ende 2022 ihr volles Gehalt erhalten. Sie hätten so keine finanziellen Einbußen, sagte eine Bosch-Sprecherin.

In Bühl will der Autozulieferer bis 2025 rund 700 Vollzeitstellen abbauen, weniger als die Hälfte der in Bühl abgebauten Stellen solle nach Osteuropa verlagert werden. dpa