Andreas Dorsch Erneuerbare Energien haben immer noch den Nachteil, dass der mit ihnen erzeugte Strom nur schwer gespeichert werden kann. Um das zu verbessern, rüsten viele Betreiber von Biogasanlagen jetzt nach. Auch Erhard Dietsch und Helmut Tittel wollen ihre Anlage nahe Dietersdorf erweitern und flexibilisieren.

700 000 Euro investieren die beiden in ihre Anlage. 350 000 Euro müssen davon für einen weiteren Behälter mit 26 Meter Durchmesser ausgegeben werden, zu dem sie die neue Düngeverordnung verpflichtet. Den Rest verschlingt in erster Linie ein zweiter Motor, der für die übrigens staatlich geförderte Flexibilisierung von Biogasanlagen die Voraussetzung ist.

"Wir können dann Strom in Form von Gas speichern", sagt Dietsch. Wird in Spitzenzeiten viel Strom gebraucht, wird einfach der zweite Motor anlaufen lassen. Wann zu- oder abgeschaltet wird, muss dem Energieversorger per Fernsteuerung überlassen werden.

Biogasanlagen waren bisher für die kontinuierliche Stromerzeugung konzipiert, weil auch ständig Gas produziert wird. Künftig sollen sie umgerüstet und flexibler werden. Dietsch geht davon aus, dass dann zu manchen Zeiten beide Motoren laufen, oder nachts auch mal gar keiner.

Von dem Material, das in der Dietersdorfer Anlage vergoren wird, sind 36 Prozent Gülle. Der Rest ist Mais und neuerdings Wildpflanzen, die für Bienen und Insekten angebaut wurden und einmal im Jahr abgeerntet werden müssen.

Die Erweiterungspläne von Erhard Dietsch und Helmut Tittel waren am Montagabend auch Thema im Vestenbergsgreuther Gemeinderat. Einstimmig erteilten die Räte ihr Einvernehmen. "Der Gemeinderat hatte sich kundig gemacht und die Argumente gegen die Erweiterung entkräftet, sagte Bürgermeister Helmut Lottes (CSU/UB).

Gegen die Erweiterung der Biogasanlage hatte eine Bewohnerin aus Dietersdorf schriftlich Einspruch eingelegt. Sie hatte bereits 2011 mit aller Macht versucht, den Bau zu verhindern, was ihr aber nicht gelang. Jetzt fordert sie erneut, den Bauantrag abzulehnen. Sollte das nicht geschehen, kündigt sie "mit großer Wahrscheinlichkeit juristische Konsequenzen" an.

Sie begründet ihren Einspruch unter anderem mit der "immensen Gefahr", die Biogasanlagen ihrer Meinung nach für Mensch, Klima und Umwelt darstellen. Klimaschädliche Gase und wassergefährdende Stoffe könnten aus den Anlagen entweichen und hochentzündliche Gase zu Unfällen führen.

Die Gegnerin der Erweiterung stellt fest, dass schon jetzt "massive und immobilienwertmindernde Faktoren" auf ihr Anwesen in Dietersdorf einwirken. Als Beispiele nennt sie unter anderem den Gestank der Biogasanlage, die "massive Geruchs- und Lärmbelästigung durch die Schweinehaltung im Ort" und die Lärmbelästigung durch landwirtschaftliche Maschinen. Hier schlägt sie den Bauern vor, "einmal über den Einsatz von Elektromobilität" nachzudenken. Schließlich stört sie noch der Lärm von Windrädern in 800 und 1100 Metern Entfernung.

Nach der einhelligen Zustimmung im Gemeinderat läuft jetzt das Genehmigungsverfahren für die Biogasanlagen-Erweiterung beim Landratsamt. Wie der FT in Erfahrung brachte, sind dort schon viele Vorgespräche mit den Betreibern geführt worden. Die Flexibilisierung von Biogasanlagen sei laut Landratsamt grundsätzlich im Sinne des Umweltschutzes und soll Energie bereitstellen, wenn sie gebraucht wird.