Moderne Kühltechnik ist für uns heute selbstverständlich. Bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts nutzten Münnerstädter Betriebe dagegen noch ihre alten Eiskeller. Deshalb war das Eismachen in Münnerstadt eine typische Winterarbeit. Metzgereien, Gasthäuser, die Klosterbrauerei oder die Gärtnerei benötigten das Eis zur Lagerung. Die Winter waren noch kalt genug, um ausreichend Eis zu brechen.

Der sogenannte Gaisersee war eine Wasserfläche im Wiesengrund unterhalb des Oberen Tores, die in der kalten Jahreszeit genügend Eis bildete, um dort Lagereis zu bekommen. Den kleinen See gibt es heute nicht mehr. Im Stadtarchiv existieren aber noch Fotografien von der Zeit, als dort die Eismacher am Werk waren. Auch der Bayerlsee wurde genutzt; dieser brauchte aber intensivere Frosttage, um ausreichend Eis zu bilden.

Keine ungefährliche Arbeit

Damals waren Winterwochen mit andauerndem Dauerfrost keine Seltenheit. Nach mehreren Tagen klirrender Kälte war das Eis soweit und konnte aus dem See geholt werden. Die Klosterbrauerei nutzte eine andere Technik. Am Fuß der Zent wurde ein Gerüst berieselt. Das gefrorene Wasser wurde schließlich geerntet. Diese Arbeit sei nicht ungefährlich gewesen, erinnert sich Fritz Beudert. Er war Mitte der der 1950er Jahre als Jugendlicher und junger Mann selbst zwei- oder drei Mal beim Eismachen dabei. Die Männer mussten dabei auf die haushohen, spiegelglatten Gerüste klettern, um die Eiszapfen abzuschlagen. "Man konnte leicht abrutschen", erinnert sich Fritz Beudert. Deshalb habe man sehr konzentriert arbeiten müssen. Dafür gab es immer eine gute Brotzeit und dazu angewärmtes Bier, erzählt der Münnerstädter. Die Arbeit in der Kälte hat hungrig und durstig gemacht.

Das Kloster hatte unterhalb seines Gerüstes seinen Eiskeller, wo die Ernte gelagert werden konnte. Gleich nebenan, am ehemaligen Turnerheim, gab es ein weiteres Eisgerüst einer Münnerstädter Metzgerei.

Das Eismachen war eine Winterarbeit, vor allem für die örtlichen Landwirte. Damals gab es noch viele Bauern im Städtchen, und die waren froh, wenn es in den ruhigeren Wintermonaten zusätzlich Arbeit gab.

Die Plackerei auf dem gefrorenen See oder am Gerüst war hart. Am Gaisersee holten die Männer die Eisplatten aus dem See, nachdem sie diese zuvor mit Beilen oder Sägen gebrochen hatten. Dazu nutzten sie eigens gefertigte Eiszangen. Die Platten wurden auf Pferdefuhrwerke geladen, später dann mit Lastwagen abtransportiert und in Kellern eingelagert.

Eismachen war für die Männer Knochenarbeit und für die Buben aus der Nachbarschaft ein Heidenspaß, erinnert sich Heinz Ritter. Sowie die Arbeiter pausierten oder ihre Fuhren wegbrachten, wurden die gebrochenen Eisschollen als Floß genutzt. Ganz ungefährlich war das nicht. "Ich bin dabei auch mal ins eisige Wasser gefallen", erinnert er sich. Und da sei er nicht der einzige gewesen.

In welchem Jahr genau letztmalig Eis gebrochen wurde, lässt sich kaum mehr feststellen. Bilder gibt es auf jeden Fall noch aus dem Jahr 1959 vom Gaisersee.