Marion Krüger-Hundrup Nein, aufgeheizt war die Stimmung im prallvollen Pfarrsaal nicht. Eher aufmerksam und informationshungrig. Der Imkerverein Scheßlitz und Umgebung hatte eingeladen unter der griffigen Überschrift "Imker im Dialog". Und zwar am letzten Abend des Volksbegehrens Artenvielfalt "Rettet die Bienen!" Zu Beginn der über dreistündigen Veranstaltung stand jedoch schon fest, dass das Volksbegehren die erforderlichen Stimmen verbuchen konnte: "Ich hätte mir gewünscht, dass diese Veranstaltung schon vor dem Volksbegehren stattgefunden hätte", sagte denn auch Landwirt Edgar Böhmer, der für den Bauernverband auf dem Podium saß.

Ob sich so mancher der durchaus anwesenden Volksbegehrler seine Entscheidung dann anders überlegt hätte, sei dahingestellt. Jedenfalls war es dem Imkerverein unter Vorsitz von Herbert Beck gelungen, Bauern, Imker, Bürgermeister, Gartenbesitzer, Jäger, Förster zu versammeln und auf ein Ziel einzuschwören: Gemeinsam alles zu tun, um das Problem des Artensterbens in den Griff zu bekommen und für eine nachhaltige Natur einzutreten.

Kein Widerspruch

Es gab niemanden, der einer solchen Zielvorgabe widersprochen hätte. Obwohl es an diesem Abend trotz Titelwort "Dialog" weniger um ein Gespräch und Austausch von Argumenten ging. Ein "Dialog" war es gewiss nicht, was die Fachleute auf dem Podium anboten. Der Begriff "Fortbildung" trifft die Durchführung des Abends besser. Imkerin Cornelia Schecher lieferte eine Lehrstunde über die fleißige Honigbiene und ihre gefährdeten Artgenossen wie zum Beispiel die Wildbiene: "Bienen brauchen eine Vielfalt der Pflanzen, eine durchgängige Blühphase, blüten- und artenreiche Lebensräume, also Brachflächen, Biotope wie Streuobstwiesen oder artenreiche Hecken- und Waldränder, Mager- und Trockenrasen", listete Schecher auf.

Nahrung und Wohnraum fehlen

Dagegen fehle es für bestäubende Insekten an Nahrung und Wohnraum durch intensive Landwirtschaft, Versiegelung der Flächen oder den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Diplom-Biologin Kornelia Marzini (Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim) warb für die von ihrem Haus entwickelten Blühmischungen - Wildpflanzen- und Biogasmischungen -, die Landwirte für mehr Biodiversität auf den Ackerflächen einsetzen sollten. Marzini plädierte dafür, "keine willkürlichen Schnittmaßnahmen aus falsch verstandenem Ordnungssinn" durchzuführen: "Die Natur braucht Unordnung", erklärte die Rednerin. Eine solche Unordnung habe nichts damit zu tun, dass die Landwirte womöglich Schlamperer seien. Sie würden vielmehr für Artenvielfalt und Lebensräume für bedrohte Tiere sorgen, wenn nicht jeder Randstreifen oder jede Brachfläche akkurat gemäht sei.

Wildlebensraumberater Matej Mezovský (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg) machte klar, dass er als "Unterstützer von Wildtieren, denen es nicht so gut geht" der erste Ansprechpartner von Landwirten sei. "Landwirte sind nicht unsere Gegner, sondern Partner", brach Mezovský eine Lanze für das Miteinander in Sachen Artenschutz. Dabei sei es immer eine freiwillige Maßnahme der Bauern, wie sie etwa Weg- und Feldränder gestalten. Finanziell gefördert werde der Einsatz von Pflanzensamen jedenfalls nicht.

Der Bauernverbandsvertreter, Kreisobmann Edgar Böhmer, betonte die schon "ewig bestehende Gemeinsamkeit von Landwirten und Imkern". Doch die Bienen brauchten den Schutz aller, "nicht nur der Landwirte, die sich an Gesetze halten müssen und wenig individuellen Spielraum haben". So habe er kürzlich einem reisefreudigen Nachbarn gesagt: "Ich mache eine Blühwiese, wenn du fünf Jahre lang keine Flugreise und Kreuzfahrt machst." Gegen umweltschädigendes Verhalten müsse eben jeder etwas tun.

Pflanze kommen nicht mit

"Es muss am großen Rad Verkehr gedreht werden", fügte Böhmer hinzu, der die "drastischen Folgen des Klimawandels" beklagte: "Die Pflanzen auf den Feldern kommen nicht mit", wies er auf die Auswirkungen des Hitzesommers 2018 hin.

Auch die Referenten zuvor waren in Wort und Bild auf den spürbaren Klimawandel eingegangen. Kornelia Marzini beispielsweise hatte dabei sonnenresistente Pflanzen aus Südosteuropa ins Spiel gebracht, die hierzulande genutzt werden könnten.

Etliche Bürgermeister aus dem Landkreis Bamberg waren im Scheßlitzer Pfarrsaal. Für die Kommunalvertreter trat unter anderen Stegaurachs Zweiter Bürgermeister Bernd Fricke ans Mikrofon: "Besonders die Kommunen tragen eine hohe Verantwortung für den Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt", sagte er. In Stegaurach würden gemeindeeigene Flächen vorrangig an Ökobetriebe und einheimische Landwirte verpachtet, bestehende Brachen unberührt gelassen, Blühstreifen angelegt oder auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet. "Kommunen können sich über Biodiversität austauschen!" meinte Fricke.

In den abschließenden Wortmeldungen aus dem Plenum äußerte etwa ein Landwirt den Wunsch, dass es jetzt nach dem Volksbegehren "für Bayern zu einem guten Vertrag kommt". "Die bayerischen Bauern tragen den Naturschutz, sie sind nicht an allem schuld wie die Umweltverschmutzung", sagte ein anderer.

Gespalten waren die Auffassungen, ob sich das Volksbegehren "gegen die Bauern gerichtet" habe oder nicht. Zumindest in dieser Frage gab es keine Einmütigkeit.