von unserer Mitarbeiterin Petra Malbrich

Forchheim — "Von einem Run können wir nicht berichten. Es gibt noch keine große Nachfrage. Nicht mehr als mit Rezept", berichtet Christina Utzmann von der Regnitz-Apotheke in Forchheim. Und auch ihre Kollegin Irene Schock von der St.- Martins-Apotheke hat das Medikament seit der Freigabe erst ein einziges Mal herausgegeben. Vielleicht fünf bis sieben Mal im Jahr sei die "Pille danach" im Durchschnitt vorher mit Rezept gewünscht.
Diese Tablette bewirkt keine Abtreibung, sondern verhindert den Eisprung. Als "Pille danach" gelten die beiden Medikamente "PiDaNa", das bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr angewendet werden darf, und "Ella One", das noch bis zu fünf Tage danach wirkt.

Viele Nebenwirkungen

Schon vor dem 15. März haben die Apotheker wie bei allen Medikamenten über die Einnahme beraten und auf Nebenwirkungen hingewiesen. Denn natürlich gibt es die auch bei der "Pille danach". Übelkeit, Erbrechen, Blutungen, aber auch Schwindel oder Kopfschmerzen können einige der unangenehmen Begleiterscheinungen sein.
"Die ,Pille danach' darf nicht als klassisches Verhütungsmittel verstanden werden", sagt denn auch Margit Steger-Böhnlein, die Leiterin von Donum Vitae Bamberg-Ebermannstadt, der Schwangerschaftsberatung der katholischen Kirche.
Bei den Präventionsgesprächen in den Schulen hätten die Mitarbeiterinnen der Schwangerschaftsberatung schon den Eindruck gewonnen, dass die Jugendlichen sehr wohl zwischen den Verhütungsmitteln und der "Pille danach" unterscheiden und diese als Notfallmedikament betrachten.
Einen finanziellen Vorteil haben die Jugendlichen daraus sicher nicht, werden doch die Kosten für die Pille bis zum 21. Lebensjahr von den Krankenkasse erstattet, die "Pille danach" dagegen muss selbst bezahlt werden. Aber: "Es muss ein verantwortungsvoller Umgang gewährleistet sein", betont Margit Steger-Böhnlein. Nicht nur für die jungen Frauen, die es anwenden, auch für die Apotheken.

Genaue Leitlinien

Deshalb werden Steger-Böhnlein und ihre Mitarbeiterinnen bei den Apotheken recherchieren, gerade was die Leitlinien betrifft, nach denen die Beratungsgespräche stattfinden sollen. Die Apotheker müssen künftig nicht nur über die Einnahme und Nebenwirkungen des Medikaments beraten, sondern auf Wunsch auch die Wirksamkeit erklären und Fragen zum Eisprung beantworten. Diese Leitlinien haben die Apotheken von der Bundesapothekenkammer an die Hand bekommen. Alles, was auf der Liste steht, muss im Beratungsgespräch durchgegangen werden. So kann man nichts vergessen.
Jungen Frauen unter 14 Jahren darf beispielsweise die "Pille danach" erst gar nicht gegeben werden, sagt Heike Krammel von der Apotheke im Globus. Sie würde aber in gewissen Fällen auch darüber hinaus die Abgabe verweigern. Sie persönlich sei kein Freund der Freigabe gewesen. Der vorher vorgeschriebene Arztbesuch sei vielleicht eine größere Hemmschwelle gewesen. Eine vermehrte Nachfrage nach dem Medikament kann auch sie nicht verzeichnen.
Ebenfalls wenig begeistert ist Frieda Seifert von der Stadtapotheke Forchheim. Seit die "Pille danach" rezeptfrei erhältlich ist, sei bei ihr noch keine Anfrage erfolgt. "Wenn der Eisprung schon stattgefunden hat, hilft sie nicht mehr. In der Schwangerschaft darf die Pille danach nicht mehr angewendet werden", betont sie. Sie schicke ihre Kundinnen zum Arzt, wenn sie sich wegen des Eisprungs nicht ganz sicher sei. Das Medikament dann einfach auszugeben, sei ihr zu riskant.
Mit dieser rezeptfreien Regelung sieht Frieda Seifert die Verantwortung auf den Apotheker abgeschoben. Schon alleine wegen der Nebenwirkungen gehört ihrer persönlichen Meinung nach die junge Frau in ärztliche Obhut.