Die „Kerwa-Challenge“ des Bayerischen Fernsehens erweist sich als überaus knifflig
„Wer hat Kerwa? Mia ham Kerwa.“ Die Voraussetzungen für die Kerwa-Challenge des Bayerischen Fernsehens , die in Effeltrich Station machte, hätten kaum besser sein können. Eine „Mordsgaudi“ war es jedenfalls.
Froh gelaunt und Kerwaslieder singend fuhren die jungen Männer des Burschenvereins „Zufriedenheit“ mit Traktor und Leiterwagen zum Dorfplatz zwischen der Dorflinde und dem Gasthaus „Zur guten Quelle“. Dort hatten die Mitarbeiter des Bayerischen Fernsehens die Bühne für ihre „Kerwa-Challenge“ aufgebaut, an der neben Effeltrich nur vier weitere Gemeinden teilnehmen. Vor der Bühne stimmten die Kinder des Trachtenvereins Effeltrich die Besucher mit der getanzten Sternpolka auf die Kirchweih-Gaudi ein.
Für den Wettbewerb holte Moderator David Saam (Musikredakteur und Moderator bei „BR Heimat“) die Kerwasburschen erst einmal aus dem Schatten der Linde. So wie die zahlreichen Zuschauer sollten sie nämlich ihre Kollegen Jan Leuthäuser und Tim Adelfinger auf der Bühne unterstützen.
Auf der Bühne
Ebenfalls auf der Bühne Platz nehmen durfte Bürgermeister Peter Lepper, der dazu seine original Effeltricher Tracht angezogen hatte. Einen Preis für dieses unverwechselbare Outfit wollte der Gemeindechef zwar nicht nennen, doch „a paar Tankfüllungen gehen dafür schon drauf“, antwortete er auf die Frage von Moderatorin Sophie Grund von Bayern 3.
Vor der Aktionsbühne mithelfen, miträtseln, mitspielen und anfeuern konnten alle. Die Antworten auf die Fragen dagegen durften nur die drei Kandidaten auf dem Podium geben. Gefragt waren Musikwissen, Geschicklichkeit, Konzentration, Nervenstärke und Teamwork.
Den musikalischen Start gab Iliya Khenkin auf der Posaune mit einem Kerwalied-Intro, dem ein lautstarkes „Kerwa, Kerwa, Kerwa“ folgte. Die Aufgabe: Die Musiker des Musikvereins Heroldsbach, die sich die Effeltricher zur Unterstützung für den Wettbewerb geholt hatten, mussten einen Pop-Song vom Blatt spielen. Schwarmwissen war gefragt.
Doch zunächst gab es nur fragende Gesichter, auch deshalb, weil eine falsche Antwort null Punkte bedeutet hätte. Schließlich schlug Tim Adelfinger auf den Buzzer. Mit fragendem Unterton nannte er als Lösung: „Narcotic“ von Liquido. Unter tosendem Applaus gab es dafür immerhin noch 42 Punkte.
In der Besetzung Akkordeon und Posaune verpassten danach David Saam und Ilya Khenkin von der Band „Marsmännla“ bekannten Songs wie „Another one bites the dust“ (Queen), „Wackelkontakt“ (Oimara), „Blinding lights“ (Weekend), „She ‘s got nothing on“ (Roxette), „It‘s my life“ ( Bon Jovi ) und fünf weiteren Songs fränkische Texte. Eine knifflige Aufgabe, doch dank der Mithilfe der Zuschauer sammelten die Effeltricher dafür 75 Punkte ein.
Geschicklichkeit beweisen mussten die 20 Paare der „Kerwa-Challenge“ beim „Kartoffelwalzer“, wobei die Kartoffel durch einen Tennisball ersetzt wird. Zwei Minuten lang drehen sich 20 Tanzpaare mit dem Ball Stirn an Stirn im Walzertakt. Fällt der Ball herunter, ist das Paar aus dem Rennen. Disqualifiziert wird auch, wer den Ball mit einem anderen Körperteil zu halten versucht. Paare der Kindertanzgruppe bewiesen, dass diese Aufgabe durchaus lösbar war. Der Lohn: 65 Punkte.
Geschick und Teamgeist waren beim „Teppich-Twister“ gefordert. Dabei stellen sich 20 Personen auf einer Plane, die dann von der schwarzen auf die orange Seite umgedreht werden muss, ohne dass jemand die Plane verlässt. Bereits ein einziger Fehltritt bedeutete fünf Punkte weniger.
Als kluger Schachzug erwies sich hier, dass Eltern ihre Kinder auf den Arm nahmen, um Platz zu schaffen. Fazit: Die meisten blieben auf dem Teppich. Doch die Schiedsrichter hatten bemerkt, dass sich drei Personen außerhalb der Plane abgestützt hatten. Also kamen statt der erhofften 65 nur 50 Punkte auf das Konto.
Enttäuschung pur beim traditionellen „Gögerschlagen“. Dieses Brauchtum, bei dem einer der Kerwasburschen mit verbundenen Augen mit einem Dreschflegel einen Topf (mit einem Plastikhuhn) treffen muss, scheint in Effeltrich wenig lebendig. Möglicherweise verwirrt von den widersprüchlichen Anfeuerungsrufen schlug ein Kandidat gleich mal daneben. Vielleicht lag es auch daran, dass Moderatorin Sophie Grund vorher zu schnell mit den Kerwasburschen getanzt hatte. Keiner der fünf schaffte es, den „Göger“ zu treffen.
„Dabei is‘ des doch ganz einfach. Der muss nur gradaus geh‘n, und wenn das Publikum Stopp ruft, grad nach vorna schlag‘n“, erklärte ein Rentner. Außerdem: „Das hätte man vorher üben können“, kritisierte ein weiterer Zuschauer, der nach eigenen Worten aber nicht mehr als Kerwasbursch durchgegangen wäre.
Am Donnerstag im TV
So musste sich Effeltrich bei der Kerwa-Challenge mit 232 Punkten zufriedengeben. „Aber schön war‘s“, fand Bürgermeister Lepper. Aufnahmen der „Challenge“ aus Effeltrich werden am Donnerstag, 23. Juli, in der „Abendschau“ des Bayerischen Fernsehens ausgestrahlt.