Marion Krüger-Hundrup

Die aktuellen Nachrichten aus aller Welt lassen Erzbischof Ludwig Schick nicht kalt. Die bedrückende Lage in den deutschen Hochwassergebieten ruft ihn auf den Plan: „Der Katastrophenfonds des Erzbistums wird finanzielle Hilfen ausschütten, wir helfen im Verbund der Diözesen “, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei scheint es, als wisse der Erzbischof zunächst nicht so recht, wo überall in der Welt die Nothilfe am dringlichsten ist. Denn es erreichen ihn in diesen Tagen von befreundeten Bischöfen und Ordensleuten aus aller Welt alarmierende Meldungen. „Die Situation war schon vor der Corona-Pandemie besorgniserregend, jetzt ist sie noch schlimmer geworden“, fasst Schick, der auch Weltkirche-Bischof der Deutschen Bischofskonferenz ist und viele Länder persönlich kennt, zusammen.

Die Zahl der am Virus Erkrankten steige rapide, die medizinische Versorgung in ohnehin maroden Gesundheitssystemen sei schwach. Lockdowns mit dem Verlust von Arbeit und Einkommen träfen besonders die Armen. Eine dramatische Folge sei, dass „jede Sekunde Menschen an Hunger sterben“. Zumal oftmals verschiedene Krisen zusammenkämen: Dürren, Überschwemmungen , teils gewaltsame Konflikte und etwa im Osten Afrikas eine Heuschreckenplage.

Erzbischof Schick spricht von einem „unvernünftigen Egoismus in der globalen Welt“, was die Verteilung von Impfstoff anbelangt: „Unvernünftig, weil alle Mutationen und Varianten von Covid sich in Afrika und Asien entwickelt haben“. So sei es „ein Gebot der Vernunft, der Gerechtigkeit und Nächstenliebe, Impfstoffe in die ärmeren Länder zu bringen“, betont Schick.

Die Impfquote in diesen Ländern liege weit unter fünf Prozent, weiß der Erzbischof aus seinen Kontakten zum Beispiel nach Indien, Guatemala, Kambodscha, Südafrika, Haiti oder Kuba.

Vehement plädiert Schick für ein „besseres Zusammenstehen der westlichen Länder“: „Sie dürfen nicht das Vakzin für eine mögliche dritte Impfung horten.“ Vielmehr müsse dessen Produktion in den reichen Staaten gestärkt werden, damit es in die armen gebracht, dort die Logistik für die Verteilung geschaffen und medizinisches Personal geschult werden könne.

„Es gibt seit Jahrhunderten ein Nord-Süd-Gefälle, das aufgehoben werden muss!“, fordert der Erzbischof. Der „Skandal des Hungerns“ von fast einer Milliarde Menschen treibt ihn um. „Es könnten genügend Lebensmittel produziert werden, um alle Menschen auf der Welt zu versorgen“, sagt Schick. Mit seiner Stiftung „Brot für alle Menschen“ schlägt der Bamberger Oberhirte einen möglichen Weg der nachhaltigen Nahrungsversorgung ein: Die Stiftung fördert kleinteilige Landwirtschaft in den Entwicklungsländern etwa durch den Kauf von gutem Saatgut und Düngemitteln sowie den Bau von Bewässerungsanlagen. „Mikrolandwirtschaft ist der Schlüssel zur Überwindung des Hungers in den armen Ländern“, erklärt der Erzbischof, der auch die Folgen des Klimawandels wie zum Beispiel Verwüstung im Blick hat.

„Packen Sie mit an!“, bittet Erzbischof Schick die Bamberger. Eine Möglichkeit sind natürlich Spenden.