Stefan Fössel

Wer gelegentlich zur 75-jährigen Geschichte des Fränkischen Tags recherchiert, stößt dabei auch auf verblüffende Momentaufnahmen. So hat es 1950 tatsächlich ein Stadtrat der Bayernpartei gewagt, die nachlassende Qualität des hiesigen Biers zu beklagen. Das konnte die Stadtverwaltung nicht so stehen lassen: Es wurde eine Untersuchung aller Bamberger Biersorten durch ein chemisches Institut in Erlangen angeordnet.

"In den meisten Fällen war der Prozentsatz des Stammwürzegehaltes größer als der gesetzlich vorgeschriebene", lautete das erfreuliche Ergebnis. Zweiter Bürgermeister Anton Hergenröder ( CSU ) sah die Güte der Bamberger Biere "durch die neue Untersuchung wiederum unter Beweis gestellt". Alle Bamberger Brauereien präsentierten sich daraufhin auf einer ganzen Zeitungsseite. Darunter auch einige längst verschwundene Braustätten wie Röckelein, Riegelhof oder Doppel. Und der "Kaiserwirt" bot eine Maß "Kaisergold" für 80 Pfennig an. Trotz dieser aus heutiger Sicht paradiesischen Preise forderten die Brauer: "Trinkt eure Bamberger Biere, auch wenn sie nicht zu Schleuderpreisen verkauft werden können."

Wo der bierkritische Stadtrat danach sein Seidla genossen hat, ist freilich nicht bekannt.