Glück im Unglück nach Heli-Einsatz

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Per Hubschrauber wurde der verletzte Spieler des FCL abtransportiert. G. Czepera
Per Hubschrauber wurde der verletzte Spieler des FCL abtransportiert. G. Czepera

Nach dem Abbruch in Reichmannsdorf ist der Lichtenfelser Spieler auf dem Weg der Besserung

Die Erleichterung ist Matthias Menger nach bangen Stunden der Ungewissheit anzuhören. „Gottseidank, es ist alles in Ordnung bei Hannes Reichel“, sagt der Vorsitzende des FC Lichtenfels am Telefon. „Er hat vermutlich nur eine Gehirnerschütterung erlitten, verspürt inzwischen keine Schmerzen mehr und wurde bereits am Nachmittag wieder aus dem Klinikum Bamberg entlassen. Wir sind heilfroh, dass die Sache so glimpflich ausgegangen ist.“

Mit dem Heli nach Bamberg

Wenige Stunden zuvor war die Sorge noch groß, dass sich der 21-Jährige vom FC Lichtenfels im Bezirksliga-Auswärtsspiel beim SC Reichmannsdorf womöglich schwerer an der Wirbelsäule verletzt haben könnte. Nach längerer Behandlung auf dem Platz wurde Reichel schließlich mit dem Rettungshubschrauber ins Klinikum Bamberg geflogen. Die CT-Untersuchungen am Abend und dem darauffolgenden Morgen hätten aber keinen negativen Befund ergeben.

„An die Szene selbst kann ich mich nicht mehr erinnern. Was genau passiert ist, weiß ich nicht. Ich war kurz komplett benommen, und als ich wieder zu mir kam, hatte ich absolut keine Ahnung, was überhaupt los ist und was passiert war – plötzlich standen einfach Leute um mich herum, und ich war völlig orientierungslos“, berichtet Reichel. Auch vom restlichen Geschehen auf dem Platz habe er nur noch vereinzelte Bilder im Kopf.

„Ein riesiges Dankeschön geht an unseren Betreuer Detlef Beintze für die herausragende Erstversorgung. Ebenso danke ich allen beteiligten Helfern – dem Notarzt, den Sanitätern und dem Hubschrauber-Piloten für ihren schnellen und professionellen Einsatz“, sagt Reichel – und gibt nochmal Entwarnung: „Die Untersuchungen im Klinikum Bamberg haben zum Glück ,nur‘ eine Gehirnerschütterung und eine Rückenmarkerschütterung ergeben. Also wirklich Glück im Unglück!“ Mittlerweile ist Hannes Reichel wieder zu Hause, um sich zu erholen.

Die fatale Szene am Dienstagabend ereignete sich nach lediglich vier gespielten Minuten. Ein eigentlich unscheinbarer Zweikampf, wie er auf bayerischen Amateurplätzen wohl tausendfach an einem Wochenende vorkommt. „Unser Innenverteidiger spielt einen etwas zu langen Diagonalball, unser Spieler holt auf, kommt in den Zweikampf und stellt den Körper rein. Und dann ist der Gegner zu Boden gegangen. Er ist zwar wieder aufgestanden, sofort aber wieder zusammengesackt“, sagte SC-Keeper Fabian Achtzehn, der die Aktion aus größerer Entfernung beobachtete.

Schmerzen im Genick

Näher dran am Geschehen war zwar Stefan Mildenberger, aber auch der Schiedsrichter nahm lediglich einen „normalen Zweikampf um den Ball mit einem belanglosen Rempler in den Rücken“ wahr. „Der Lichtenfelser wusste nicht, was passiert war, wo er ist oder gegen wen er spielt, und hatte Schmerzen im Genick“, sagte Keeper Achtzehn.

Spätestens als Reichel auch über Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen klagte, war den Umstehenden die mögliche Tragweite bewusst, der Notruf wurde gewählt. Die Anweisungen des verständigten Rettungsdienstes waren jedenfalls unmissverständlich: nicht bewegen, bis professionelle Hilfe vor Ort ist.

Die folgenden Minuten bis zum Eintreffen des Rettungswagens müssen sich für die Beteiligten wie Stunden angefühlt haben. Nach der professionellen Erstversorgung auf dem Platz entschieden sich die Sanitäter allerdings für den schnelleren und schonenderen Transport per Rettungshubschrauber.

Rund 45 Minuten waren inzwischen seit dem unglücklichen Zusammenstoß vergangen, als Reichel schließlich auf dem Luftweg unterwegs war in Richtung Bamberg. Auf dem Sportgelände in Reichmannsdorf dachte zu diesem Zeitpunkt niemand mehr an eine Fortsetzung des Spiels. Noch während der Behandlung signalisierten die Lichtenfelser, nicht weiterspielen zu können, mit Zustimmung der Gastgeber brach Schiedsrichter Mildenberger die Partie dann ab.

„Auch wir mussten das Ganze erst einmal sacken lassen, da bleibt einem die Spucke weg“, sagt Achtzehn, der Reichmannsdorfer Keeper. „Der Abbruch war die absolute richtige Entscheidung. Die Nerven waren bei allen Spielern am Boden, das  hat jeden stark mitgenommen. Das Wichtigste ist, dass Hannes wieder gesund wird“, hatte auch Vorsitzender Menger noch am Abend gesagt.

Sportgericht entscheidet

Auch wenn sie gewollt und gekonnt hätten: Eine Fortsetzung der Partie wäre an diesem Abend auf dem flutlichtlosen Platz ohnehin schwierig geworden aufgrund des späten Spielbeginns um 19 Uhr, der langen Unterbrechung und der nun eintretenden Dunkelheit.

Wie es mit der Partie weitergeht, entscheidet jetzt das Sportgericht. Aufgrund des frühen Zeitpunkts des Abbruchs, der im Raum stehenden Schwere der Verletzung und der Einigkeit der beiden Teams über den Abbruch, ist eine Neuansetzung die wahrscheinlichste Lösung.  „In so einem Fall kann es eigentlich nichts anderes als eine Neuansetzung geben“, sagte auch Schiedsrichter Mildenberger, ohne natürlich das Urteil vorwegnehmen zu können. 

Ob bei der Neuauflage dann auch wieder Hannes Reichel mit auf dem Platz steht, ist eine andere Frage. „Mit einer Gehirnerschütterung ist nicht zu spaßen, das braucht seine Zeit“, sagt Menger.