Zweieinhalb Monate, nachdem der erste Versuch, ein ähnliches Paket zu schüren, in der Villa Borsig vor den Toren Berlins spektakulär (und lärmend) gescheitert war, schaffen es CDU, CSU und SPD doch noch, sich auf ein halbwegs stimmiges Reformpaket zu einigen. Die Fraktionsspitzen und einige Fachminister haben in den vergangenen Wochen lautlos getagt, ohne Dauerstreit, ohne Wasserstandsmeldungen in den sozialen Medien.
Diese wiedergefundene Fähigkeit zum Kompromiss ist mindestens ebenso wichtig wie der Inhalt des Pakets. Wer hätte das dieser Regierung noch zugetraut?
Vor allem einer taumelnden SPD ist es hoch anzurechnen, dass sie sich nach den Landtagswahl-Debakeln in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im Frühjahr nicht in Fundamentalopposition zurückgezogen hat.
Eine überfällige Kampfansage an die AfD
Das Paket und der Auftritt von Merz, Klingbeil und Co. ist so auch eine überfällige Kampfansage an die AfD, die der Union und Umfragen zu enteilen droht, und bei den anstehenden Landtagswahlen im September erstmals einen Ministerpräsidenten stellen könnte.
Es ist zu hoffen, dass die Regierung die neu geschöpfte Kraft nun dafür nutzt, das Land weiter zu reformieren oder „flott zu machen“, wie der Kanzler sagt. Ein politisch unruhiger Sommer, wie im vergangenen Jahr, als die Regierung damit scheiterte, die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf für das Bundesverfassungsgericht zu nominieren, könnte nun tatsächlich vermieden werden.
Stattdessen sollte Deutschland nach diesem ersten Kraftakt Zukunftsfreude und Optimismus für die nächsten Jahre tanken, gespeist von den Parteien der demokratischen Mitte.
„Herzlich willkommen an der frischen Luft“, sagt der Kanzler zur Begrüßung im Garten des Kanzleramts, als er das Paket vorstellt. Durchatmen - ein bisschen gilt das in diesen Tagen auch für seine Regierung.