Markus Söder fällt ein altes Versprechen auf die Füße. Doch in der Debatte über eine Amtszeitbegrenzung für den Ministerpräsidenten sollte es um mehr gehen.
Wer nur lange genug im Amt ist, der wird unweigerlich von seinen alten Versprechungen eingeholt, weil es erstens oft anders kommt, als man zweitens denkt. Sachlagen können sich ändern – und mit ihnen auch die Überzeugungen. Mit just diesem Argument hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schon öfter einen Kurswechsel begründet. Diesmal dürfte ihm das besonders schwerfallen.
„Signal für mehr
Demokratie“
Vor acht Jahren, als neuer Ministerpräsident, hat Söder den Bayern ein – so wörtlich – „Signal für mehr Demokratie“ versprochen und damit eine Verfassungsänderung, welche die Amtszeit des Ministerpräsidenten auf zehn Jahre begrenzt hätte. Zu der Verfassungsänderung ist es nie gekommen, weil FW, Grüne und SPD damals ein Wahlkampfmanöver witterten und im Landtag die Zwei-Drittel-Mehrheit verhinderten.
Doch nun ist das für den CSU-Chef und seine Partei delikate Thema wieder auf der Tagesordnung, die Vorbereitungen für ein Volksbegehren haben dafür gesorgt. Wortreich müssen die Matadore der Christsozialen erklären, weshalb heute falsch sein soll, was sie selbst vor acht Jahren gefordert haben.
Söder erscheint als Politiker, dem die Macht wichtiger ist als alte Versprechen – das ist ein nicht zu unterschätzender Ballast für den Landtagswahlkampf 2028, in dem der 59-Jährige wieder als Spitzenkandidat ran will. Wie sehr das ÖDP-Volksbegehren auf Söder zielt, wird schon an der sehr steilen These deutlich, dass der derzeitige Amtsinhaber „besonders viele Anlässe“ geliefert habe, „die eine Amtszeitbegrenzung gut begründen können.“