Neueröffnung Das Kunstprojekt else! startet durch. Diesmal haben sich die Mitglieder in einer alten Molkerei niedergelassen. Was es dort zu erleben gibt.
Würde es in Münnerstadt keine Leerstände geben, gäbe es keine Geschäftsgrundlage für das soziale Kunstprojekt „else!“. Doch das wird sicher nicht passieren und somit wird die Initiatorin, die Künstlerin Mia Hochrein, mit ihrem Team weiter Baulichkeiten in ihrem Heimatort finden, in denen Kunst auf Zeit zu Hause ist.
Eigentlich war das mal in einem Abstand von fünf Jahren angedacht, weil – wie Mia Hochrein in ihrer Begrüßungsrede ausführte – drei Monate Durchführung mindestens ein Jahr Vorbereitung erfordere. Jetzt, mutmaßlich in einer alten Molke-Wanne stehend, eröffnet sie vor vielen Gästen im Haus Riemenschneiderstraße 13, an dessen Ladentür noch der Name „Blümlein“ prangt, das sozio-kulturelle Projekt „Zum Molker“.
Gassenhauer an der Stadtmauer
Dieses Haus, bestehend aus ehemaligen Ladenräumen im Erdgeschoss und Wohnräumen in den oberen Stockwerken, hat früheren Generationen als Einkaufsstation für Milchprodukte gedient. Ein Hof, in dem einmal eine Scheune und Ställe standen, ist für die Kunstaktion jetzt eine klassische Möglichkeit, interessiertes Publikum zu binden.
Und wenn, wie zur Eröffnung „Lady Laktose und die Intoleranten“ (Milli Genth, Sabine Häring, Detlev Beck) mit einstudierten „Milch“ und „Mürscht“ Gassenhauern zu bekannten Melodien aufspielen, ist trotz gefühlter 40 Grad Celsius, im Schatten der Altstadtmauern Hochstimmung angesagt. Noch angenehmer war der ständige Sprühnebel, der von Bernd Wohlfromm aus einer Pumpe reihum ausgepustet wurde.
Man konnte es aushalten und deswegen blieben auch Bürgermeister Michael Kastl (CSU) und Dritter Bürgermeister Leo Pfennig bei ihren Statements nicht ganz trocken. Beide fanden das Engagement des else!-Teams als große Bereicherung für Münnerstadt. Unter anderem eben auch deswegen, weil else! es jetzt auch in kürzeren Abständen schafft Leben in die Altstadt zu bringen. Das bringt auch neue Sichtweisen mit sich. Jedenfalls, so Leo Pfennig ist das Projekt „Zum Molker“ wieder ein „Kulturzentrum auf Zeit“ und lenkt einen positiven Blick auf die Stadt.
Großes Netzwerk an Unterstützern
Mia Hochrein war „auf ein Bier“ bei Hubert Mangold im Gasthaus gewesen. Dabei erfuhr sie von der Übernahme des Hauses durch die Carl-von Hess-Stiftung, die gerade das Juliusspital in der Nachbarschaft saniert. Mit Martin Pfeuffer von der Stiftung konnte schnell Einigung über das Vorhaben Kunstprojekt erzielt werden. Das große Netzwerk von Mia Hochrein, ob es potentielle Förderstellen und natürlich Künstlerinnen und Künstler, die kurzfristig bereit für eine Ausstellung sind oder sogar als „Artist in Residence“ im Haus leben und arbeiten wollen, sie findet auf jeden Fall ihr 14-köpfiges Team auf ihrer Seite.
Der integrative Altstadtverein Münnerstadt ist seit einigen Jahren das Dach der Kunstinitiative. Dazu kommen 30 bis 40 Helferinnen und Helfer. In ihrer eigenen Sprache, bei der mitunter die Erschrockenheit über ihre eigene Leistung als Entschuldigung rüberkommt, dankt Mia Hochrein allen für die Bereitschaft solch ein Projekt zu realisieren.