Es ist nie zu spät

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Alfred Greubel hat nach vielen Jahren Pause seine Baßtuba wieder aus dem Keller geholt und spielt wieder.
Alfred Greubel hat nach vielen Jahren Pause seine Baßtuba wieder aus dem Keller geholt und spielt wieder.
Sie haben im Erwachsenenalter noch ein Instrument gelernt: Dieter Enzinger, Ruth Maria Kirchner, Martina Büttner und Lydia Zier
Sie haben im Erwachsenenalter noch ein Instrument gelernt: Dieter Enzinger, Ruth Maria Kirchner, Martina Büttner und Lydia Zier
Josef Hammerl

Hobby  Beim Jugendmusikverein Aura können auch Erwachsene noch ein Instrument lernen. Warum sie das tun und was ihnen daran gefällt, erklären sie in einem kurzen Interview.

Seit zehn Jahren bietet der Jugendmusikverein (JMV) Aura auch Ausbildungskurse für Erwachsene an allen Blasinstrumenten und Schlagzeug an. Nahezu alle sind von Beginn an mit Erfolg dabei und mittlerweile auch wertvolle Stützen im Hauptorchester, heißt es in einer Pressemitteilung des JMV.

Der Verein verfügt über erfahrene Ausbilderinnen und Ausbilder, die seit vielen Jahren erfolgreich Musikerinnen und Musiker ausbilden und begleiten. Ziel sei nicht nur das Erlernen eines Instruments, sondern auch die Freude am gemeinsamen Musizieren und die spätere Mitwirkung im Orchester.

Am Samstag, 5. Juli, um 16 Uhr, lädt der Jugendmusikverein Aura wieder zu einer Informationsveranstaltung zur Instrumentenausbildung für Erwachsene in den Proberaum des Vereins in der Schulstraße 89 in Aura ein. Die Veranstaltung richtet sich an alle Erwachsenen – ganz gleich, ob sie bisher noch keine musikalischen Vorkenntnisse besitzen oder nach längerer Pause wieder ein Instrument in die Hand nehmen möchten. Ausgebildet werden können Interessierte an Instrumenten des hohen und tiefen Blechs, Holzblasinstrumenten sowie am Schlagzeug. Für die Verpflegung mit Kaffee und Kuchen ist bestens gesorgt.

Musikerinnen und Musiker, die im Alter zwischen 40 und 45 Jahren mit der Ausbildung begannen und nach zwei bis fünf Jahren in der Ausbildung nun im Hauptorchester mitspielen stellten sich einigen Fragen, wie es in der Pressemitteilung weiter heißt.

Warum haben Sie sich entschlossen, sich für ein Musikinstrument ausbilden zu lassen?

Dieter Enzinger: Meine Tochter spielte damals im Hauptorchester des JMV Alt-Saxophon. Ich wollte probieren, das Tenorsaxophon zu spielen, weil ich Freude beim Zuhören hatte und das Alt-Saxophon schon probiert hatte. Beim Termin zur Instrumentenprobe für Erwachsenen Bildung habe ich zugeschlagen.

Ruth Maria Kirchner: Nachdem ich schon immer den Wunsch hatte Altsaxophon zu lernen, kam der Aufruf bei einem Konzert des JMV Aura gerade richtig. Diese Chance wollte ich mit der Perspektive ergreifen, später als aktive Musikerin im Verein mitspielen zu dürfen.

Martina Büttner: Mein Sohn hat ein Instrument angefangen, und im Ort gab es die Möglichkeit – es war eine spontane Idee.

Ich konnte keine Noten lesen und wollte es unbedingt lernen.

 

Die Ausbildung dauert circa drei Jahre, Sie sind dabeigeblieben. Warum?

Dieter Enzinger: Die Musik macht mir Freude und man kann sich immer noch verbessern und spielt weitere Lieder. Die Musiker sind einander Freunde. Dirigent und Lehrerin spornen zum Fleiß an.

Ruth Maria Kirchner: Der Einzelunterricht ist sehr individuell, die Übungsstücke werden von meiner Musiklehrerin Eva-Maria Schaub so ausgewählt, dass Defizite verbessert werden oder die Unterrichtsstunde nochmals als Ergänzung zur Musikprobe dient.

Martina Büttner: Ich habe einen großartigen Ausbilder. Man freut sich über die eigenen Fortschritte. Es macht Spaß, und es tut gut, sich beim Üben komplett auf etwas anderes zu konzentrieren.

Lydia Zier: Der theoretische und praktische Unterricht hat mir viel Freude bereitet, und ich konnte deutliche Fortschritte erkennen. Außerdem habe ich eine großartige Musiklehrerin.

Haben Sie auch einmal mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören? Wenn ja, nach welcher Zeit und warum?

Dieter Enzinger: Nein. Aber es ist schon anstrengend, wenn viele neue Lieder einzustudieren sind und sonst viele Termine anstehen. Wenn man nicht weiter kommt, nervt es. Aber zusammen im Orchester steigt die Begeisterung und es geht weiter.

Ruth Maria Kirchner: Aufhören wollte ich zu keinem Zeitpunkt. Natürlich ist es als Erwachsener nicht immer leicht die Zeit zum Üben zu finden.

Martina Büttner: Seit ich im Hauptorchester mitspiele sind die unterschiedlichen Leistungsniveaus manchmal frustrierend. Aber der Dirigent und meine Mitmusikanten nehmen mich immer wieder mit.

Lydia Zier: Nein.

Jetzt spielen Sie im Hauptorchester. Was ist dabei für dich besonders bereichernd?

Dieter Enzinger: Die Sticheleien an den 1. Trompeter. Nein, die Stimmung im Team, der Ehrgeiz, das Klangvolumen des Orchesters.

Ruth Maria Kirchner: Die Gemeinschaft, die wöchentlichen Proben und natürlich die Auftritte.

Martina Büttner: Man lernt sich selbst neu kennen. Es ist bereichernd an Erfahrung und an Schnapssorten nach der Probe.

Lydia Zier: Das Musizieren in der Gemeinschaft macht viel Spaß, ist ein guter Ausgleich und bereichert meinen Alltag. Wir haben einen sehr guten Dirigenten, der uns motiviert und das Orchester stetig weiterentwickelt.

Ein Bekannter überlegt sich, sich zur Ausbildung an einem Musikinstrument anzumelden. Er hat aber noch Zweifel. Mit welchen Argumenten würden Sie versuchen, ihn zu überzeugen?

Dieter Enzinger: Musizieren ist eine Bereicherung des Lebens. Man hat sehr viel Freude und gewinnt Freunde. Ein Konzert hört sich in den Reihen des Orchesters am besten an.

Es ist auf jeden Fall eine Bereicherung ein Instrument spielen zu können. Wenn der Wunsch da ist, sollte er sich diesen auch erfüllen. Es ist ein sehr schönes Hobby.

Martina Büttner: Ich würde ihm unbedingt empfehlen, ein bis drei Monate Schnupperunterricht zu nehmen, damit er merkt, dass Musizieren Spaß macht, die Konzentration fördert und ein spannendes Hobby ist. Außerdem ist es ein generationsübergreifendes Hobby – jeder ist willkommen.

Lydia Zier: Musik ist ein wunderschönes Hobby. Gehirn und Lunge werden trainiert, man sieht seine eigenen Fortschritte und kann anderen Menschen eine Freude bereiten.

Alfred Greubel wurde im Kindesalter an der Baßtuba ausgebildet. Nach langjähriger Pause hat er sein Instrument buchstäblich wieder aus dem Keller geholt. „Mit neun Jahren fing ich an Tuba zu spielen. Nach einer etwa 20-jährigen beruflichen Pause konnte ich vor drei Jahren einfach wieder anfangen Musik zu spielen und das Gemeinschaftsgefühl erleben. Wenn man spürt wie die Musikkollegen mitgehen und das Publikum die Musik und die Freude der Musikanten feiert, gibts Gänsehaut. Heut bin ich mir bewusst, dass es ein Segen für mich ist Musikant zu sein.“ red