Rund 200 Besucher erkundeten Ober- und Unterdorf von Werberg. Am alten Kirchplatz informierten Walter Kömpel und Marion Stephan über die jahrhundertealte Geschichte des Rhöndorfs.
Im 12. Jahrhundert wurde zur Grenzsicherung zwischen dem Fürstbistum Fulda und dem Hochstift Würzburg die Wehrburg errichtet, 1444 wurde sie nach vielen kriegerischen Auseinandersetzungen vom Würzburger Fürstbischof erobert und zerstört. Der Ort wuchs dennoch im Laufe der Zeit.
1850 wurde die Kirche errichtet, deren Bauplanentwürfe König Maximilian II. eigenhändig abänderte. Erst neun Jahre später hatte Werberg seinen eigenen Friedhof. Dieser wurde 1976 zur Gedenkstätte umgebaut und 2017 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) renoviert.
Eisenerz abgebaut
Dass in Werberg auch eisenerzhaltiges Gestein abgebaut wurde, wurde 1935 durch eine plötzlich eingetretene Erdsenke von fünf Metern Durchmesser wieder bekannt. Nach einen Stolleneinbruch war das Erdreich sechs Meter in die Tiefe gestürzt. Dank des Erzabbaus und der weiteren Verarbeitung war manchen Familien bis ins 16. Jahrhundert das Einkommen gesichert.
Von 1937 an begann die Reichsumsiedlungsgesellschaft, den Bewohnern von Werberg ihre Anwesen abzukaufen, denn die Wehrmacht hatte sich das Areal als Mittelgebirgsstandort für den Truppenübungsplatz „Hohe Rhön“ ausgesucht. Aus Werberg und weiteren Dörfern wurden insgesamt 2600 Menschen abgesiedelt.
Werberg wurde im Zweiten Weltkrieg als Wehrertüchtigungslager genutzt. 1945 waren im Dorfareal sogenannte „Displaced Persons“, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, untergebracht, ein Jahr später wurde das ehemalige Dorf durch die US-Militärregierung mit Heimatvertriebenen wiederbesiedelt. Bis 1966 lebten diese in einer starken Dorfgemeinschaft zusammen. Aufgrund der Erweiterung des Truppenübungsplatzes mussten sie ihre neue Heimat allerdings schon bald wieder verlassen.
Andacht auf dem Friedhof
Pfarrer Tadeusz Krawczyk erinnerte in der Andacht auf dem einstigen Friedhof von Werberg an Jesu Worte: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen“. Vertrieben-Werden mache deutlich, wie vergänglich das Leben sei: „Alles Lebende hat keinen Ewigkeitscharakter“. Unsere Existenz sei wie ein „Windhauch“ und vor dem Johannes-Evangelium „aus einer anderen Perspektive zu sehen. Unsere Heimat ist im Himmel“, erklärte Pfarrer Krawczyk .
Seit 1973
„Heimat bleibt Heimat“, betonte Ewald Kleinhenz. Als „Abkömmling der `Ersten Generation 1938“ kommt er jedes Jahr sehr gerne wieder, wenigstens für einen Tag, in seine alte Heimat zurück. Er dankte dem Organisationsteam für die Weiterführung des 1973 ins Leben gerufenen Werberger Treffens.