Ein Schwimmbad im Garten der Mutter

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Roselinde Laufer steht im ehemaligen Garten ihrer Mutter Pauline Möller, in dem die Wehrmacht das Schwimmbecken gebaut hatte. Die Häuserschilder erinnern an ihr Elternhaus . Nun ist der Zugang zum alten Schwimmbecken nur über einen Trampelpfad dur...
Roselinde Laufer steht im ehemaligen Garten ihrer Mutter Pauline Möller, in dem die Wehrmacht das Schwimmbecken gebaut hatte. Die Häuserschilder erinnern an ihr Elternhaus ...
Roselinde Laufer steht im ehemaligen Garten ihrer Mutter Pauline Möller, in dem die Wehrmacht das Schwimmbecken gebaut hatte. Die Häuserschilder erinnern an ihr Elternhaus . Nun ist der Zugang zum alten Schwimmbecken nur über einen Trampelpfad dur...

Beim Werberger Treffen kamen auch kuriose Umstände von früher zur Sprache

Wenn die Schilder nicht da aufgestellt worden wären, wo einst das abgebildete Haus tatsächlich stand, würde man vorbeigehen und von Werberg kaum noch etwas erleben. Mehr als 70 Schilder standen an den Wegesrändern und ließen erahnen, wie das Dorf bis 1973 ausgesehen hatte. In jenem Jahr wurden die Kirche und alle Häuser von der Bundeswehr und der US Army gesprengt, einzig die Antoniuskapelle und das Schwimmbad wurden verschont.

Beim Werberger Treffen war das Interesse am Schwimmbad sehr groß. Auch hier: stünden die „Häuserschilder“ nicht, würden Auswärtige das ehemalige Übungsbecken der Wehrmacht nicht erkennen.

Roselinde Laufer kennt das Schwimmbad nur zu gut, denn es wurde quasi im Garten ihrer Mutter, damals wohnhaft in der Nummer 11, gebaut. Eigentlich war es das Sportbecken für die Soldaten, doch nach deren Dienstschluss erfreuten sich natürlich die Werberger an dem kühlen Nass. Das Werberger Schwimmbad übte auch auf die Menschen der benachbarten Gemeinden eine hohe Anziehungskraft aus.

Von Unkraut überwuchert

Pauline Möller, die Mutter von Roselinde Laufer, hatte gegen das Schwimmbad in ihrem Garten eigentlich gar nichts einzuwenden, „doch als die erste fremde Frau aus dem Wasser stieg, war ihr das zu viel“, erzählt Laufer.

Wer sich heute ein paar Meter durch das Dickicht kämpft, ist von dem Schwimmbecken beeindruckt, obwohl der Zahn der Zeit deutlich an ihm genagt hat und der Beckenboden von Unkraut überwuchert ist.

Rund 200 Besucher erkundeten Ober- und Unterdorf von Werberg. Am alten Kirchplatz informierten Walter Kömpel und Marion Stephan über die jahrhundertealte Geschichte des Rhöndorfs.

Im 12. Jahrhundert wurde zur Grenzsicherung zwischen dem Fürstbistum Fulda und dem Hochstift Würzburg die Wehrburg errichtet, 1444 wurde sie nach vielen kriegerischen Auseinandersetzungen vom Würzburger Fürstbischof erobert und zerstört. Der Ort wuchs dennoch im Laufe der Zeit.

1850 wurde die Kirche errichtet, deren Bauplanentwürfe König Maximilian II. eigenhändig abänderte. Erst neun Jahre später hatte Werberg seinen eigenen Friedhof. Dieser wurde 1976 zur Gedenkstätte umgebaut und 2017 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) renoviert.

Eisenerz abgebaut

Dass in Werberg auch eisenerzhaltiges Gestein abgebaut wurde, wurde 1935 durch eine plötzlich eingetretene Erdsenke von fünf Metern Durchmesser wieder bekannt. Nach einen Stolleneinbruch war das Erdreich sechs Meter in die Tiefe gestürzt. Dank des Erzabbaus und der weiteren Verarbeitung war manchen Familien bis ins 16. Jahrhundert das Einkommen gesichert.

Von 1937 an begann die Reichsumsiedlungsgesellschaft, den Bewohnern von Werberg ihre Anwesen abzukaufen, denn die Wehrmacht hatte sich das Areal als Mittelgebirgsstandort für den Truppenübungsplatz „Hohe Rhön“ ausgesucht. Aus Werberg und weiteren Dörfern wurden insgesamt 2600 Menschen abgesiedelt.

Werberg wurde im Zweiten Weltkrieg als Wehrertüchtigungslager genutzt. 1945 waren im Dorfareal sogenannte „Displaced Persons“, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, untergebracht, ein Jahr später wurde das ehemalige Dorf durch die US-Militärregierung mit Heimatvertriebenen wiederbesiedelt. Bis 1966 lebten diese in einer starken Dorfgemeinschaft zusammen. Aufgrund der Erweiterung des Truppenübungsplatzes mussten sie ihre neue Heimat allerdings schon bald wieder verlassen.

Andacht auf dem Friedhof

Pfarrer Tadeusz Krawczyk erinnerte in der Andacht auf dem einstigen Friedhof von Werberg an Jesu Worte: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen“. Vertrieben-Werden mache deutlich, wie vergänglich das Leben sei: „Alles Lebende hat keinen Ewigkeitscharakter“. Unsere Existenz sei wie ein „Windhauch“ und vor dem Johannes-Evangelium „aus einer anderen Perspektive zu sehen. Unsere Heimat ist im Himmel“, erklärte Pfarrer Krawczyk .

Seit 1973

„Heimat bleibt Heimat“, betonte Ewald Kleinhenz. Als „Abkömmling der `Ersten Generation 1938“ kommt er jedes Jahr sehr gerne wieder, wenigstens für einen Tag, in seine alte Heimat zurück. Er dankte dem Organisationsteam für die Weiterführung des 1973 ins Leben gerufenen Werberger Treffens.