Marco Meissner

"Das ist schon der Wahnsinn! Die ganze Welt spricht über autonomes Fahren als Zukunftstrend, und in Oberfranken, in Kronach, am Lucas-Cranach-Campus, wird man das in wenigen Monaten studieren können!" Der Oberfranken-Offensiv-Geschäftsführer Frank Ebert war sichtlich beeindruckt von den aktuellen Entwicklungen in der Region. Im Zuge eines virtuellen Fachforums unter dem Dach des Demografie-Kompetenzzentrums wurde am Donnerstag aufgeschlüsselt, wo der Bezirk und der Kreis Kronach in Sachen autonomes Fahren heute schon stehen und wo sie zukünftig hin wollen.

Kronachs Landrat Klaus Löffler (CSU) antwortete Ebert auf die Frage, wie eine anfängliche Skepsis gegenüber neuer Technologie überwunden werden kann: "Wir müssen die Stärke, die der ländliche Raum hat, permanent in den Mittelpunkt stellen. Und wir müssen draußen bei den Menschen dafür werben, dass sie die Stärken, die wir haben, auch unterstützen." Da passt der bevorstehende Start des Studiengangs "Autonomes Fahren" perfekt ins Bild. "Wir bilden das ab, was gelehrt wird", betonte Löffler das Zusammenspiel des Campus' mit der Modellregion, zu der sich Kronach auch mit den autonomen Testbussen bereits entwickelt hat.

Die Fortschritte im Bereich des autonomen Fahrens sollten sich später im ÖPNV-Gesamtkonzept widerspiegeln. Dafür seien autonome Fahrzeuge allerdings als eine Ergänzung zu sehen, nicht als eine Ablösung des gewohnten ÖPNV, wie mehrere Redner unterstrichen. Auch für ein Projekt zur Netzabdeckung mit 5G-Technologie habe sich der Landkreis erfolgreich beworben, so Löffler. Das sei ein wichtiger Schritt, um das autonome Fahren voranzubringen.

Ein technologischer Wegbereiter durfte sich vorstellen: die Firma Valeo, die in Neuses mit ihrer Forschungsabteilung ansässig ist. Jörg Schrepfer erläuterte, dass für den "Weltmarktführer für Sensorik" 80 Ingenieure dort an den Projekten zur Fahrerassistenz arbeiten. In der Forschung für das autonome Fahren würden die Bereiche Autobahn, ländliche Gebiete und Stadt berücksichtigt. Die besondere Landschaft, die Firmen im Umfeld und die Hochschullandschaft seien triftige Argumente für die Forschungsarbeit in Oberfranken gewesen.

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz hob hervor, dass eine solche Ansiedlung wie bei Valeo ein sehr positives Signal für Oberfranken sei. "Wir müssen alle Menschen mitnehmen. Wir setzen uns auch mit Bedenken auseinander", stellte sie klar, dass die Verantwortungsträger nicht blauäugig an neue Entwicklungen und Technologien herangehen. "Aber ich denke, ganz wichtig ist, dass die Menschen, die die Region entwickeln wollen, zunächst einmal begeistert sind von der Zukunft und die Chancen auch sehen und vermitteln." mrm