Obwohl sie unter Bewährung stand, warf eine 45-jährige Kulmbacherin Wohnungsgegenstände durch das geschlossene Fenster auf die Straße. Vorangegangen war ein heftiger Streit mit ihrem Freund. Jetzt musste sich die Frau für ihre Tat vor dem Amtsgericht verantworten.

Richterin Sieglinde Tettmann verhängte am Ende wegen der begangenen Sachbeschädigung eine viermonatige Freiheitsstrafe, die sie auf vier Jahre zur Bewährung aussetzte. Außerdem muss die 45-jährige Rentnerin eine Geldauflage von 800 Euro zahlen. Erschwerend kam für sie hinzu, dass sie zur Tatzeit unter Drogeneinfluss stand.

Tettmann hielt eine Freiheitsstrafe für unerlässlich, denn: "Die Spitze der Fahnenstange ist jetzt erreicht!"

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth warf der renitenten Rentnerin eine erhebliche Sachbeschädigung in ihrer Mietwohnung vor. Nach einem Streit mit ihrem Freund habe sie einfach Gegenstände durch zwei geschlossene Fenster auf die Straße geworfen. Sie habe dabei in Kauf genommen, dass sich vorbeilaufende Fußgänger verletzen. Zum Glück seien aber keine Personen zu Schaden gekommen.

Ruhiger geworden

Im Zeugenstand saß zunächst eine Mitbewohnerin des Mietshauses. Sie berichtete, dass es in der Vergangenheit öfter zu lauten Wortgefechten zwischen der Kulmbacherin und ihrem Freund gekommen sei. Nach besagtem Vorfall sei es aber ruhiger geworden. Dennoch räumte die Zeugin ein, dass sie sich darüber freuen würde, wenn die Angeklagte ausziehen würde.

Ein ermittelnder Polizeihauptkommissar berichtete, dass er und ein Kollege gerufen worden seien, weil eine Frau in ihrer Wohnung laut herumgeschrien und randaliert habe. Auf das erste Klingeln sei den Beamten kein Einlass gewährt worden. Erst nach mehrmaliger Aufforderung sei die Wohnungstür geöffnet worden.

Neben einer vermüllten Einbauküche hätten sein Kollege und er in der Wohnung nur wenige Möbelstücke vorgefunden. "Uns war bekannt, dass die Frau Drogen nimmt. Wir haben dann die Einweisung in die Bezirksklinik Bayreuth veranlasst."

Der Schaden an den beiden Fenstern belief sich auf knapp 3000 Euro.

Aus dem Bundeszentralregister verlas Richterin Sieglinde Tettmann einen Eintrag vom Juli 2018. Dabei ging es um nicht weniger als acht Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, für die die Angeklagte eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten erhalten hatte.

Seit sieben Jahren konsumiere seine Mandantin Rauschgift, sagte Verteidiger Ralph Pittroff. Er versicherte jedoch, dass sie in wenigen Tagen mit ihrem Freund eine Drogentherapie antreten werde.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Bayreuth sprach von einer vorsätzlichen Sachbeschädigung unter einer noch offenen Bewährung. Einen Ansatz für eine positive Sozialprognose sah er nicht. Er forderte eine Freiheitsstrafe von vier Monaten.

"Positive Grundstimmung"

Rechtsanwalt Ralph Pittroff verwies auf das uneingeschränkte Geständnis seiner Mandantin, auf deren Reue und "die positive Grundstimmung" seit dem Tag der Sachbeschädigung. Er hielt eine Geldstrafe für ausreichend, zumal seine Mandantin erstmals überhaupt vor Gericht stehe. Beim Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz sei die Verhandlung in ihrer Abwesenheit geführt worden.

Nach dem Urteilsspruch erklärte Ralph Pittroff, auf Rechtsmittel zu verzichten. Rei.