Seit rund einem halben Jahr sitzen Christian Beßler (49) von der AfD, Andreas Popp (47) von den Grünen sowie Regina Enz (32) und Georg Reck (35) von der CSU im Höchstadter Stadtrat. Wir fragten sie nach ihren Gründen, für das Amt zu kandidieren, nach ihrem politischen Engagement im Vorfeld und ob sich ihre Vorstellungen von der Arbeit im Gremium bewahrheitet haben.

Christian Beßler engagiert sich politisch, weil er Entscheidungen nicht anderen überlassen will. Beßler ist ehemaliger JU-Ortsvorsitzender in Höchstadt und war CSU-Mitglied bis 2010. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten und seinem Bekanntheitsgrad aus der Vergangenheit hat er mit einer Wahl gerechnet. Aus Gesprächen mit langjährigen Mandatsträgern im Stadtrat und Kreistag wusste er, was auf ihn zukommt. Mit allen Dingen ist er noch nicht vertraut, denn "es wäre vermessen, das zu behaupten". In der Kommunalpolitik sei hauptsächlich Sachpolitik angesagt, und wer das ernsthaft betreiben möchte, müsse sich da schon einlesen und mit bestimmten Themen auseinander setzen.

"Wichtige Themen sind für mich der soziale Wohnungsbau, aber auch der Ausbau bzw. die Sanierung von Schulen und Kitas. Der Wirtschafts- und Jobmotor sind Mittelstand und Kleinunternehmen wie die Handwerksbetriebe. Nur durch sie kann sichergestellt werden, dass wichtige Steuerquellen für die Kommunen wie beispielsweise die Gewerbesteuer nicht versiegen."

Sein größter Wunsch: "Es muss wieder möglich sein, auch unangenehme Dinge anzusprechen und zu diskutieren, ohne dass man gleich gebrandmarkt wird. Die Meinungsfreiheit ist ein wichtiges Gut in der Demokratie und muss entschieden von allen verteidigt werden."

Andreas Popp war schon, seit er denken kann, politisch interessiert. "Besonders die Globalisierung beschäftigt mich sehr und das Bewusstsein, dass wir bei immer noch ungebremstem Bevölkerungswachstum vor immer größeren Herausforderungen stehen. Diese müssen bei uns vor Ort, wo wir leben, angegangen werden, mit modernen Antworten. Ökonomie und Ökologie schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander. Deshalb wollte ich nicht länger nur interessierter Zuschauer bleiben, sondern mich auch einbringen."

Parteipolitisch hat er kein Vorleben. Auch hat er nicht damit gerechnet, gewählt zu werden, "höchstens dass die Grünen in Höchstadt auf so viel Zustimmung stoßen, dass mein Listenplatz zu einem Sitz im Stadtrat führt." Natürlich ist er noch nicht mit allen Dingen vertraut. "Ich empfinde es als keinen Nachteil. So hat man einen unvoreingenommenen Blick auf die Dinge und bleibt wachsam."

Auf die Frage, ob er sich als Frischling ernst genommen fühlt, antwortet er: "Ich glaube nicht, dass es darauf ankommt, ob ich ernst genommen werde, sondern vielmehr darauf, dass die Argumente eine Stimme bekommen haben und ernst genommen werden. Besonders beschäftigt mich aber, dass eine große Mehrheit im Stadtrat offenbar mehr Probleme mit drei frünen Räten hat als mit einem Vertreter einer Rechtsaußenpartei."

Sein wichtigstes Thema ist die Höchstadter Flächenverbrauchspolitik, die nur einigen wenigen auf kurze Sicht Vorteile verschaffe und der Allgemeinheit großen Schaden zufüge. "Höchstadt hat viele Qualitäten, und die gilt es, zur Geltung zu bringen und zu bewahren. Unsere Kinder und deren Kinder sollen in einer gesunden, lebens- und liebenswerten Umgebung leben können."

Regina Enz haben die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre dazu bewogen, sich politisch zu engagieren. "Themen wie die Abschaffung der Studiengebühren, Freihandelsabkommen oder die Privatisierung des Wassers sowie die Fusion der Sparkassen haben mich bewegt." Es sei leicht, sich über Missstände zu beschweren. Wenn man unzufrieden ist, müsse man selbst aktiv werden. Sie ist mittlerweile über acht Jahren politisch engagiert.

Ursprünglich hat sie bei den Freien Wählern angefangen und stand 2014 als Ersatzkandidatin auf der Liste für den Gemeinderat Bad Abbach. Über die Politik hat sie ihren Mann Christian kennengelernt. Zusammen haben sie die vergangenen drei Jahre im Wahlkampfmodus verbracht. Nach 100 Prozent Einsatz war sie guter Dinge, ein vorzeigbares Ergebnis einzufahren. "Dass ich in den Stadtrat und Kreistag gewählt wurde, hat mich dafür umso mehr gefreut!"

Sie war sich bewusst, dass es eine ernste Sache ist, die sehr zeitintensiv ist und man so einiges an Energie aufbringen muss. Von Beginn an habe die CSU-Fraktion sie als vollwertiges Mitglied akzeptiert. Das hat sie sehr gefreut, weil es nicht selbstverständlich ist. "Mir kommt es vor, als wäre ich schon immer da gewesen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob der Kopf der Verwaltung alle Fraktionen ernst nimmt."

Aktuell müsse der Stadtrat dafür sorgen, dass Höchstadt gut durch die Krise kommt und fehlende Steuereinnahmen durch besonnene Sparsamkeit kompensieren. "Prio 1 hat für mich die Infrastruktur - Straßen in einen guten Zustand bringen und dafür sorgen, dass notwendige Einrichtungen zum einen vorhanden sind bzw. errichtet werden, zum anderen gut ausgestattet sind. Beim Thema Flächenverbrauch und Vergabe von Baugrund gilt es, Gerechtigkeit herzustellen - zwischen Mensch und Natur, Alt und Jung sowie Einheimischen und Zugezogenen."

Ihr größter Wunsch ist es, bei allen Belangen, die sie mitentscheidet und gestaltet, die richtigen Entscheidungen zu treffen. "Ich möchte eine gute Infrastruktur und bezahlbaren Wohnraum auch für diejenigen, die nicht mit einem sechsstelligen Jahresgehalt nach Hause kommen. Mein Ziel ist auch, dass wir mit unseren Ressourcen sorgfältig umgehen und diese sinnvoll einsetzen."

Georg Reck kam durch Zufall in den Stadtrat. "Vor der Wahl 2014 kamen Alexander Schulz und Franz Rabl auf mich zu und fragten, ob ich mir vorstellen könnte, für den Stadtrat zu kandidieren." Im Jahr 2017 kam er als Nachrücker in den Stadtrat - ohne politisches Vorleben. 2020 ging er mit einer gewissen Erwartungshaltung in die Wahl. "Jedoch habe ich nicht mit einem derart positiven Ergebnis gerechnet."

Seine Kandidatur hat er nie bereut. Hauptthema für ihn als Bewohner und Gewerbetreibender der Innenstadt ist und bleibt die Innenstadt. "Aber gerade in diesen herausfordernden Zeiten gilt es, die Stadt (nicht nur Innenstadt) mit den verfügbaren Mitteln weiterzuentwickeln." Sein größter Wunsch ist ein klarer Fahrplan zur Weiterentwicklung des Stadtzentrums. Momentan gebe es nur negative Nachrichten (Schließungen, Aufschiebung von Projekten, etc.). Dies müsse geändert werden, so dass man als Bürger Höchstadts wieder gerne in seine Innenstadt geht. "Ich weiß auch, dass das nicht von heute auf morgen passieren kann und es ein langer Weg wird."