Einen ungewöhnlichen Beginn hatte die Verhandlung gegen einen 55-jährigen Rentner aus dem Landkreis vor dem Amtsgericht in Haßfurt. Der Mann war wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Schon bei der Einlasskontrolle war einem Justizbeamten aufgefallen, dass der Beschuldigte offensichtlich unter Alkoholeinfluss stand, was er auch der Vorsitzenden Richterin des Schöffengerichts, Ilona Conver, mitteilte. Auch der Staatsanwalt wusste Bescheid; er hatte bereits bei der Polizei in Haßfurt Beamte angefordert, um beim Angeklagten einen Alkoholtest zu veranlassen. Hinzugeholt wurde noch der Amtsarzt.
Der Angeklagte und sein Verteidiger, Rechtsanwalt Wolfgang Heinrich, waren der Ansicht, dass der 55-Jährige der Verhandlung folgen könne. Der Alkoholtest der Polizei im Gerichtssaal ergab gestern um 9.30 Uhr 2,4 Promille. Nachdem der Amtsarzt mit dem Angeklagten unter vier Augen gesprochen hatte, sagte der Mediziner, er gehe davon aus, dass der Angeklagte trotz der 2,4 Promille verhandlungsfähig sei. "Er ist relativ normal, gab auf meine Fragen Auskunft; ich denke, dass er alles mitbekommt."


Auseinandersetzung

Staatsanwalt Ralf Hofmann trug die Anklage vor. Danach hatte der Angeklagte im Oktober 2015 am Nachmittag mit seiner Lebensgefährtin in seiner Wohnung Streit. Dabei soll er ihr einen Faustschlag auf die Nase versetzt und sie mit einem Fischermesser bedroht und später bei seiner Festnahme durch die Polizei Widerstand geleistet haben. Er habe gesagt, dass er ihr die Kehle durchschneiden wolle. Bei der Polizei habe die Frau nach dem Vorfall ausgesagt, dass sie sich gewehrt und er sie mit dem Messer "nur" am Kinn verletzt habe.


3,2 Promille

Als die Polizei in der Wohnung des Verdächtigen eintraf, lag er im Bett, konnte allerdings den Anweisungen der Polizeibeamtin, wie diese als Zeugin aussagte, folgen. Ein Alkoholtest am Tattag ergab beim Angeklagten einen Wert von 3,2 Promille.
Auf Vorhalt des Staatsanwalts sagte der 55-Jährige, dass er am Tag schon so 14 Bier trinke. An die Tat selbst will er keine Erinnerungen mehr haben. "Ich weiß nur, dass ich bei der Polizei aufgewacht bin."
Das Opfer, die Lebensgefährtin, gab bei ihrer Vernehmung an, mit dem Angeklagten verlobt zu sein. Sie berief sich als Verlobte auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Sie musste keine weiteren Angaben machen.
Die Polizeibeamtin schilderte als Zeugin, das der Beschuldigte sich bei seiner Festnahme gegen die Fesselung gewehrt und sie auch gestoßen habe. Verletzt wurde die Polizistin dabei nicht.
Da sogar von einem versuchten Totschlag ausgegangen wurde, hatte die Sachbearbeitung die Kripo in Schweinfurt übernommen. Der dortige Sachbearbeiter sagte aus, dass eine Tat-ortrekonstruktion angestellt wurde, hieraus aber keine Erkenntnisse über den Tatablauf gewonnen werden konnten. Bei der ärztlichen Versorgung der Wunde im Krankenhaus Haßfurt wurde bei der Lebensgefährtin eine vier Zentimeter lange Schnittwunde am Kinn festgestellt. Bisher ist der Angeklagte nach den Worten der Richterin strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten.
Das Schöffengericht sprach den Angeklagten der gefährlichen Körperverletzung und des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte für schuldig. Es verhängte eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Der Verurteilte wird für diese Zeit einem Bewährungshelfer unterstellt und er muss eine Geldauflage von 900 Euro an einen Kindergarten bezahlen.


Warnende Worte

Die Richterin machte in ihrer Urteilsbegründung deutlich, dass Auseinandersetzungen mit einem Messer schlimm enden können: "Die Polizei hat schon manchmal Tote vorgefunden."