Sie heißen Schafnase, Roter Ausbacher oder Reders Goldrenette und waren bis in die 1990er Jahre kaum noch ein Begriff: die alten Rhöner Apfelsorten. Ein Netzwerk ehrenamtlicher Apfelfreunde hat die ökologisch wertvollen Streuobstwiesen im Unesco-Biosphärenreservat Rhön aus dem Dornröschenschlaf geholt.

Apfelbäume gehörten früher in jeden Rhöner Bauerngarten. Dazu besaß fast jedes Dorf eine oder mehrere Streuobstwiesen, die von der Landbevölkerung bis in die 1950er Jahre hinein bewirtschaftet wurden. Mit über 500 Sorten ist die Vielfalt in der Rhön beachtlich. Mit Einführung des Ertragsanbaus folgte der Niedergang. Heimisches Obst war nicht mehr gefragt, der Anbau auf den Streuobstwiesen nicht mehr rentabel. Bäume wurden aufgegeben, Anbauflächen verbuschten. Zudem wurde Bauland benötigt, weshalb in den 1960er und 70er Jahren viele Apfelbäume dem Bagger weichen mussten.

Mit Folgen für die Artenvielfalt, denn Streuobstwiesen mit hochstämmigen Obstbäumen auf Wiesen, Weiden oder Mähweiden sind wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. Sie spielen auch eine wichtige Rolle im Klimaschutz.

Dem Untergang, der auch den Rhöner Äpfeln drohte, stellten sich ehrenamtliche Apfelfreunde aus der Rhön entgegen. Ausgehend von einer Projektidee der Verwaltungen des Unesco-Biosphärenreservats Rhön gründeten sie 1995 die Rhöner Apfelinitiative. Eine der ersten Aktionen war die Organisation einer länderübergreifenden Apfelmesse. Jürgen Krenzer, Vorstands- und Gründungsmitglied, erinnert sich: "Viele Rhöner wussten damals gar nicht, welchen Schatz sie mit den Streuobstwiesen direkt vor der Haustür haben."

Das Konzept ging auf: Immer mehr Menschen, die mit den Rhöner Äpfeln Geld verdienten, kamen auf den zweijährlichen Apfelmessen zusammen. Im Jahr 2002 fand die letzte statt. "Irgendwann brauchte es keine Messen mehr, der Apfel ist zum Selbstläufer geworden, sodass die Initiative mehr in die Vermarktung einsteigen konnte", erzählt Krenzer.

104 Mitglieder

Heute versteht sich der Verein mit seinen derzeit 104 Mitgliedern als Dachorganisation für alle, denen der Erhalt der Rhöner Streuobstwiesen mit ihren Apfelbeständen am Herzen liegt. Dazu zählen Apfelbauern und Baumschulen ebenso wie Keltereien und Erzeuger von Apfelprodukten.

Das Apfelbüro, wie sich die zentrale Koordinierungsstelle nennt, gibt Tipps zur Anlage neuer und zur Pflege von Streuobstwiesen, berät über Förderungsmöglichkeiten, vermittelt Kontakte. Eine ganze Reihe kreativer Apfelprodukte ist seit Gründung der Apfelinitiative entstanden. Apfelchips, Apfelsenf, Apfelsherry, Apfelbier oder Apfelbratwurst sind nur einige der kulinarischen Neukreationen. Der Erfolg spricht für sich, die Rhöner Apfelinitiative ist inzwischen eine der größten bio-zertifizierten Vermarktungsinitiativen für heimisches Streuobst in Deutschland.

Die Apfelinitiative setzt sich auch für die Nachwuchsförderung ein: "Wir möchten in der Rhön ein Netzwerk von BaumWarten aufbauen, die sich länderübergreifend um das bestehende Streuobstpotential kümmern, als Multiplikatoren fungieren und im Austausch untereinander bleiben", kündigt die Geschäftsführerin an. Weiterführende Informationen unter www.biosphaerenreservat-rhoen.de/rhoenapfel. red