Ebersdorf bei Coburg — Direkt an der Bundesstraße 303 bei der Abfahrt in die Kellergasse in Frohnlach soll ein neuer Discounter entstehen. Nahversorgung für die Bürger sollte doch positiv aufgenommen werden, meint man. Doch es regt sich Widerstand. Anlieger der Kellergasse machen sich Sorgen, dass mit dem Einkaufsmarkt ein Problem noch größer wird, das sie schon seit Jahren beklagen: Wasser in ihren Kellern.

"Bei Starkregen schafft es der Kanal nicht mehr und dann drückt es das Wasser bei uns in die Häuser", sagt Bernd Franzkowiak. Ein Problem, das seit 25 Jahren bekannt ist, wie er sagt. Längst wäre es nötig gewesen, den Kanal zu erweitern, damit er auch bei Starkregenereignissen für das anfallende Oberflächenwasser ausreicht. Schließlich sollen im Zuge des Klimawandels Wetterextreme, allen voran Starkregen, immer häufiger vorkommen. "Wenn jetzt noch einmal einige Tausend Quadratmeter versiegelt werden, wird es nur noch schlimmer", ist er überzeugt.

Zusammen mit seinem Sohn Matthias hat Bernd Franzkowiak Unterschriften bei den betroffenen Anliegern gesammelt, um bei der Gemeinde auf das Problem aufmerksam zu machen. "Neun haben unterschrieben", sagt er. Zudem haben sie einen Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht eingeschaltet, der sie bei der Vertretung ihrer Interessen unterstützen soll.

Gemeinde verweist auf Bauleitverfahren

Bürgermeister Bernd Reisenweber (FW) ist der Ärger der Anwohner nicht unbekannt. Doch er verweist auf die Bauleitplanung der Gemeinde, in deren Zuge auch die Anlieger ihre Bedenken vorbringen können. "Wir haben dazu auch zu einer öffentliche Sitzung eingeladen, bei der sich alle über den Sachstand hätten informieren können, aber von den Betroffenen war nur einer erschienen", sagt er. Mit dem Bauherrn werde zurzeit noch geklärt wie die Entwässerung erfolgen soll. Die ursprüngliche Planung sah bereits vor, dass "verzögert eingeleitet" werden sollte. Das hätte bedeutet, dass Oberflächenwasser vom Gelände des Discounters zuerst einem Auffangbecken zugeleitet würde und dann, eben "verzögert" in den Kanal fließen würde, wenn das Auffangbecken voll ist. "Da werden aber Möglichkeiten geprüft, das Wasser ganz anders abzuleiten, so dass gar nichts in den Kanal der Kellergasse abgeht", sagt Bernd Reisenweber.

Eine solche Lösung, bei der das Wasser direkt in den Grund hinter dem Baugelände abgeführt wird, favorisiert auch der Bauherr, wie Bernd Franzkowiak inzwischen weiß. "Das Schreiben von unserem Anwalt haben wir auch den Bauherren geschickt", sagt er. Die hätten inzwischen die Betroffenen zu einem Info-Termin eingeladen und ihre Absicht bekräftigt, so eine Lösung umzusetzen.

Kritisiert Bernd Reisenweber, dass nur ein einziger Betroffener zur Sitzung des Gemeinderats zu dem Thema gekommen war, so gibt Bernd Franzkowiak den Vorwurf zurück, denn zur Infoveranstaltung der Bauherren sei dann auch kein Vertreter aus dem Gemeinderat oder einer der Bürgermeister erschienen. Bis der erste Spatenstich erfolgen kann, bewahrheitet sich dann wohl die Erwartung von Bernd Reisenweber: "Es bleibt spannend."

Spannend bleibt es aber auch für die Anwohner, wenn sich für den Discounter eine Lösung findet, die den Kanal nicht zusätzlich belastet. Sie warten nämlich weiter darauf, dass der Kanal erweitert und so ihr Problem bei Starkregengüssen beseitigt wird.

Was steckt im Boden?

Spannend bleibt auch, was nach den ersten Baggerschaufeln beim Bau des Discounters ans Tageslicht kommt. Denn auch da teilt der Anwalt der Franzkowials Bedenken mit. Wo der Markt errichtet werden soll, gab es früher einmal eine Tankstelle. In einer benachbarten Mulde seien früher Fässer und sogar ein Auto, ein NSU Prinz, entsorgt worden. Nach seiner Erinnerung sollte das alles noch im Boden stecken.

Ein Problem, das den Betreibern des Projekts nicht verschwiegen worden sei, betont Bernd Reisenweber. Und: "Es gab drei Bodengutachten auf dem ehemaligen Tankstellengelände", sagt er. Offenbar wurde dabei nichts gefunden, was die Bauabsicht der Investoren geändert hätte. Klar sei aber auch, dass so etwas immer das Risiko dessen ist, der die Fläche kauft und bebaut. Finden sich dort also Altlasten, so muss der Investor sie entsorgen. Fest stehe aber auch, dass dann nach dem Verursacher gesucht werde. "Wenn da wirklich ein alter NSU Prinz gefunden wird, und der einem der Anlieger zugeordnet werden kann, dann gilt das Verursacherprinzip", sagt Bernd Reisenweber. Nun werden mit Spannung die weiteren Entscheidungen erwartet.