Eckehard Kiesewetter Die Kirche Simon und Juda, ein repräsentativer barocker Bau mit rund 30 Meter hohem Turm samt Zwiebelhaube, war 1745 eingeweiht worden. Doch was heute ein harmonisches Bild abgibt, hat eine komplizierte Vorgeschichte. Der untere Teil des Kirchturms soll nämlich noch aus dem frühen 14. Jahrhundert stammen. Dokumente aus dem Jahr 1232 belegen, dass der Ort damals zur Pfarrei Pfarrweisach gehörte und dass in Ermershausen eine hölzerne Kapelle bestand. Um 1300 wurde Ermershausen als Zentrum eines Sprengels, der in etwa dem heutigen Gemeindegebiet Ermershausens und Maroldsweisachs entsprach, zur Sendpfarrei bestimmt. Das bedeutete, dass dort einmal jährlich eine Visitation durch den Bischof von Würzburg oder einen seiner Beauftragen stattfinden sollte. So wurde die hölzerne Kirche durch einen steinernen Kirchenbau ersetzt, die Filialkirche St. Peter. 1464 war Ermershausen in Würzburg als selbstständige Pfarrei verzeichnet.

Die Reformation spaltete den Pfarrsprengel, und der Dreißigjährige Krieg traf Ermershausen schwer. Er kostete zahlreiche Bürger das Leben, Anwesen wurden zerstört, die Kirche wurde schwer beschädigt. Jahrzehntelang betreute der zuständige Vikar das von der Adelsfamilie Hutten regierte Ermershausen daraufhin von Birkenfeld aus, denn wegen Not und Verarmung war an einen Neuaufbau in Ermershausen nicht zu denken. Erst mehr als 30 Jahre nach dem Krieg fasste man eine Reparatur der Kirche ins Auge; tatsächlich möglich wurde der Wiederaufbau aber erst ab 1730. Damals war die alte Kirche so baufällig geworden, dass sie in Teilen eingelegt werden musste.

Eigentlich waren 600 Gulden als Baukosten veranschlagt, doch auch damals gab es auf dem Bausektor schon Kostenexplosionen, wie sie heute bei repräsentativen öffentlichen Projekten fast schon an der Tagesordnung sind. Als die Kirche am Tag der Apostel Simon und Juda im Jahr 1745 eingeweiht wurde, schlugen Baukosten von mehr als 1600 Gulden zu Buche.

Die Ermershäuser hatten an der Schuldenlast umso schwerer zu tragen, als sich mehrere Orte aus dem Pfarrsprengel lossagten. Die Bürger von Gresselgrund, für die man eigens einen separaten Eingang an der Nordseite der Kirche reserviert hatte, nahmen eine heftige Auseinandersetzung bei einer Hochzeit zum Anlass, sich abzuwenden. Andere Orte taten dies auf Geheiß ihrer Herren aus dem Adelsgeschlecht derer von Stein von Altenstein.

Woher weiß man dies alles heute noch so genau? Quelle sind jeweils Urkunden, die in Archiven sorgsam aufbewahrt wurden. Manchmal aber sind es auch Zufallsfunde, die der Öffentlichkeit überraschende Einblicke in das Geschehen früherer Jahrhunderte ermöglichen. So ist vieles aus der Bauzeit wie die Kosten für einzelne Gewerke, beispielsweise aber auch die Ausgaben für die Bewirtung und Verköstigung der ausführenden Arbeiter in Kirchenbüchern verzeichnet, sogenannten Heiligenbüchern. Ausgerechnet die Rechnungsbücher aus den Jahren 1725 bis 1765 waren lange Zeit verschollen geblieben. 2014 aber hatte ein Privatmann aus Birkenfeld die Dokumente durch Zufall entdeckt, die nun Aufschluss über die spannenden Umstände des Kirchenbaus im Dorf geben.