Marco Meissner Zwölf Jahre am Ruder der Kreisstadt liegen hinter Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (65/FW), wenn er in wenigen Wochen sein Kapitänspatent weiterreichen wird. In diesem Dutzend Jahre hat er von der Flaute im Stadtsäckel über tosende Gewässer rings um die KWG, Loewe und die Schulen bis hin zu einer frischen Brise an Investitionsmöglichkeiten so gut wie alle Szenarien erlebt, die einem Stadtoberhaupt begegnen können.

Mit einem Stift in der Hand sitzt Beiergrößlein nun vor einem Bündel Unterlagen. Daraus wird bald seine abschließende Rede für den Stadtrat entstehen. Sein Finger gleitet über eine ellenlange Reihe von abgehakten Punkten. Neun Seiten füllen diese kleinen und großen Marksteine seiner Amtszeit. Sie reichen von Arbeiten an Straßen über Anschaffungen für die Wehren und Sanierungsmaßnahmen bis hin zum Hochwasserschutz. Mehr als 320 Einzelposten sind da aufgelistet.

Als seine ganz persönliche Bilanz mag Beiergrößlein diese aber nicht werten. So wie er es gerne in den Sitzungen des Stadtrats tut, hält er es auch beim Gespräch mit unserem Reporter am Esszimmertisch. Es seien Gemeinschaftsleistung seiner Mannschaft gewesen, also des Ratsgremiums und der Verwaltung, betont er. Jeder Beteiligte könne sich zurecht eine Scheibe davon abschneiden. Oder wie er stets zu sagen pflegt: "Dou hoam me alla wos gekönnt."

Bei dieser Aussage geht sein Blick ganz an den Anfang der Liste. Dort steht eine Zahl: 37,7 Millionen Euro. Um diesen Wert wurden die Schulden der Kreisstadt seit 2008 abgebaut. Ohne diesen Erfolg einer konsequenten Konsolidierung wäre Kronach nach Beiergrößleins Ansicht dauerhaft handlungsunfähig gewesen.

"Zu Beginn meiner Dienstzeit hätte ich nicht geglaubt, dass wir heute als Stadt so dastehen würden", sagt er mit Blick auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre. Beim Kassensturz zum Amtsantritt sei er erschrocken. Doch mit Selbstvertrauen und der positiven Einstellung seiner Mitarbeiter habe er die Phase des Grübelns schnell hinter sich gelassen.

Haushalt im Blick

"Ich stehe dazu, dass ich versucht habe, zu sanieren", erklärt Beiergrößlein mit Blick auf die Finanzen der Kreisstadt. Eine Linie, die ihm nicht zuletzt beim Verkauf der Kronacher Wohnungsbaugesellschaft mitunter kritisch vorgehalten wurde. Doch er ist bis heute überzeugt, dass dieser Entschluss alternativlos war. "Die KWG GmbH war total verschuldet, und niemand hätte den Sanierungsstau beheben können", ist er überzeugt.

Der Sparkurs war seiner Ansicht nach der entscheidende Faktor, um mit der Zeit wieder Fahrt aufzunehmen. Denn während der Schuldenstand sank, stiegen allmählich wieder die Investitionen der Stadt. An die 60 Millionen Euro waren es in den vergangenen zwölf Jahren.

Marksteine zweier Amtszeiten

Darin enthalten waren einige große Herausforderungen. Am auffälligsten dürfte das neue Feuerwehrzentrum von Stadt und Landkreis später an die Amtszeit des 65-Jährigen erinnern. Die Sanierung der Lucas-Cranach-Grundschule und die Auflösung der Stadtteilschulen waren Maßnahmen, durch die das Gremium unter Beiergrößlein eine grundlegende Entscheidung in Bildungsfragen getroffen hat.

Wegen der Straßenausbaubeitragssatzung herrschte lange Zeit Zurückhaltung, was größere Arbeiten an den innerstädtischen Straßen betrifft. Eine Überbelastung der Bürger sollte vermieden werden. Nach der rechtlichen Neuregelung wurde mit der Festungsstraße jedoch gleich ein dicker Brocken in Angriff genommen.

Dass die Festung Rosenberg als touristisches Schmuckstück weiter gereift ist, darf sich Beiergrößlein mit auf die Fahnen schreiben. So wurden nicht nur neue Möglichkeiten geschaffen, die Anlage für Veranstaltungen und Ausstellungen zu nutzen, sondern mit der Jufa wurde auch ein renommierter Partner für einen Hotelbetrieb gefunden. Darüber hinaus darf Beiergrößlein in seinen letzten Amtsmonaten auch noch den Neustart bei Loewe und die beiden Hochschulprojekte begleiten.

"Ich habe mich leidenschaftlich gerne eingebracht, und wir haben ein gutes Fundament geschaffen", bilanziert der Bürgermeister die Stadtratsarbeit seit 2008. Die Finanzen der Stadt seien geordnet. Die Perspektive ist also gut.

Beiergrößlein mahnt aber dazu, nun nicht übermütig aus dem Vollen zu schöpfen. Die jetzige Situation "ist kein Freibrief". Denn weiterhin gelte in der Konsolidierung: "Alles muss erst finanziert sein." Schließlich möchte Wolfgang Beiergrößlein sein Schiff Kronach auch als "Zivilist" nie wieder mit Schlagseite in rauer See erleben müssen.