von unserem Redaktionsmitglied 
Alexander Hartmann

Kulmbach — Das hat bei den Kulmbacher Gastronomen eingeschlagen wie ein Hammer: "Casa"-Wirt Matthias Wuschek und der Straßenzugbeauftragte der Oberen Stadt, Peter Seuß, haben kurz vor der Eröffnung des Altstadtfestes die Stadt aufgefordert, ihr Veranstaltungskonzept zu überdenken. Wuschek spricht von strengen Sicherheitsvorkehrungen und hohen Gema-Gebühren, die Kosten verursachen - und von einem steten Besucherschwund. Ein lukratives Geschäft sei da kaum mehr zu machen, erklärt der Gastwirt, der für sich die Konsequenzen gezogen hat: Vor dem "Casa" in der Oberen Stadt spielt 2015 erstmals keine Live-Musik. DJs legen auf. Es sei die kostengünstigere Variante, sagen Wuschek und Peter Seuß.
Was Helmut Völkl, den Leiter des Tourismus- und Veranstaltungsservices der Stadt, verwundert, ist der Zeitpunkt, an dem die Grundsatzdiskussion angestoßen wird. Er hat zudem kein Verständnis dafür, dass Wuschek der Stadt vorwirft, "ihr Schema mit sturer Gewalt durchzuziehen". "Wir ziehen kein Schema stur durch." Seit Januar gebe es monatliche Sitzungen mit den Straßenzugbeauftragten, bei denen man Kritik und Wünsche anbringen könne. "Wir sind für jede Anregungen dankbar", betont Völkl. Auch über Wuscheks Wünsche hätte man diskutieren können.

Längere Ausschankzeiten?

Der "Casa"-Wirt ("Das Fest hat an Stellenwert verloren") hat mit Blick auf das veränderte Ausgehverhalten junger Leute und den sinkenden Umsatz gefordert, dass die Ausschankzeiten am Freitag und Samstag um eine Stunde verlängert werden. Dafür könnte man den Sonntag, an dem seit Jahren nicht mehr viel los sei, gemütlich ausklingen lassen. Um Gema-Gebühren zu sparen, können sich er und Peter Seuß vorstellen, dass man da in einigen Straßenzügen ganz auf Live-Musik verzichtet. Es sei ein Lösungsansatz, um das Fest für Wirte wie Standbetreiber wieder interessant zu machen. "Viele kommen doch nur noch Null auf Null raus."
"Es sind Vorschläge, über die man sprechen kann", sagt Helmut Völkl und führt an: "Um die Ausschankzeiten zu ändern, hätte es einen Stadtratsbeschluss gebraucht. " Ob jemand Live-Musik biete oder einen DJ, das entscheide allerdings nicht die Stadt. "Das liegt immer noch in den Händen der Wirte und Straßenzugbeauftragten."
Dass sich viele Gastronomen über den Vorstoß aus der Oberen Stadt wundern, macht Armin Kull deutlich, der sich um das Programm auf dem Marktplatz kümmert. "Es gibt keinen ungünstigeren Zeitpunkt, als wenige Tage vor dem Altstadtfest diese Diskussion zu starten. Das ist alles andere als werbeträchtig und hat viele verärgert."

"Das funktioniert auch 2015"

Auch Kull hat die Erfahrung gemacht, dass das Geschäft immer schwieriger wird. "Doch ich bin anderer Meinung als Wuschek und Seuß. Es hilft nichts, nur zu klagen. Es liegt am Konzept, das den Ausschlag gibt, ob man wirtschaftlichen Erfolg hat oder nicht." Am Marktplatz setze man weiter auf Live-Musik statt auf DJs. "Weil wir überzeugt sind, dass das auch 2015 noch funktioniert." Um erfolgreich zu sein, müsse man hart arbeiten. "Der Marktplatz ist der größte Platz. Wir haben das größte Risiko", sagt Kull und führt an: "Wir sind seit neun Monaten auf der Suche nach Sponsoren und verhandeln mit Bands." Die Stadt nimmt er in Schutz: "Die kann nichts dafür, dass die Rahmenbedingungen schwieriger werden."
Von einem "Rückschritt" beim Altstadtfest spricht Andreas Ellner, der den Auftritt der Gößmannsreuther Bands im Oberhacken organisiert. Die Live-Musik in der Oberen Stadt sei ein Zugpferd gewesen, sagt Ellner, der sich freuen würde, wenn es nach dem Altstadtfest ein Gespräch über die künftige Ausrichtung geben würde. Für einen Streit davor habe er kein Verständnis, sagt Ellner und führt an: "Wenn ein Veranstalter im Vorfeld erklärt, dass die Veranstaltung nichts Besonderes mehr ist, fehlt ihm womöglich die Energie, um ein liebevoll gestaltetes Event zu kreieren."