Die künftige Förderung der Jugendarbeit und des Sports hat in der jüngsten Sitzung des Schul-, Sozial- und Migrationsausschusses für durchaus kontroverse Diskussionen gesorgt. Die Überarbeitung der Zuschussrichtlinien ging auf einen Antrag der SPD-Kreistagsfraktion zurück. Am Ende fand die von der Verwaltung ausgearbeitete Fassung die Zustimmung aller Mitglieder des Ausschusses. Festgelegt wurde dabei auch, die Situation nach einer gewissen Zeit neu zu bewerten und die Fördermittel dann, wenn es die finanzielle Lage des Landkreises zulässt, aufzustocken.

Der Landkreis Kulmbach gewährt den Sportvereinen zusätzlich zur Vereinspauschale des Freistaats ein jährliches Fixum aus Mitteln des Kreishaushalts. Mit dem Zuschuss, so Landrat Klaus Peter Söllner (FW), wolle man die Jugendarbeit honorieren und unterstützen.

Bislang erhielt jeder antragstellende Sportverein gestaffelt nach der Anzahl der jugendlichen Mitglieder einen pauschalierten Zuschuss. Jetzt wurde ein neues Berechnungsmodell ausgearbeitet, von dem auf Wunsch der SPD-Fraktion vor allem die kleineren Vereine profitieren sollten. "Das Berechnungsmodell wurde entschieden, und wir liegen damit auf Platz zwei aller Landkreise in Oberfranken", sagte Söllner.

Keine Kernaufgabe

Kreiskämmerer Rainer Dippold, Kreisjugendpfleger Jürgen Ziegler und BLSV-Kreisvorsitzender Lothar Seyfferth hatten im Vorfeld eine tragfähige Lösung gefunden "Es werden im Haushalt 2022 weitere 8200 Euro zur Verfügung gestellt", sagte Dippold. Damit habe man ein vertretbares Limit erreicht. Der Kreiskämmerer machte deutlich, dass die Vereinsförderung nicht zur Kernaufgabe des Kreises gehöre.

Hermann Anselstetter (SPD) stellte fest, dass viele Vereine eine "gewaltige Nachwuchsarbeit" leisten. Er forderte eine Nachbesserung der Vereinspauschale um bis zu 15 000 Euro: "Wir sind kein armer Landkreis, die Kinder und Jugendlichen erleben derzeit schwierige Rahmenbedingungen."

Doris Leithner-Bisani (CSU) hielt ein "immer mehr" zwar grundsätzlich für möglich, sah aber auch die Gemeinden in der Pflicht: "Wichtig ist, dass es mit dem Modell eine Verbesserung für alle Vereine gibt."

Thomas Nagel (FDP) meinte, man dürfe den Zuschuss für die Jugendarbeit und den Sport nicht schlechtreden. Er schlug als Kompromiss vor, das ausgearbeitete Berechnungsschema anzunehmen und nachzubessern, wenn sich in den nächsten zwei Jahren ein finanzieller Spielraum ergebe. Ähnlich sah es Hans Schwender (FW): "Wir fördern in einer Höhe, die über das Normale hinausgeht, und sollten das positiv darstellen."

Die Berechnung der Vereinspauschale setzt sich künftig aus zwei Faktoren zusammen: Jeder Verein, der eine Liegenschaft hat, erhält unabhängig von der Größe eine Pauschale von 175 Euro. Zudem bekommt jeder Verein für seine Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis einschließlich 26 Jahren pauschale Zuwendungen. Bis 50 Jugendliche gibt es 100 Euro, bis 100 sind es 200 Euro, bis 200 Jugendliche 400 Euro, bis 500 Jugendliche 800 Euro und bis 1000 Jugendliche 1600 Euro.

Landrat Klaus Peter Söllner gab noch einen weiteren Antrag der SPD-Kreistagsfraktion bekannt, der die Durchführung eines Hearings zum Thema "Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche im Landkreis Kulmbach" zur Vorbereitung bedarfsgerechter Lösungsperspektiven hat. Wie Hermann Anselstetter in dem Antrag darstellte, sei aus wissenschaftlichen Studien, Nachrichten, Expertisen und persönlichen Erfahrungen bekannt, dass Corona bei jungen Menschen psychische, physische und soziale Schäden hinterlässt, die nicht mit der Pandemie enden, sondern mittel- und langfristig sogar dramatischere Folgen haben können als eine Infektion selbst.

Experten sollen gehört werden

Konkret sollen bei diesem Hearing Experten aus dem Landkreis das Wort erhalten. Erklärtes Ziel müsse sein, zukunfts- und bedarfsgerechte Lösungsperspektiven für die Gesundung betroffener Kinder und Jugendlicher zu entwickeln. Der Antrag kommt, wie Landrat Söllner ankündigte, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Schul-, Sozial- und Migrationsausschusses.